Sind Ebbe und Flut überall gleich stark?

Ist an der Nordsee Ebbe, dann spielen viele Kinder im Watt. Sie graben, buddeln und schmieren sich mit Matsch ein. Doch wie ist das eigentlich? Wieso geht das Wasser zurück? Und sind Ebbe und Flut überall auf der Welt gleich stark?

Hamburg (dapd-kid). Ist an der Nordsee Ebbe, dann spielen viele Kinder im Watt. Sie graben, buddeln und schmieren sich mit Matsch ein. Doch wie ist das eigentlich? Wieso geht das Wasser zurück? Und sind Ebbe und Flut überall auf der Welt gleich stark?

Fachleute wissen auf die Fragen eine Antwort. Denn sie haben untersucht, warum es Ebbe und Flut gibt. Bei Ebbe und Flut sprechen sie von den Gezeiten. Verantwortlich dafür sind vor allem die Sonne und der Mond. Beide Himmelskörper haben eine gewisse Anziehungskraft auf die Erde. Die wirkt auf unseren Planeten und auch auf das Wasser in den Ozeanen ein. Dadurch steigt das Wasser an einigen Stellen und bildet einen sogenannten Flutberg. Das Wasser türmt sich auf. An anderen Orten dagegen entsteht eine Senke, das Wasser fließt ab. Weil sich die Erde in 24 Stunden einmal um sich selbst dreht, verschiebt sich auch die Lage von Senke und Flutberg im Laufe der Zeit. Die Meere beziehungsweise die Wasserhöhe verändern sich.

Experten sagen, wie stark Ebbe und Flut an einzelnen Orten sind, hängt von verschiedenen Dingen ab. Es kommt zum Beispiel darauf an, wie weit Sonne und Mond von unserem Planeten weg sind. Zudem spielt es eine große Rolle, in welchem Winkel Sonne und Mond zueinander und zur Erde stehen. Liegen Sonne, Erde und Mond auf einer Linie, etwa bei Vollmond, dann kommt es zu den sogenannten Springtiden. Dabei steigt die Flut besonders hoch an, und die Ebbe fällt besonders niedrig aus. Stehen Sonne und Mond dagegen 90 Grad zueinander versetzt, dann passiert genau das Gegenteil: Es kommt zu sogenannten Nipptiden. Flut und Ebbe sind dann weniger stark.

Die Fachleute wissen, dass das allein aber noch nicht erklärt, warum an einigen Küsten der Welt immer meterhohe Fluten anlaufen, an anderen dagegen nie. An der Ostsee beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beispielsweise lediglich etwa 30 Zentimeter, in der Bay of Fundy an der kanadischen Küste können es auch mal 15 Meter sein. Die Experten sagen: Das Wasser wird nicht überall gleich von Sonne und Mond beeinflusst. Das liegt unter anderem an der Größe der Meere.

Ist ein Meer sehr groß, dann bewegen sich die Wassermassen leichter als in kleineren Meeren. Daher fallen die Gezeiten an der Ostsee nicht so stark aus. Auch die Nordsee ist nicht so groß. Dass Ebbe und Flut hier trotzdem ziemlich ausgeprägt sind, liegt an der breiten Verbindung der Nordsee zum Atlantik: Die Gezeitenwellen aus dem großen Meer laufen in die kleinere Nordsee ein und verstärken Flut und Ebbe dort. Aber auch die Form der Küsten und des Meeresgrundes sind für Ebbe und Flut entscheidend, so die Experten.

Auch das Wetter spielt für die Wasserstände eine große Rolle. Bläst ein starker Wind vom Meer ins Landesinnere, schiebt er das Wasser Richtung Küste. Das kann schlimme Folgen haben: Erhöht der Sturm den Wasserstand nämlich genau dann, wenn ohnehin Flut herrscht, dann können daraus sogenannte Sturmfluten entstehen. Dann wird das Land überspült. Es kann große Überschwemmungen geben. Für Menschen kann das gefährlich werden, wenn ihre Deiche dem nicht standhalten. Natürlich gibt es auch genau das gegenteilige Schauspiel: Ein starker Wind vom Land aufs Meer hinaus kann auch zu einer extrem niedrigen Ebbe führen.

Auch wenn es für Experten schwierig ist, Ebbe und Flut genau vorherzusagen, schätzen sie jeden Tag ein, wie sich alles entwickeln wird. Sie geben die erwarteten Wasserstände an. So wird es auch möglich, die Menschen etwa vor einer Sturmflut zu warnen.

dapd

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