ADAC wettert gegen „unsoziale“ Umweltzone Ruhrgebiet

Neues Schild für die Umweltzone Ruhrgebiet in Herne. Foto: Monika Kirsch/WAZ FotoPool
Neues Schild für die Umweltzone Ruhrgebiet in Herne. Foto: Monika Kirsch/WAZ FotoPool
Kurz vor dem Start reißt die Kritik an einer großen Umweltzone im Ruhrgebiet nicht ab. Die meisten Firmen klagen über die Verschärfung der Umweltregeln. Auch der ADAC geißelt die Umweltzone als unwirtschaftlich und höchst unsozial. Sie treffe vor allem arme Menschen, die auf ältere Autos angewiesen seien.

Essen.. Wenige Tage vor Einführung einer großen zusammenhängenden Umweltzone im Ruhrgebiet üben Handwerksbetriebe, Unternehmen und der ADAC heftige Kritik. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet rechnet mit „erheblichen Auswirkungen“.

Die IHK hatte 200 verkehrsträchtige Unternehmen in der Region befragt. Ergebnis: 80 Prozent sind unzufrieden mit der Verschärfung der Umwelt-Regeln. Sie müssten große Teile ihrer Fahrzeugflotten spätestens ab 2014 vorzeitig erneuern, wenn nur noch Fahrzeuge mit grünen Plaketten in die Zone einfahren dürfen. 1900 Fahrzeuge sollen betroffen sein.

Der ADAC steht flächendeckenden Fahrverboten grundsätzlich kritisch gegenüber und hält auch die Umweltzone Ruhrgebiet für unwirtschaftlich und höchst unsozial. Sie treffe kleinere und mittlere Betriebe ebenso sowie besonders einkommensschwache Menschen, denn diese seien in der Regel diejenigen, die ältere Autos fahren. ADAC-Sprecher Peter Meintz: „Man trägt die Probleme der Umwelt auf dem Rücken der kleinen Leute aus. Das hat einen negativen sozialen Beigeschmack.“

Hohe Belastung durch Stickstoffdioxid

Josef Hovenjürgen, CDU-Fraktionsvize im NRW-Landtag, sagt: „Die Dimension des Eingriffes ist zu groß, um damit die nicht nachgewiesenen positiven Auswirkungen einer Umweltzone Ruhrgebiet zu rechtfertigen.“

Laut Landesregierung haben sich die bisherigen Umweltzonen in 17 Städten an Rhein und Ruhr bewährt. Dennoch stellten besonders die Belastungen durch Stickstoffdioxid immer noch ein großes Problem dar. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) verweist auf „alarmierende Studienergebnisse, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Belastungen durch Feinstaub/Stickstoffdioxid, der Wohnortnähe zu einer vielbefahrenen Straße und der allgemeinen Sterblichkeit sowie der Todesursache durch Herz-/Kreislauferkrankungen zeigen.“

Die neue Regelung tritt ab 1. Januar in Kraft. Sie umfasst weite Teile der Region zwischen Duisburg und Unna. Autofahrer müssen damit rechnen, dass die Polizei und Ordnungsämter verstärkt die Umweltplaketten überprüfen.

 
 

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