Autofahrer verschmähen weiterhin den Biosprit E10

Foto: Dennis Strassmeier/WAZ FotoPool
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Die meisten Autofahrer verschmähen weiter den sogenannten Biosprit E10. Deshalb kommt es beim traditionellen Superbenzin zu flächendeckenden Versorgungsengpässen. Der ADAC kündigte Strafanzeigen gegen Tankstellen an.

Berlin. Die meisten Autofahrer verschmähen weiter den sogenannten Biosprit E10. Weil stattdessen traditionelles Superbenzin getankt werde, komme es dafür zu flächendeckend „befristeten Versorgungsengpässen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag. Der ADAC kündigte Strafanzeigen gegen Tankstellen an.

Picard räumte ein, dass an den von Engpässen betroffenen Tankstellen dann nur noch E10 im Angebot sei. „Die meisten Autofahrer lehnen E10 weiter ab, es gibt einfach zu wenig Superkraftstoff am Markt“, sagte er dazu weiter.

Hohe Kosten und hohe Preise

Der Mineralölwirtschaftsverband wies darauf hin, derzeit würden die Raffinerien zu 80 Prozent E10 und nur zu 20 Prozent Super Plus produzieren. Letzteres reiche nicht, um die große Nachfrage zu decken, die Verteilung könne jedoch nicht ohne Weiteres geändert werden, hieß es laut „Bild“ weiter. Dem Blatt zufolge kaufen die Mineralölkonzerne inzwischen traditionelles Superbenzin in Holland und Polen auf, um die deutschen Tankstellen noch beliefern zu können. Die Folge seien hohe Kosten und hohe Preise.

Der ADAC drohte allen Trankstellenbetreibern mit einer Anzeige, die nach der Einführung von E10 kein traditionelles Superbenzin mehr anbieten. ADAC-Präsident Peter Meyer wies darauf hin, dass immer mehr Tankstellen als Alternative nur noch das teurere Super Plus, teilweise sogar nur Premiumsorten wie V-Power im Angebot hätten. Autofahrer, deren Fahrzeug kein E10 vertrage, müssten so „ohne jede Schuld“ bis zu zwanzig Cent je Liter mehr bezahlen. „Diese Tricksereien zum Nachteil der Autofahrer müssen ein Ende haben“, verlangte Meyer.

Ökologische Effekt umstritten

Der Auto Club Europa forderte von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einen Steuerrabatt auf den sogenannten Biosprit. „Brüderle sollte sich für eine ermäßigte Mineralöl-Steuer auf E10 stark machen“, zitierte „Bild“ ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

Dem Kraftstoff E10 werden zehn Prozent Bioethanol beigemischt, doppelt so viel wie bei traditionellen Kraftstoffen. E10 ist umstritten, weil einige Motoren die höhere Ethanolbeimischung nicht vertragen. Zudem gibt es Berichte über mögliche Langzeitschäden auch bei den übrigen Motoren. Der ökologische Effekt von „Biosprit“ ist umstritten. Umweltschützer befürchten einen Verdrängungseffekt zu Lasten des Anbaus von Lebensmitteln und eine Zerstörung von Wäldern und anderen Naturräumen. (afp)

 
 

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