Über den Girls Day und Chancengleichheit
28.04.2011 | 12:26 Uhr 2011-04-28T12:26:00+0200
Düsseldorf.Der Girls Day soll Mädchen bei der Berufswahl helfen. Heutzutage stehen jungen Frauen mehr Möglichkeiten offen als noch vor einigen Jahrzehnten. Darüber sprach ZeusPower-Reporterin Melanie Schäfer mit der SPD- Landtagsabgeordneten Britta Altenkamp im nordrhein-westfälischen Landtag.
Was hat Sie dazu bewegt, Plätze für den Girls Day bereitzustellen und damit Einblicke in Ihren Arbeitsalltag zu gewähren, Frau Altenkamp?
Ich habe das, seit ich Landtagsabgeordnete bin, bis jetzt jedes Jahr angeboten und möchte damit einfach meinen Beruf zeigen. Frauen geraten meist zufällig in die Politik und deshalb möchte ich informieren, aber auch darauf aufmerksam machen, dass es nicht den einen Weg, sondern viele verschiedenen Möglichkeiten gibt.
Den Girls Day gibt es nun erst seit dem Jahr 2001. Hätten Sie sich ihn schon für Ihre eigene Berufsorientierung gewünscht?
Ja, definitiv. Nach dem Abitur war ich ziemlich orientierungslos und habe ohne ein wirkliches Ziel mit dem Studium angefangen.
Was bedeutet Ihnen die Förderung von Jugendlichen und vielleicht insbesondere von Mädchen und jungen Frauen?
Die Familien- und Jugendpolitik war mir schon immer sehr wichtig und ist eines meiner stärksten Leitmotive. Vor allem bei der Bildung braucht es Chancengleichheit. Es gibt zwar fast überall eine formale Gleichbehandlung, aber in der Praxis existiert die dann auf einmal nicht mehr. Bei Frauen spricht man dann oft von der „gläsernen Decke“. Denn letztlich schaffen sie es leider nicht in die Führungsetagen.
Haben Sie als Politikerin jemals eine Benachteiligung aufgrund Ihres Geschlechts erleben müssen?
1984, als ich zu studieren angefangen habe, war der Quotenbeschluss gerade einmal zwei Jahre alt und es gab viele Spannungen. In den Vorständen sollten plötzlich 30 Prozent Frauen sitzen, sodass Männer teilweise schon gar nicht mehr kandidieren konnten. Ich wollte, wie viele andere, keine Quotenfrau sein und meine Chance nutzen. Richtige Benachteiligungen habe ich selbst noch nicht spüren müssen, aber durchaus schon bei Kolleginnen erlebt. Allerdings war ich mir denen oft nicht vollends bewußt.
Was war Ihr Beweggrund mit 21 Jahren in die SPD einzutreten?
Zunächst wollte ich mich einfach politisch aktivieren. Die Grünen waren gerade erst gegründet und ich hatte das Gefühl, dass die SPD Familienpolitik am besten thematisiert. Das denke ich übrigens auch heute noch.
Wie bewerten Sie die Rolle der Frau in der Politik?
Rein von außen betrachtet, hat es natürlich Veränderungen gegeben: Wir haben eine Bundeskanzlerin und hier in NRW auch Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin, die wichtigsten Kabinettrollen sind mit Frauen besetzt. Aber es hat ja auch lange 27 Jahre gedauert und die Frauen haben definitiv dazu beigetragen, dass es so gekommen ist. Damit hat sich auch der Stil in der Politik verändert. Familienpolitik ist um einiges wichtiger geworden und an Frauenpolitik war ja früher noch gar nicht zu denken. Dennoch erzeugt das Thema immer noch viel Aufmerksamkeit und Frauen werden mit ganz anderen Augen gesehen. Da zählt nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch Aussehen, Freundlichkeit und so weiter. Aber es ist normaler geworden und selbstverständlicher, dass auch Frauen in der Politik agieren und Entscheidungen treffen.
Melanie Schäfer, ZeusPower-Reporterin aus Essen

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