"Mit Auslands-Praktikum Sprachkenntnisse trainieren"
09.03.2009 | 14:05 Uhr 2009-03-09T14:05:00+0100
Köln. Im Ausland in einer Bäckerei mithelfen, in den Hotelberuf schnuppern oder im Marketing aktiv sein – für junge Erwachsene ist ein Praktikum auch in der Ferne möglich. Wolfgang Bauer, Leiter Sprachreisen bei Carl Duisberg Centren in Köln, erklärt den Weg ins Auslandspraktikum.
ZeusPower: Warum sollten junge Leute überhaupt ein Praktikum im Ausland machen?
Wolfgang Bauer: Für eine erfolgreiche Karriereplanung sind Arbeitserfahrungen im Ausland heute ein wichtiger Pluspunkt. Ein Auslandspraktikum ist das Salz in der Suppe jeder guten Bewerbung. Wer Selbständigkeit bei der Alltagsbewältigung im Ausland bewiesen hat, ist auch für Herausforderungen zu Hause (privat wie "geschäftlich") viel besser gerüstet. Sinn des Praktikums ist es, die Sprachkenntnisse im "Ernstfall Alltag" zu trainieren. Das heißt, das Praktikum ist die praktische Phase des Sprachtrainings.
Auslandspraktikum keine fachliche Ausbildung
Das Praktikum ist - mit Ausnahme einiger gezielter Fachpraktika - keine fachliche Weiterbildung. Praktikanten bekommen vielmehr die Chance, im Unternehmen am ganz normalen Berufsalltag teilzunehmen und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einzubringen. Bei einem nur vierwöchigen Praktikum sollten sie keine besonderen Anforderungen an Breite und Tiefe des Praktikums stellen. Es wird bei einem Hineinschnuppern bleiben und einfache Tätigkeiten gehören zur täglichen Routine. Für eine fundierte Einarbeitung und für "sinnvolle" Praktikumsinhalte ist meistens eine längere Praktikumszeit erforderlich.
ZeusPower: Wer sind die jungen Leute, die sich für ein Praktikum entscheiden?
Wolfgang Bauer: Unsere Programmangebote richten sich an Schulabgänger, die einen ersten Eindruck vom Berufsleben bekommen möchten, an Studenten, die bereits während des Studiums Auslandserfahrung sammeln möchten und an Hochschulabsolventen, die vor dem Einstieg in den Beruf praktische Erfahrungen sammeln und ihre Sprachkenntnisse vertiefen möchten. Aber auch junge Berufstätige, die bereits über Berufserfahrung verfügen und neue Impulse und internationale Erfahrung suchen und Arbeitssuchende, die ihre Arbeitsmarktchancen verbessern möchten, gehören zur Zielgruppe.
Bewerber müssen 18 Jahre alt sein
ZeusPower: Welche Qualifikationen müssen die jungen Leute mitbringen, um das Praktikum erfolgreich zu absolvieren?
Wolfgang Bauer: Bewerber müssen auf jeden Fall mindestens 18 Jahre alt sein. Und sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich auf die Andersartigkeit des Arbeitsalltages im Ausland einzustellen. Je besser die fachliche Qualifikation ist, umso besser natürlich die Chance, auch ein anspruchsvolles Praktikum zu absolvieren. Schulabgänger und Studenten ohne Berufserfahrung sollten sich bewusst sein, dass von ihnen vor allem Flexibilität und Einsatzbereitschaft gefragt sind. Sie benötigen aus Sicht der Praktikumsfirmen mehr Einarbeitung und eine intensivere Betreuung - kurz, das Praktikumsunternehmen hat viel Arbeit und wenig "Nutzen". In dieser Situation sollten die Praktikanten keine großen Ansprüche an die Inhalte des Praktikums stellen und jede Tätigkeit, auch wenn sie nicht besonders anspruchsvoll ist, als eine Erfahrung und Bereicherung betrachten.
England, Irland und Kanada besonders gefragt
ZeusPower: Welche Länder werden besonders von Praktikanten nachgefragt?
Wolfgang Bauer: England, Irland, Kanada sind die beliebtesten und aufgrund einfacher Einreiseberstimmungen auch unkompliziertesten Länder. Die USA kommen wieder stärker, da muss man aber auf jeden Fall ein Visum beantragen. Auch exotische Länder kommen hinzu, China zum Beispiel. Australien und Neuseeland sind beliebt für diejenigen, die gerne auf eigene Faust Jobben gehen wollen.
ZeusPower: Gibt es Bereiche, in denen ein Praktikumsplatz besonders nachgefragt wird?
Wolfgang Bauer: Praktika werden von Industrie, Handwerk, Dienstleistung, Nonprofit-Unternehmen oder Behörden bereitgestellt. Die meisten Praktika finden sich im kaufmännischen Bereich, Marketing oder im Vertrieb. Meistens handelt es sich um kleine und mittelständische Unternehmen. Die vermittelten Praktika sind grundsätzlich unbezahlt. Eine Ausnahme bilden nur die Jobangebote beispielsweise in Kanada und Neuseeland.
ZeusPower: Worauf achten Sie bei den Bewerbungen um einen Praktikumsplatz im Ausland?
Wolfgang Bauer: Gute Englischkenntnisse gehören einfach dazu. Die müssen die Bewerber entweder schon mitbringen oder sie machen einen Sprachkurs vor dem Praktikumsstart. Zudem wird viel Wert auf gute Bewerbungsunterlagen gelegt, dabei sind wir aber mit Muster-Bewerbungen behilflich. Was nicht fehlen darf, ist die richtige Motivation. Wer sich zum Beispiel für einen Job im Hotelbereich oder der Gastronomie interessiert, muss eine gewisse "Dienstleistungsmentalität" mitbringen. Zudem sollte Bewerbern klar sein, dass sie sich nicht heute entscheiden und morgen schon abreisen können. Der zeitliche Vorlauf beträgt ungefähr drei Monate.
Auslandspraktikum bis zu ein Jahr vorher planen
ZeusPower: Wann sollten sich Interessierte tatsächlich festlegen, wenn sie ins Ausland möchten?
Wolfgang Bauer: Das hängt von der individuellen Lebenssituation ab. Immer da, wo das Leben eine gewisse Zäsur bietet – ob Abitur, Wartezeit vor dem Studium, Studium fertig, Jobverlust oder Jobwechsel - bietet sich die Chance, zwischen dem einen und dem nächsten eine wertvolle Auslandszeit einzubauen. Immer da, wo das absehbar ist, sollte die Planung ein halbes bis zu einem Jahr im Voraus beginnen.
ZeusPower: Praktikum im Ausland oder Praktikum in Deutschland - was sind die großen Unterschiede?
Wolfgang Bauer: Auslandserfahrung, Arbeitspraxis in anderen Ländern, andere Mentalitäten kann man nur im Ausland gewinnen und kennen lernen. Der Sprung ins Ausland ist ein viel größerer Schritt für die innere Reifung als der zu einer Firma in der Nachbarschaft. Die Auslandszeit wird in aller Regel eher der Persönlichkeitsreifung dienen, während Praktika in Deutschland vielleicht eher der fachlichen Qualifikation nützen können.
Mit Wolfgang Bauer sprach Bülend Ürük.

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