Elektrofahrräder bergen ein hohes Unfallrisiko

Pedelecs sind schnell und eben deshalb auch nicht ganz ungefährlich. Foto: ddp
Pedelecs sind schnell und eben deshalb auch nicht ganz ungefährlich. Foto: ddp
E-Bikes liegen im Trend. Im laufenden Jahr dürften wohl an die 300.000 so genannte Pedelecs verkauft werden. Ihre Nutzer kommen ohne viel Aufwand schnell voran - mit bis zu 45 Stundenkilometern. Doch gerade darin liegt das Risiko.

Neumünster.. Fahrräder mit Elektromotor liegen im Trend. Von den rein elektrisch fahrbaren E-Bikes und den sogenannten Pedelecs, die das Treten lediglich elektrisch unterstützen, werden allein 2011 wohl 300 000 Stück verkauft werden. Dass damit viele Fahrten umweltfreundlicher als mit dem Auto erledigt werden, hat jedoch eine fatale Kehrseite: die hohe Unfallgefahr.

Normale und elektrisch aufgerüstete Fahrräder fahren auf gleichen Wegen, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Deshalb geraten sie leicht aneinander. Neben E-Bikes und normalen Pedelecs gibt es mittlerweile auch die sogenannten "schnellen Pedelecs", die bis 45 km/h schaffen. Sie stellen ein besonderes Risiko dar. Denn die Autofahrer sind solche möglicherweise urplötzlich auftauchenden Radler nicht gewohnt, erst recht nicht, wenn es sich dabei um Senioren handelt. Riskante Situationen an Kreuzungen und Ausfahrten sind also programmiert.

Crashtests

Und welche Folgen ein Unfall zwischen motorisiertem Radler und Auto haben kann, haben die Unfallforschung der Versicherer (UDV) jetzt in mehreren Crashtests mit Pedelecs ermittelt. Sie können auch unter www.youtube.com/unfallforschung angesehen werden. Das Ergebnis: Die Chancen sind gering, bei einem Zusammenstoß ohne enorm schwere, sogar tödliche Verletzungen davon zu kommen. Wie ein weiterer Test bewies, läuft auch eine Kollision zwischen Radfahrer und Fußgänger unter Umständen verheerend ab.

Die 45-km/h-Pedelecs gelten laut UDV im Prinzip als Kleinkrafträder. Sie müssen also Versicherungskennzeichen, Bremslicht, Spiegel und geeignete Reifen haben. Tatsächlich werden diese Vorschriften jedoch ignoriert. Natürlich auch, weil die Rechtslage unklar ist. Die Versicherer fordern deshalb eine neue, eindeutige Fahrzeugklasse für die "Schnell-Radler". 30-km/h-Beschränkung, Versicherungskennzeichen, Mofa-Prüfbescheinigung, Fahrradhelm und Klingel statt Hupe sollten obligatorisch sein. Darüber hinaus seien stabilere Konstruktionen sowie bessere Bremsen und Reifen für sämtliche elektrisch unterstützten Fahrräder dringend erforderlich.

Rahmenbrüche möglich

Wie die Unfallforscher ausführen, entstehen bei den Elektro-Fahrrädern erhebliche Vibrationen, die bei Dauerbelastung sogar zu Rahmenbrüchen führen können. Generell sei es falsch, die elektrischen Komponenten in normale Fahrräder einzusetzen. Komplettentwicklungen sind notwendig, meint UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Wichtig seien auch ausreichend gekapselte und sicher befestigte Batterien. Akkus im Niedervoltbereich seien unkritisch im Bezug auf Stromschläge. Nachrüstsätze mit 48 Volt sollten aber unbedingt gemieden werden.

Bei Elektro-Fahrrädern, die über Energierückgewinnung (Rekuperation) verfügen und dann keinen Freilauf haben, könne es bei einem Motorkurzschluss zu einem plötzlich blockierenden Antriebsrad kommen. Ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein von den Radlern selbst sowie den anderen Verkehrsteilnehmern ist für eine höhere Sicherheit unabdingbar. Sobald man weiß, welche Geschwindigkeiten mit den motorisierten Zweirädern möglich sind und diese nicht mehr unterschätzt, nimmt auch das Unfallrisiko ab. (mid)

 
 

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