Brennstoffzelle statt Batterie

Essen. Ab 2015 sollen Brennstoffzellen-Pkw kommen, die aus Wasserstoff ihren Strom an Bord erzeugen. Bei General Motors wird es die nächste Generation nach dem HydroGen4 (Bild) sein. Knackpunkt bleibt das Tankstellennetz. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum "BZ-Mobil".

Der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft ist oft beschworen worden, aber noch weit entfernt. Ohne ihn werden mit dem Gas betriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge nicht aus der Nische von Spezialanwendungen, beispielsweise für Linienbusse, herauskommen. Auf der großen Wasserstoffkonferenz im Mai in Essen stellten große Autobauer die jüngste Generation ihrer Prototypen vor. 2015 sollen die ersten Brennstoffzellen-Pkw erhältlich sein, wie die konkurrierenden Batterieautos noch zu unwirtschaftlich hohen Kosten. Eine Bilanz der Vor- und Nachteile.

Wie arbeitet eine Brennstoffzelle?

In der Brennstoffzelle (BZ) verbindet sich Wasserstoff durch eine so genannte kalte Verbrennung mit Sauerstoff. Es entsteht dabei als Endprodukt Wasser und es fließt Strom. Theoretisch lässt sich eine BZ auch mit anderen, etwa aus fossilen Quellen gewonnenen Treibstoffen wie Methanol betreiben. Die schlechte Klimabilanz spricht aber dagegen. Wasserstoff ist grundsätzlich so ökologisch wie seine Erzeugung.

Den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft vorausgesetzt: Warum nicht das Gas in normalen Motoren verfeuern, die dafür nur leicht modifiziert werden müssen?

Die Energieausnutzung der Brennstoffzelle ist doppelt so gut wie bei einem Wasserstoff gespeistem Verbrennungsmotor, weil die BZ weniger Abwärme produziert. Ein Verbrenner würde also für die gleiche Reichweite einen doppelt so großen Wasserstofftank benötigen. Grundsätzlich ist das Strom produzierende BZ-Fahrzeug ein Elektroauto und damit gegenüber dem Verbrenner bis ca. Tempo 70 km/h leiser und aus dem Stand durchzugsstärker. E-Mobile kommen ohne Getriebe aus und gelten als wartungsärmer.

Was spricht im Vergleich zum batteriegespeisten Elektroauto für BZ-Fahrzeuge?

BZ-Autos haben kein Reichweitenproblem. Das Technikpaket ist viel kleiner und leichter als bei den schweren und großen Batterien. BZ-Autos können deshalb bei der Raumausnutzung genauso gut sein wie jetzige konventionelle Wagen. Die Betankung mit Wasserstoff geschieht in Minuten und nicht wie das Aufladen der Akkus in Stunden. Prototypen-Probleme der BZ wie die Kaltstartfähigkeit bei Minustemperaturen sollen inzwischen gelöst sein. Hauptproblem des BZ-Fahrzeugs bleibt das praktisch nicht vorhandene Netz von teuren Wasserstofftankstellen, während Batterieautos jetzt schon an jeder normalen Steckdose Strom ziehen können.

Was kosten BZ-Pkw?

Die BZ ist sehr teuer, weil pro PS Leistung acht bis zwölf Gramm des teuren Edelmetalls Platin benötigt werden, das sich allerdings zurückgewinnen läßt. In dem Katalysator eines jetzigen Autos stecken zurzeit rund zwei bis vier Gramm Platin. Dazu kommt als Kostenfaktor bei der BZ die eingeschränkte Lebensdauer. Für 2015 wird eine Laufleistung von rund 130 000 Kilometer angepeilt. Erst später sollen es die heute als Minimum geltenden 200 000 Kilometer sein. Die Entwicklungsingenieure des HydroGen4 von General Motors (GM) haben als Ziel, die BZ-Kosten auf ca. 40 bis 55 Euro pro PS zu drücken. Zum Vergleich: Ein konventioneller Vierzylinder kostet nur 1200 Euro. Bis 2015 soll der Aufpreis eines BZ-Autos laut GM auf 10 000 Euro sinken.

 
 

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