Das Auszeitblog

Teil 2 - Jobsuche in Kanada

25.03.2010 | 15:52 Uhr
Teil 2 - Jobsuche in Kanada

ZeusPower-Reporterin Salia hat ihre ersten Schock überwunden. Trotz Unterkunft in einem "messy house" ahnt sie allmählich, in einer der schönsten Städte der Welt gelandet zu sein. Die allerdings ist ziemlich teuer. Ein Job muss her!

Samstag, 06.03.2010. 

Vancouver. Gestern der Schock über mein neues Zuhause in Vancouver. Jetzt habe ich eine Nacht darüber geschlafen und sehe alles ein wenig lockerer. Ich denke zwar darüber nach, etwas Neues zu suchen, aber die Familie macht es mir wirklich schwer: Sie sind alle so nett und hilfsbereit. Außerdem ist mein Zimmer recht liebevoll dekoriert, trotz der alten Möbel. Ich beschließe also, meine Ansprüche erst mal runterzuschrauben. Vielleicht bin ich einfach verwöhnt …

Montag, 08.03.2010.

Ich bin in einer der schönsten Städte der Welt und habe bisher nur Negatives berichtet. Das soll sich ändern. Allerdings wird es noch eine Zeit dauern, bis ich über Land und Leute rede. Im Moment bin ich auf Jobsuche. Außerdem sind es noch immer um die 0 Grad, sodass ich mir große Ausflüge für den Frühling aufhebe.

Joggen in den Rockies?

Habe ich erwähnt, dass ich fast direkt in den Rockies wohne? Trotzdem sind es nur 15 Minuten bis zum Quay, zum Wasser. Mit dem Seabus bin ich dann in 10 Minuten direkt in Downtown. Mein erster Ausflug geht aber nicht gen Quay, sondern in die Berge. Nach 15 Minuten Busfahrt bin ich in der Wildnis. Ich versuche, auf einem "Trial" zu joggen – schnell wird mir klar, dass ich eher klettern muss. Recht steil geht es rauf und runter. Das ist wirklich kein Gehweg, höchstens ein Trampelpfad. Irgendwann sitze ich am Capilano River. Es ist sehr schön. Kein Mensch ist hier.

Dann finde ich den Aufstieg nicht mehr. Ich kraxel den Berg an einer viel zu steilen Stelle hoch, komme aber wieder auf den Weg. Das war etwas gruselig. Ich beschließe, nur noch mit Brotkrumen wandern zu gehen.

Dienstag, 09.03.2010.

Vancouver Downtown. Salia's Resumee der ersten Tage: "Eine der schönsten Städte der Welt!"

Innerhalb weniger Tage habe ich die Formalitäten erledigt. Bankkonto, Busticket, SIN-Number. Als ich die SIN-Number beantrage, läuft meine Wasserflasche in meiner Tasche aus. Alles ist nass: Mein Reisepass, mein Visum! Ich stehe am Schalter direkt vor dem Mitarbeiter, der mir das Formular ausgehändigt hat. Er sagt nur: „Take it easy.“ Ich glaube, das wird mein neues Lebensmotto – zumindest auf Zeit.

Ich verstehe mich mittlerweile auch mit der koreanischen Studentin, Meg, sehr gut. Uns verbindet u.a. der "Schock", den wir am ersten Tag im Homestay erlebt haben. Ich bin froh, von ihr zu hören, dass meine Reaktion nicht ganz unnatürlich war. Heute feiern wir ihren Geburtstag. Patricia, meine Homestay-Mutter, hat eine koreanische Spezialität gebacken und ein leckeres Essen gekocht. Zum Nachtisch gibt es Muffins, die mit Kerzen versehen sind. Meg weint vor Rührung. Oder Heimweh? Beides wahrscheinlich.

Mittwoch, 10.03.2010.

Endlich habe ich einen Job in Aussicht! Nachdem ich die letzten Tage mit meinem Lebenslauf durch die Straßen gerannt bin und keinen Erfolg hatte, hatte ich den Verdacht irgendetwas falsch zu machen. Als ich ein Service-Center extra für junge Arbeitssuchende direkt am Quay entdeckte, versuchte ich mein Glück. Und tatsächlich war mein Lebenslauf komplett anders, als er nach kanadischem Standard sein sollte. (Das Programm das ich zur Vorbereitung genutzt hatte, war offensichtlich nur für eine Jobsuche in England geeignet.) Mit meinem neuen Lebenslauf im nächsten Eis-Café-Restaurant stieß ich endlich auf offene Ohren. Die Chefin versprach mir, meine Trainings-Schichten in den nächsten Arbeitsplan zu integrieren. Freitag bekomme ich eine Mail von ihr und erfahre was passiert.

ZeusPower-Reporterin Salia

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