Nachwuchsschreiber berichten über Eurofighter
16.12.2011 | 11:40 Uhr 2011-12-16T11:40:00+0100
Köln. Einen Piloten des Eurofighters vor das Mikro zu bekommen, ist alles andere als alltäglich für Nachwuchsjournalisten. Beim Jugend Presse Kongress in Köln hat das für ZeusPower-Reporterin Katharina Draub geklappt.
Inmitten eines großen hellen Raumes, ausgestattet mit Leinwand und Lautsprechern, sitzen 125 Jugendliche und einige uniformierte Soldaten und Offiziere. Eine gespannte Atmosphäre herrscht zwischen den Stühlen in dem Vortragssaal des Fliegerhorst Nörvenich bei Köln. Dort findet die erste offizielle Begrüßung zum 119. Jugend Presse Kongress statt, welcher am Wochenende vom 18. bis zum 20. November 2011 veranstaltet wird.
Von über 600 Bewerbern aus ganz Deutschland wurden diese 15 bis 22 Jahre alten Jugendlichen ausgewählt, um an der Veranstaltung der „young leaders-Gesellschaft“, im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung, teilzunehmen. Auch ich bin einer der glücklichen, die eine der begehrten Zusagen erhalten hat.
Erste Grundlagen und Informationen
Nun sitze ich mit neuen netten Bekanntschaften, welche ich bereits am Ankunftstag kennengelernt habe, zusammen und lausche den Anweisungen für den ersten Tag. So wird uns gesagt, dass wir zuerst in einzelnen Gruppen an einem Workshop mit einem Profijournalisten teilnehmen werden. Ich bin der PR-Zeitungsgruppe zugeordnet.
Dort klärt uns ein Redakteur über die verschiedenen Darstellungsweisen des Journalismus auf: „Eine Nachricht muss trichterförmig aufgebaut sein. Das heißt, der Wert an Informationen nimmt nach unten hin ab.“ Zudem erklärt er uns, dass es gut sei, in Berichten sogenannte „hard facts“ – besonders bei technischen Themen – einzubauen.
Sobald die Grundlagen verstanden sind und die Mittagspause genossen wurde, treffen sich wieder alle Schüler, Schülerinnen und Studentinnen im Vortragssaal. Vertreter der Bundeswehr räumen nun unsere letzten Unklarheiten über das Leitthema „Zukunft Luftwaffe – Perspektiven für junge Leute“ beiseite. So besteht die Aufgabe der Luftwaffe darin, „die Sicherung des deutschen Luftraumes und der Kommunikationswege im Weltraum sowie Katastrophenhilfe und Bergung deutscher Staatsbürger im Ausland“ zu gewährleisten, wie der Generalmajor der Bundeswehr berichtet.
Live und in Farbe: der Eurofighter
Mittlerweile kribbelt es aber schon bei allen Teilnehmern in den Fingerspitzen. An den zuvor in den einzelnen Gruppen aufgeteilten Themen, wie Interviews mit Soldaten oder Portraits über Piloten, wollte nun jeder endlich arbeiten. Doch vorher stand erst noch eine weitere Aktion an. Notwendig dafür waren nur Ohrenstöpsel, denn das Bundeswehrteam hatte nur für uns eine Livevorführung der Luftwaffe vorbereitet. So versammelt sich jeder an der Rollbahn und wartet gespannt auf die Eurofighter.
Diese tonnenschweren Flugzeuge starten mit rasanter Geschwindigkeit und einem ohrenbetäubenden Dröhnen nur 200 Meter von uns entfernt. Was für ein Bild, als die Eurofighter plötzlich fast senkrecht in den wolkenlosen Himmel fliegen. Das Staunen ist trotz der Lautstärke bei uns Zuschauern nicht zu überhören.
Lange auf die Landung warten müssten wir nicht. Denn wie zuvor vom Generalmajor der Bundeswehr erwähnt, bräuchte „ein Eurofighter von Köln nach Berlin weniger als eine Stunde“.
Reportagen, Interviews und Zeitdruck
Jetzt heißt es wirklich ran an die Arbeit! In unserer Fünfergruppe dürfen wir eine Reportage über die Luftwaffe-Liveaktion schreiben. Doch wie sollten wir beginnen? Was sollte alles in den Artikel? Fragen über Fragen, bei denen wir glücklicherweise nicht lange brauchten, um Antworten zu finden.
Effektive Aufgabenverteilung war nun gefragt. Das heißt, ein paar von uns würden sich um einige spannende Interviews kümmern, andere wiederum setzten sich schon einmal an den Laptop und würden anfangen zu schreiben. Wir nehmen uns nun schnell die wichtigsten Utensilien eines Reporters, wie ein Diktiergerät in die Hand und schnappen uns den Piloten des Eurofighters. So erzählt er uns von dem körperlichen und psychischen Druck: „Durch die große Verantwortung ist die psychische Belastung beim Fliegen ziemlich groß und auch nach Hunderten von Flugstunden ist jeder bei schwierigen Einsätzen nervös.“ Außerdem schwärmt er immer wieder von der „Faszination dieser Art zu fliegen“.
Auch wenn wir dieses informative Interview noch Stunden weiterführen könnten, müssen wir uns auf die wichtigsten Fragen konzentrieren und unsere Gruppenpartner schnell von den neuen Informationen berichten. Genau wie in einer Redaktion gibt es auch heute einen Redaktionsschluss – und dieser rückt immer näher! So bleibt für eine kleine Kaffee-und-Kuchen-Pause nicht viel Zeit, da weiterhin jeder in Gedanken an weiteren Zeilen für die Reportage arbeitet.
Unsere Finger glühen, die Köpfe dampfen – und die Uhr tickt. Minute um Minute vergeht, aber trotzdem werden wir zeitig fertig, obwohl wir selbst nicht mehr daran geglaubt hatten.
Erschöpft aber auch glücklich geht es dann zum Presseabend in ein Hotel in der Kölner Innenstadt. Mit einem leckeren Essen und einer anschließenden abendlichen Stadterkundung klingt der erfolgreiche, spannende Samstag aus.
Feedback von den Profis
Unsere Artikel haben wir natürlich nicht einfach so geschrieben. Am folgenden Tag erhalten wir eine frisch gedruckte PR-Zeitung mit unserer Reportage und weiteren Interviews und Berichten der anderen Jugendlichen. Gemeinsam werden diese Texte mit dem Profijournalisten besprochen und diskutiert. Von ihm werden wir Teilnehmer sogar gelobt: „Euch sind die Texte sehr gut gelungen. Die Tipps von gestern habt ihr zudem sehr gut umgesetzt.“
Zum Abschluss dieses spannenden Wochenendes folgt noch die Vorstellung der WebMag-Seite und die Filmbeiträge der anderen Gruppen. Nebenbei steht auch noch eine Infobörse zum Journalismus mit den Profijournalisten an. Dabei haben nun alle die Möglichkeit, ihre persönlichen Fragen zu Journalismus-Studiengängen oder Berufschancen zu stellen.
Katharina Draub, Duisburg

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