"Stipendiaten sind Botschafter für Deutschland"
04.02.2009 | 17:03 Uhr 2009-02-04T17:03:00+0100
Zahlreiche junge Leute konnten dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) des Deutschen Bundestages bereits in die USA reisen. Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag (SPD) erklärt im ZeusPower-Interview, wie das Programm die Völkerverständigung fördert.
ZeusPower: Warum sollten sich junge Leute für das Parlamentarische Patenschafts-Programm bewerben?
Dagmar Freitag: Das Programm ist ein einzigartiges Austauschprogramm, finanziert vom Kongress der Vereinigten Staaten und dem Deutschen Bundestag. Es umfasst ein Vollstipendium inklusive Krankenversicherung für die Dauer des Aufenthalts; unsere Stipendiaten tragen lediglich die Kosten des persönlichen Bedarfs.
ZeusPower: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem PPP machen können?
Dagmar Freitag: Überwiegend sehr gute. Als Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für das Programm begleite und gestalte ich es seit mehr als 10 Jahren mit. Unsere PPPler erweisen sich in den allermeisten Fällen als hervorragende Botschafter unseres Landes, und ich weiß aus zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der amerikanischen Austauschorganisationen, dass insbesondere Teilnehmer des PPP bei den Gastfamilien besonders "begehrt" sind - es hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass da motivierte, aufgeschlossene junge Menschen kommen. Zur Zeit leben zwei junge Amerikanerinnen aus dem Programm in Menden (Sauerland); beide sind fantastisch in Vereinen und Organisationen integriert. Ich habe sie bereits mehrfach getroffen und bin für März mit ihnen zum Pizzaessen verabredet.
ZeusPower: Würden Sie jungen Leuten generell empfehlen, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen?
Dagmar Freitag: Unbedingt. Es ist eine einzigartige Erfahrung, die das weitere Leben in einem beachtlichen Maß prägt. Die jungen Menschen werden selbständig - Probleme müssen teilweise zum ersten Mal im Leben allein gelöst werden - und gleichzeitig erlebt man Gefühl, anderen Menschen auch etwas geben zu können.
ZeusPower: In Kürze wird die Oberstufenzeit verkürzt. Wie verändert sich dann das PPP? In welcher Form wird das PPP fortgesetzt?
Dagmar Freitag: Das PPP wird natürlich auch unter sich verändernden Bedingungen fortgesetzt. Während bislang die Stufe 11 in den USA absolviert wurde, kann es jetzt bereits die Stufe 10 sein. Die Bewerber müssen zum Zeitpunkt der Ausreise mindestens 15 und dürfen höchstens 17 Jahre sein.
ZeusPower: Auch Auszubildende können sich für das PPP bewerben. Wie ist dort der Zulauf?
Dagmar Freitag: Das variiert von Jahr zu Jahr. Insgesamt ist der Zulauf bei den "Young Professionals" aber nicht so groß wie bei den Schülern. Eigentlich schade, denn man kann Berufserfahrung sammeln und darüber hinaus auch am College studieren - eine gelungene Mischung. Diejenigen, die zurückkommen, sehen auch Deutschland und insbesondere unsere oft - wie ich finde, völlig zu Unrecht - arg gescholtenen sozialen Sicherungssysteme mit völlig anderen Augen.
ZeusPower: Auf welche Qualitäten legen Sie bei den Bewerbungen besonderen Wert? Was sollte der PPP-Bewerber mitbringen?
Dagmar Freitag: Die Bewerber sollten gute schulische Leistungen aufweisen, aber das Zeugnis muss nicht ausschließlich "sehr gut" oder "gut" enthalten. Jeder weiß aus seiner eigenen Schulzeit, dass Noten auch schon mal hinterfragt werden können. Wichtiger ist aus meiner Sicht, dass die jungen Menschen genau wissen und schlüssig darlegen können, aus welchen Gründen sie diesen Austausch machen wollen. Abenteuerlust allein reicht da nicht. Hohe soziale Kompetenz ist eine Grundvoraussetzung; man muss sich in die neue Situation einfühlen, sich auch anpassen können, ohne seine eigene Meinung und Vorstellungen völlig aufzugeben.
Mit Dagmar Freitag sprach Bülend Ürük.

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