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Erfurts Altstadt soll autofrei werden

Erfurt will Autofahrer weitestgehend aus der Altstadt verbannen. In Thüringens Landeshauptstadt soll eine „Begegnungszone“ entstehen, in der Autos nur in Ausnahmefällen fahren dürfen und Fußgänger überall Vorrang haben. Der Stadtrat verabschiedete jetzt einen entsprechenden Verkehrsentwicklungsplan.

Erfurt. 

Autos sollen aus der Altstadt der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt künftig größtenteils verschwinden. Der Stadtrat verabschiedete am Mittwochabend nahezu einstimmig einen entsprechenden Verkehrsentwicklungsplan, wie eine Sprecherin der Stadt am Donnerstag sagte. Danach sollen in der Altstadt öffentliche Parkplätze abgeschafft werden, damit keine Autos mehr einfahren.

Der Plan sieht im Kern ab 2014 eine sogenannte Begegnungszone vor, in der nur wenige Autos fahren und in der Fußgänger überall Vorrang haben. Sie erstreckt sich in einem Radius von etwa 500 Metern rund um den zentral gelegenen Fischmarkt mit dem Rathaus und hat eine Fläche von knapp 80 Hektar. Einige Straßen darin werden komplett für Autos gesperrt. Lieferanten sollen nur noch zu bestimmten Zeiten einfahren können, es soll überall Schrittgeschwindigkeit gelten.

„Vernünftiges Miteinander auf der Straße“

Die wichtigste Neuerung: Öffentliche Parkplätze innerhalb dieses Bereichs wird es keine mehr geben. Bestehende werden in Anwohnerparkplätze und Behindertenparkplätze umgewidmet, wie Achim Kintzel, Leiter der Verkehrsplanung der Stadt, sagte. Autofahrer könnten dann in der Altstadt nur noch kurz halten und nicht mehr parken. „Damit gibt es keinen Parkplatz-Such-Verkehr mehr“, sagt Kintzel. Besucher und Kunden werden ihr Auto auf Parkmöglichkeiten etwas außerhalb der Altstadt abstellen müssen. Parktickets könnten dann als Fahrschein in Bussen und Straßenbahnen genutzt werden.

Kintzel arbeitet seit 2010 an dem neuen Konzept für die Innenstadt. „Es gab damals mehrere Initiativen, die verschiedene Neuerungen wollten“, sagte er. Daraufhin habe sich die Stadt entschieden, einen gänzlich neuen Verkehrsplan zu entwickeln. Seine Behörde habe sich teils über eine Webseite mit Anwohnern, Ladenbesitzern und Verbänden ausgetauscht, bis das Konzept schließlich stand.

Im Stadtrat gab es bei der Abstimmung am Mittwoch nur zwei Enthaltungen, „das zeigt, dass alle dahinter stehen“. Oberstes Ziel sei das „vernünftige Miteinander“ auf der Straße. Sie soll zum Fußweg werden. „Wenn ein Auto kommt, geht man halt auf die Seite“, sagte Kintzel. Bürgersteige würde er an vielen Stellen am liebsten abschaffen. In der Altstadt sei es meist eng, „da ist ohnehin Rücksicht gefragt“.

Neues Verkehrsschild geplant

Da eine „Begegnungszone“ wie in Erfurt im deutschen Verkehrsrecht nicht verankert sei, müssten noch einige Details geklärt werden. Unklar sei zum Beispiel, welche Regeln für Fahrradfahrer gelten werden und wo speziell auf Menschen mit Behinderung Rücksicht genommen werden müsse, sagte er. Für die Zone soll zudem ein neues Verkehrsschild entstehen. Einen Prototyp gibt es zwar bereits, doch sollen bald Bürger Vorschläge einreichen, wie das Verkehrszeichen einmal aussehen soll, hieß es. (dapd)