Störche haben zwei Flugrouten nach Afrika

Albert von Lotto und seine Frau Mina haben eine weite Reise vor sich. Sie werden den Winter in Afrika verbringen. Dafür müssen die beiden Störche mehrere Tausend Kilometer fliegen.

Loburg (dapd-kid). Albert von Lotto und seine Frau Mina haben eine weite Reise vor sich. Sie werden den Winter in Afrika verbringen. Dafür müssen die beiden Störche mehrere Tausend Kilometer fliegen.

So wie Albert von Lotto und Mina brechen viele Weißstörche vor Beginn des Herbstes auf. Sie müssen sich auf den Weg in ihr Winterquartier machen. In Europa können sie nicht bleiben. Hier gibt es im Winter für die Tiere nicht genug zu fressen. Weißstörche stammen aus Afrika. Sie fliegen also in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Dass sie im Frühjahr zu uns kommen, hat seinen Grund. Hier brüten sie, bekommen Nachwuchs und ziehen ihn groß. Sie können viele Stunden am Tag Futter finden.

Einige Jungstörche haben sich schon auf den Weg gemacht. Sie haben Deutschland bereits verlassen. Bei anderen dauert es nicht mehr lange bis zum Abflug. Innerhalb von drei Wochen fliegen die Weißstörche in Gruppen von 5 bis 50 Tieren nach Zentralafrika. Dabei legen sie eine Strecke von bis zu 5.500 Kilometern zurück. Manche Weißstörche bleiben dann dort, andere ziehen nach einigen Wochen Rast sogar noch weiter bis nach Südafrika. Sie schaffen dann sogar eine Strecke von bis zu 12.000 Kilometern.

Auf ihrer Reise legen die Weißstörche jeden Tag 200 bis 300 Kilometer zurück. Acht bis zehn Stunden Flug am Tag ist für sie nichts Ungewöhnliches. Allerdings nehmen die Störche nicht alle denselben Weg, wenn sie nach Afrika fliegen. Es gibt unterschiedliche Routen, sagen Fachleute. Sie unterscheiden Ostzieher und Westzieher. Die Ostzieher fliegen über die Türkei bis nach Afrika. Die Westzieher fliegen über Spanien.

Doch woher wissen die Vögel eigentlich den Weg? Wenn wir nach Afrika wollen, dann müssen wir auf die Landkarte schauen. Die Weißstörche aber kommen ohne sie an ihr Ziel. Experten wissen noch nicht genau, wie das funktioniert. Es kann sein, dass die Vögel so etwas wie eine innere Karte haben. Das bedeutet, dass es ihnen angeboren ist, den Weg zu kennen. Es muss ihnen niemand sagen. Möglicherweise lernen die früher losfliegenden Jungstörche aber auch in den Gruppen, in denen sie fliegen. Denn hier sind auch nicht brütende Altstörche dabei. Angeboren ist den Störchen in jedem Fall die "Zugunruhe", so Experten. Damit meinen sie den Trieb, zu einer bestimmten Zeit gen Süden fliegen zu wollen.

Experten beobachten, wie die Vögel fliegen. Dafür bringen sie an den Tieren kleine Sender an. So bekommen sie dann mit, wo sie gerade sind. Sie erfahren den Weg, den die Tiere nehmen. Die Experten sagen: Die Flüge der Störche werden immer kürzer. Das kann damit zusammenhängen, dass auf der Erde die Temperaturen steigen. Den Vögeln reicht es womöglich schon, bis nach Spanien oder Portugal zu fliegen und dort den Winter zu verbringen.

Im Februar oder März nächsten Jahres werden die Störche wieder nach Deutschland zurückkehren. Manchmal finden Storchenpaare wie Albert von Lotto und Mina dann wieder zusammen. Das kommt aber darauf an, ob beide rechtzeitig zurück sind. Verspätet sich einer, kann es sein, dass der andere sich mit einem anderen Storch zusammentut. Für die Störche ist das normal, denn sie wollen Nachwuchs kriegen und sich vermehren.

dapd

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