Die meisten Lkw-Fahrer missachten die Ruhezeiten

Die Brummifahrer klagen über zu wenige Parkmöglichkeiten auf Rastplätzen.
Die Brummifahrer klagen über zu wenige Parkmöglichkeiten auf Rastplätzen.
Foto: WR
Die Kontroll-Ergebnisse des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) erschrecken: Zwei Drittel der Brummifahrer verstoßen gegen die Lenkzeit-Vorschriften, viele Fahrtenschreiber sind manipuliert. Der Verband Camion Pro sieht eine wichtige Ursache im eklatanten Parkplatzmangel an deutschen Autobahnen.

Essen.. Viele Trucker sitzen zu lange am Steuer. Sie riskieren Unaufmerksamkeit und Sekundenschlaf. Zwei Drittel der Lkw-Fahrer verstoßen gegen die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten, ergaben Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) und der NRW-Polizei. In wie weit Absicht eine Rolle spielt, ist offen: In nicht wenigen Fällen wurde bei den Stopps festgestellt, dass die eingebauten digitalen Fahrtenschreiber manipuliert waren.

Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums bestätigte der WAZ, dass 2011 bei der Überprüfung von 82 577 Lkw auf die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten 64 000 Verstöße registriert wurden. In 3783 Fällen hatte es Eingriffe in die Kontrollgeräte der Fahrzeuge gegeben. Noch drastischer fällt das Ergebnis aus, das das Kölner Bundesamt für Güterverkehr bei einer Massenkontrolle auf der A 8 bei Irschenberg im Juli ermittelte. 51 Lkw wurden angehalten. In 33 saßen Fahrer, die Ruhezeiten nicht eingehalten hatten. Bei elf Fahrzeugen – 22 Prozent – war das Kontrollgerät durch falsche Plombierung, die Montage von Magneten und Einstellungs-Veränderungen verändert worden.

Das BAG spricht von „teilweise erschreckenden Ergebnissen“. Es will „verstärkt kontrollieren“. Bei Lkw-Unfällen sterben auf den Autobahnen alleine in NRW jedes Jahr zwischen 22 und 27 Menschen. Mehr als 1500 werden verletzt.

Fahrer unter enormem Zeitdruck

Der Verband Camion Pro, der die kleineren Speditionen und Einzelfahrer vertritt, sieht eine wichtige Ursache für die Regelverstöße im eklatanten Parkplatzmangel an deutschen Autobahnen. Die ständig zunehmende Zahl der Lkw findet auf den Raststätten keinen Platz mehr. „Uns fehlen 10 000 Parkplätze. Die Fahrer sind gezwungen, weiterzufahren und überziehen dann ihre Lenkzeiten“, sagte Camion Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch. Sein Verband will Trucker-Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Bußgelder unterstützen, weil der Staat nicht die Voraussetzungen schaffe, dass Vorschriften eingehalten werden können. In Berlin ist das Thema bekannt. „Wir bemühen uns, dem Problem Herr zu werden“, so das Bundesverkehrsministerium.

Mossyrsch räumt aber auch enormen Zeitdruck ein, unter den die Verlader die Fahrer setzen. „Die chemische Industrie will keinen Chemieunfall riskieren. Ihr Werkschutz kontrolliert die Ruhezeiten. Das ist bei vielen Firmen der Lebensmittel-Logistik anders.“

 
 

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