Veröffentlicht inAuto

Das neue Beetle-Cabrio von VW ist eine offene Mogelpackung

Der Beetle ist der einzige VW fürs Herz

VW Beetle Cabrio.jpg
Der Beetle im Retro-Look ist der einzige wirklich emotional ansprechende Volkswagen. Technisch ist die auch die Zweitauflage des „Käfer-Cabrios“ ein älterer VW Golf – und damit eine offene Mogelpackung, sozusagen.

Essen. 

Es sind sachlich gestaltete, funktionelle Autos, die die Marke Volkswagen hervorbringt. Raum für verspielte Formen, für emotional ansprechende Produkte lässt die Wolfsburger Konzernzentrale ihren Kreativabteilungen nicht. Einzige Ausnahme bisher ist das Retromobil Beetle, ein zweitüriger Viersitzer als Reminiszenz an den rundlichen Klassiker, der einst die deutsche Nation mobilisierte und insbesondere in den Herzen von Amerikanern einen Kuschelplatz fand. Es darf und soll sogar emotional überzeugen.

Anfang der neunziger Jahre als Fahrzeug für alternative Antriebe geplant, fuhr der Volkswagen New Beetle in 1998 schließlich doch „nur“ als konventionelles Automobil auf Basis des Golf IV an den Markt. Anders als seine nostalgische Karosserieform vermuten lässt, die zweifelsfrei den Eindruck schürt, dass hier eine neue Generation des urdeutschen VW Käfer vorfahre, treibt den New Beetle keineswegs ein Heckmotor an. Vorn verbaut, beaufschlagen seine aus dem Golf bekannten Kraftwerke auch nicht wie ehedem die Hinterachse. Kurzum: der New Beetle und sein ab 2003 gebautes Cabriolet entpuppen sich streng betrachtet als Mogelpackung.

Doch weil der Schein vielen Kunden wichtiger ist als das Sein, findet das Retromobil trotz allem erstaunlich viele Kunden. Sie vernachlässigen die mässige Funktionalität zu Gunsten sympathischer Erinnerung an das Wirtschaftswunderauto. Insbesondere das Cabriolet mit seinem auf der Karosserie abgelegten Klappdach verzückt die Gemüter. Weltweit wurde der Faltdach-Beetle bis 2010 sogar 234.619 Mal verkauft.

Vollautomatisches Faltdach

Ab Februar 2012 fährt Volkswagen seinen nach oben offenen Sympathieträger mit vollautomatischem Faltdach in gründlich überarbeiteter Version vor. Nicht mehr so pummelig sehe er aus wie einst, erklären die VW-Designer, sondern in der neuen Generation muskulöser, kraftvoller. Man muss schon sehr viel Fantasie mitbringen, um diese Ansicht zu teilen. Denn tatsächlich ist auch das neue Beetle Cabriolet ein in Karosseriedetails überzeichnetes, ziemlich unpraktisches Auto.

Zwei riesige Türen, die in der Parklücke gern den Nachbar anrempeln, bieten leichten Zugang zu den Vordersitzen, aber nur mässigen zum Fond. Vom Lenkrad aus schaut man komplett über den Vorderwagen hinweg. Der Blick nach hinten lässt das Fahrzeugende nur erahnen. Im Interieur geht es ähnlich schlicht zu wie im Original, doch die verarbeiteten Materialien wirken deutlich hochwertiger.

Kein Herzklopfen

Wer das originale Heckmotor-Cabriolet gefahren ist, kann dem Fahrerlebnis im neuen Beetle Cabrio kein Herzklopfen abgewinnen: Es geht so unpersönlich zu wie in den meisten Produkten des C-Segments aus dem Hause Volkswagen. Technisch perfekt, gediegen gestylt, aber leider ohne die geringste Innovation steht der Armaturenträger wie eine Schrankwand im Blickfeld des Fahrers. Eingelassen als Module sind Cockpit und Infotainment, die Mittelkonsole wirkt nachträglich ergänzt. Ein harmonisch gestaltetes Interieur sieht anders aus!

Davor ragt die Frontscheibe zwar steiler auf als im Vorgängermodell, aber noch immer so weit von den Passagieren entfernt wie in einem Van. Das Plateau über der Schrankwand wird von drei Rundinstrumenten bewohnt, die niemand wirklich braucht: Öltemperatur, Stoppuhr und Ladedruckanzeige. Unterwegs entsprechen Gasannahme, Schaltung, Lenkpräzision und Fahrkomfort denen eines Volkswagen Golf. Kein Wunder! Streng genommen ist das aktuelle Beetle Cabriolet ein nostalgisch eingekleideter Golf IV mit moderner Antriebs- und Sicherheitstechnik aus dem Golf VI.

Basisversion mit 1,2-l-Vierzylindermotor

Die Basisversion des neuen Beetle Cabriolet befeuert ein aufgeladener 1,2-l-Vierzylindermotor mit 105 PS. Sie kostet ab 21.350 Euro. Mehr Dynamik ist möglich, auch preislich.

Auch das neue Beetle Cabriolet ist ein nostalgisch eingekleideter Golf. Wer seinen Anblick liebt, weil er an längst verflossene Freundschaften erinnert, darf ihn getrost kaufen. Nicht zuletzt, weil sparsame Antriebs- und neuste Sicherheitstechnik mit gutem Gefühl reisen lässt.

Ob das neue Beetle Cabriolet auch dazu taugt, die Marke Volkswagen emotional aufzuladen, darf bezweifelt werden. Dazu bedarf es weiterer Retro-Schwestermodelle. Etwas des Microbus, der leider nach mehrmaligem Anlauf an der Projektionswand der VW-Produktplaner zerschellte. Aber vielleicht besinnen sich die Wolfsburger Strategen ja noch eines Bessere? Es müssen ja nicht unbedingt Neuauflagen des Volkswagen Karmann-Ghia, Iltis oder gar Schwimmwagens sein.