Was ein Sportredakteur beim Radio macht
12.11.2010 | 11:27 Uhr 2010-11-12T11:27:00+0100
Köln.Holger Dahl ist Sportredakteur beim WDR und kommentiert Fußballspiele im Radio. Der ZeusPower-Reporter Daniel Klump begleitete ihn ein Spiel lang – und sah, was man nicht hören kann.
Das Spiel ist zu Ende, und Holger Dahl hat endlich Ruhe. Er hat viel geredet an diesem Abend. Über eineinhalb Stunden meldete er sich immer wieder aus dem Rhein Energie Stadion in Köln. Nun liegt der Kopfhörer und das Mikrofon neben dem kleinen Fernseher auf dem Reportertisch. Auf dem Platz hat der 1. FC Köln das DFB-Pokal-Spiel gegen den TSV 1860 München gewonnen. Kompromisslos gewannen die Kölner die zweite Runde des Pokals mit 3:0 und sind damit im Achtelfinale. Nun geben Spieler und Trainer am Spielfeldrand Interviews. Die Fans sind noch da, feiern den Heimsieg.
Holger Dahl kommentiert Fußballspiele im Radio – zu einer Zeit, in der auch Bezahlfernsehen live aus den Stadien sendet und es Liveticker im Internet gibt. Doch die besondere Stadionatmosphäre vermittelt sich nur im Radio, mit der von Fangesängen unterlegten Stimme des Kommentators. Der versucht das Spielgeschehen zu beschreiben, macht grammatikalisch schiefe Konstruktionen, beendet Sätze falsch oder gar nicht, stöhnt, schreit, seufzt. „Es ist wichtig, die Situation auf dem Platz genau zu beschreiben“, denn die Zuhörer müssen sich anhand der Beschreibung alles selber vorstellen. Trotzdem schalten im Schnitt sechs Millionen das Radio ein.
Tore, Fouls und Karten minutiös aufgeschrieben
Der feuerrote Reportertisch steht auf der Haupttribüne, in Höhe der Mittellinie. Kopfhörer, Mikro und ein Fernseher für die Zeitlupen gehören dazu. Vor dem Spiel schreibt sich Holger Dahl die Mannschaftsaufstellungen und Fakten der Mannschaften auf einen Zettel, bei Auswechslung wird korrigiert. „Es gehört eine gewisse Aufregung dazu, doch nervös bin ich vor einem Spiel nicht mehr“, erzählt der zweifache Familienvater. Auf einem anderen Zettel werden wichtige Szenen des Spiels notiert, Tore, Chancen, Fouls, Karten, mit genauer Minutenangabe. Vor Holger Dahl stehen drei Uhren: Eine Stoppuhr für die Spielzeit, eine für die Redelänge und eine Funkuhr, damit er seine Einsätze nicht verpasst. Viele Sender der ARD wollen wissen, wie das Spiel gerade läuft, daher gibt es einen genauen Plan, wer wann zu Holger Dahl nach Köln schaltet.
Und so kommentiert er sich von Abruf zu Abruf durch die erste Halbzeit. Köln spielt nicht überzeugend, München hält dagegen, es passiert nicht viel. „37. Minute, Novakovic läuft Richtung Grundlinie, passt zu Lanig, der schießt aus knapp acht Metern!“ Dahl schneidet seine Stimme an, spricht schnell. „Latte!“ Danach verschwindet die Aufregung wieder, er spricht langsam und ruhiger. Doch in der zweiten Halbzeit ist es endlich so weit: „Toooooor in Köln!“, ruft Holger Dahl ins Mikrofon. „60. Minute, Ecke von Podolski und der Kopfball von Martin Lanig landet im Netz!“
„Ein bisschen Glück gehört immer dazu“
Als Dahl 17 Jahre alt war, wurde sein Fußballtrainer Verantwortlicher eines Lokalradios im Ennepe-Ruhr-Kreis und suchte nach Mitarbeitern. „Zu der Zeit wurden viele private Radiostationen gegründet. Man hatte noch wenig Erfahrung, also übte man nach dem Prinzip Learning by Doing.“ So begann seine Karriere mit einer Livereportage über ein Basketballspiel. Nach seinem Sportstudium bewarb er sich beim WDR, wo er auch als freier Mitarbeiter tätig war, für ein Volontariat. Seine Bewerbung wurde abgelehnt, bekam aber kurz danach ein Angebot vom NDR dort als Redakteur zu arbeiten und nahm diese Chance wahr. Einige Jahre darauf kam er doch zum WDR und wurde als Redakteur fest angestellt. „Es lief bei mir ziemlich reibungslos. Ein bisschen Glück gehört halt immer dazu. Die bisherigen Höhepunkte in seinem Reporterleben waren die Olympischen Spiele von Athen und Peking, wohin er als Schwimmkommentator reiste.
Eine Flüsterstimme im Ohr
„Tor in Köln!“ Der Kollege im Studio gibt ab „zu Holger“, der ausruft dass Köln das zweite Tor erzielte. „Nach einer wunderbaren Vorarbeit von Podolski, der drei Gegenspieler hinter sich lässt, braucht Novakovic nur noch den Fuß hinhalten.“ Während er den Torabschluss beschreibt, flüstert ihm die Regisseurin ins Ohr, dass er wieder „zurück ins Studio geben“ soll. „Natürlich ist es wichtig im Zeitplan zu bleiben“. Fängt er nicht pünktlich an zu sprechen, entsteht eine Lücke. Redet der Studiomoderator zu lange, fällt er ihm ins Wort.
83. Spielminute, Holger Dahl kommentiert weiter das Geschehen in Köln: „Podolski im Strafraum, Schuss, Toooor!“. Es war das letzte Tor für heute. Er schreibt noch einen Nachbericht, hört sich dabei die Interviews am Spielfeldrand an. Danach verfolgt Holger Dahl noch die Pressekonferenz. Dann erst ist Feierabend.
ZeusPower-Reporter Daniel Klump aus Kamp-Lintfort

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