Aral stoppt Einführung von Biosprit E10 in NRW

Die Autofahrer wollen keinen Biosprit tanken. Marktführer Aral kündigte an, die Einführung von E10 an den Zapfsäulen in NRW wegen der Akzeptanzprobleme zu verschieben. Einen Zeitpunkt nannte Aral nicht.

Berlin/Essen. NRW und das Ruhrgebiet sind Angaben der Mineralölwirtschaft zufolge quasi E10-freie Zonen. Den neuen Sprit gebe es bisher vor allem in Ostdeutschland, Bayern und Teilen Baden-Württembergs. Erst 45 Prozent der deutschen Tankstellen hätten ihn im Angebot.

Der Abneigung gegen den so genannten Bio-Sprit tut das keinen Abbruch. Einer Online-Umfrage des Kfz-Portals auto.de zufolge lehnen 95 Prozent der Deutschen E10 ab. Rund ein Drittel wittert staatliche Abzocke. Andere wissen noch immer nicht, ob ihr Wagen den Ökosprit verträgt. Ein weiterer Teil der Verbraucher glaubt nicht, dass der Treibstoff der Umwelt hilft.

Nach der verpatzten Markteinführung sind Verunsicherung und Ratlosigkeit groß. In der Mineralölwirtschaft herrscht Alarmstimmung. „Wenn die Akzeptanz nicht gesteigert wird, droht E10 zu scheitern“, sagt ein Sprecher von Aral dieser Zeitung.

Engpässe bei Super-Plus

Tatsächlich gibt es bereits Engpässe bei Super-Plus. Bis zu 70 Prozent der Kunden tankten diesen Kraftstoff, obwohl ihre Autos laut Herstellerangaben E10 vertragen und E10 bis zu acht Cent billiger ist. Laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) haben die Tankstellen nicht genug Lagerkapazitäten, um den Sprit in großen Mengen vorrätig zu halten. Drei- bis viermal täglich müssten nun Tankwagen kommen und Super-Plus nachfüllen. Das führe an einigen Tankstellen in Ostdeutschland und in Bayern bereits zu Lieferengpässen.

Aus Lieferengpässen könnte schon sehr bald ein tatsächlicher Versorgungsengpass werden. Wenn die Raffinerien auf Volllast liefen, könnten sie aus dem Rohöl maximal 20 bis 30 Prozent Super-Plus erzeugen. Zugleich seien die Lager der Anlagen mit den übrigen Komponenten, die aus Rohöl gewonnen werden, nahezu voll. Dem MWV zufolge muss die erste Raffinerie in Deutschland am Freitag die Produktion drosseln, wenn sie ihre Lager nicht leer bekommt.

Droht die Einführung von E10 also zu scheitern? Der Bund könnte theoretisch von seiner Biokraftstoffstrategie abrücken. Dafür gibt es keine Anzeichen. „Die Mineralölwirtschaft hat Vorgaben bekommen, diese muss sie nun umsetzen“, sagt FDP-Umweltpolitiker Michael Kauch. Die Branche könnte aber auch von sich aus wieder das bisherige Super-Benzin flächendeckend anbieten. Genau damit droht der MWV. Für die Raffinerien hätte dies einen Vorteil: Aus Rohöl können sie rund 90 Prozent herkömmliches Benzin herstellen. Sie müssten dann aber Strafen in Millionenhöhe zahlen, weil sie die vom Bund vorgegebene Biokraftstoffquote nicht erreichen. „Die Anbieter werden versuchen, die Kosten an die Kunden weiterzugeben“, sagt MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Pro Liter Sprit wären dies zwei Cent, die zusätzlich auf die Verbraucher zukämen.

„Kein Teufelszeug“

Während Mineralölwirtschaft, Autofahrer-Lobby, Autoindustrie und Politik die Verantwortung für das E10-Durcheinander dem jeweils anderen zuschieben, arbeiten alle daran, die Situation zu verbessern. Das Bundesumweltministerium hat für die Tankstellen Info-Bildschirme bereitgestellt.

Auch die Branche selbst will nun die Verbraucher besser über E10 aufklären – mit Warnhinweisen an jedem E10-Schlauch, Infobroschüren und Listen, die aufführen, welches Auto E10 verträgt. „Aufklärung tut not und alle müssen daran mitwirken, den Kunden zu überzeugen, dass E10 kein Teufelszeug ist“, sagt der Aral-Sprecher.

 
 

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