A45 – Die Königin der Autobahnen wird 40 Jahre alt

Aus der Luft noch schöner: Talbrücke der A45 bei Drolshagen, eine von 39 allein auf dem Gebiet von NRW. Foto: Hans Blossey
Aus der Luft noch schöner: Talbrücke der A45 bei Drolshagen, eine von 39 allein auf dem Gebiet von NRW. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
1971 war es soweit: Das letzte große Verbindungsstück Autobahn 45, die fortan das Ruhrgebiet mit dem Rhein-Main-Gebiet verband, wurde für den Verkehr freigegeben. Ihre geschwungene Führung und Dutzende hohe Brücken prägen bis heute die einzigartige Sauerlandlinie. Zeit für ein Ständchen zum Geburtstag Ihrer Mäjestät.

Essen.. Am Autobahnkreuz Dortmund Nord-West geht sie los, die Spritztour zu Ehren Ihrer Majestät: 40 Jahre alt wird sie in diesem Jahr die A45. „Königin der Autobahnen“ nennt sie der stolze Sauerländer, so schön geschwungen ist sie, über so viele imposante Brücken führt sie von Dortmund über insgesamt 257 Kilometer durch Hessen hindurch bis ins bayerische Aschaffenburg.

Auf den ersten Kilometern durch Dortmunder Stadtgebiet ist von solcher Erhabenheit keine Spur. Eher eine ganz normale Autobahn im Ruhrgebiet, pucklig, eng und vielbefahren. Aber, kann ja noch kommen. Vor mir und meinem Mini-Peugeot 107 liegen 122 Kilometer Sauerlandlinie bis zur Landesgrenze.

In der Festschrift von 1971 zur Eröffnung des letzten großen Teilstücks feiert man die A45 als „echte Alternative für den Verkehr zwischen dem Ruhrgebiet und dem Rhein-Main-Raum“ so der damalige NRW-Verkehrsminister Ludwig Riemer, „landschaftlich besonders reizvoll“ und „technisch vollendet“ sei sie. Hinzu kommt „ein beachtlicher Erschließungeffekt“, ergänzt Georg Leber (SPD), seinerzeit Bundesverkehrsminister: Bessere Anbindung für südwestfälische Industriestandorte, sowie für Erholungssuchende aus dem damaligen „Pott“.

Der höchste Punkt liegt auf 532 Metern

Östlich von Hagen beginnt die Kletterpartie. Neben mir schleppen sich Lkw-Kolonnen hinauf, mit durchgetretenem Gaspedal treibe ich mein 68-PS-Auto an ihnen vorbei, noch immer langsam genug, um die wahrlich beeindruckende Kulisse zu genießen. Nadelbewaldete Hügel, alte Kirchtürme, neue Windräder und weiter geht es dem wolkenlosen Winterhimmel entgegen.

Der Aufstieg von 100 Metern im Lennetal bis auf die Höhen des Sauerlands ist oft steil, manchmal mit vierprozentiger Steigung. Den höchsten Punkt erreicht die A45 im Ebbegebirge: mit 532 Meter.

Vor Lüdenscheid bin ich froh, dass es noch nicht winterlich ist. Zwar kündigen Hinweisschilder auf den nächsten Kilometern Taumittelsprühanlagen an, aber Blitzeis, querstehenden LKW und sommerbereiften Winterausflüglern aus Holland möchte ich bei solcher Steigung nicht begegnen.

39 Talbrücken zwischen Dortmund und Hessen

Die Taumittelsprühanlage bei Lüdenscheid war seinerzeit Deutschlands erste. Seit 1986 sprüht sie automatisch Salzlösung auf die Fahrbahn, sobald die Feuchtigkeits- und Temperaturfühler Alarm schlagen oder die Winterdienstzentrale es für notwendig hält.

Heute scheint die Sonne. Freie Fahrt über gefühlte hundert Brücken mit klangvollen Namen in sauerländischem Zungenschlag. Kattenohl, Sterbecke, Schlittenbach… und mit jeder Brücke ein neues Panorama.

39 Talbrücken sind zwischen Dortmund und Hessischer Landesgrenze zu überqueren. Die Siegtalbrücke mit fast 106 Metern gehört zu den höchsten Autobahnbrücken Deutschlands. „Technisch ist der hohe Schwierigkeitsgrad vieler Bauwerke bedingt durch die topographische Struktur der Trasse bemerkenswert“, heißt es in der Festschrift. Soviel Ingenieurskunst hatte schon damals ihren Preis: Über ein Drittel der Gesamtkosten der Autobahn floss in den Brückenbau. Für das NRW-Stück lagen diese damals bei 1,1 Milliarden DM.

Bei Drolshagen eine Baustelle – es ist nicht die erste. Männer in gelben Warnwesten sehen emsig aus, gießen dampfenden Asphalt. Mit einem Schild dankt Straßen.NRW für mein Verständnis. Na ja . . . gern geschehen. Irgendwann endet auch Südwestfalen. Ich wechsle ich die Seiten und heimwärts fährt eines der 67 000 Autos, die täglich zwischen Ruhrgebiet und NRW-Landesgrenze unterwegs sind.

 
 

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