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„Es kommt immer anders als ich denke“

31.10.2012 | 17:31 Uhr
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„Es kommt immer anders als ich denke“
Erster Außeneinsatz für Praktikant Fabian Grieger: eine GPS-Tour rund ums Bergbaumuseum in Bochum. Foto: Gero Helm

Bochum.   Am Anfang aufgeregt, später abgeklärt: Fabian hat zwei Wochen lang das Redakteursleben kennen gelernt

Ein Montagmorgen, Viertel nach zehn. Ein 17-Jähriger betritt den Raum, etwas unsicher sieht er aus, einen Moment steht er einfach da, sein Blick suchend, dann läuft vor ihm eine Frau entlang. Das ist die Chance. Dieser 17-Jährige bin ich. „Hallo, ich, bin der Praktikant, der heute anfangen soll“, sage ich mit leicht nervöser Stimme. „Gut, nehmen Sie doch bitte schon mal hier drüben Platz“, antwortet die Frau.

Vermutlich beginnt fast jedes Praktikum so, doch meine beiden Wochen verbringe ich nicht an irgendeinem Praktikumsplatz, es ist die Redaktion der WAZ in Bochum. Jene Zeitung, die täglich bei tausenden Lesern auf dem Frühstückstisch landet. Zwei Wochen darf ich hier vorbeischauen. Und das erste, was meine neugierigen Augen feststellen ist, dass die große Medienwelt in Wirklichkeit irgendwie ziemlich klein ist.

Ein paar nicht all zu große Zimmer, vielleicht zehn an der Zahl, in der Mitte ein verbindender Gang, einige umherlaufende Leute, kurzes Grüßen und jede Menge Arbeit. Viel mehr ist das alles nicht, so mein erster Eindruck. Die kommenden Tage werden zeigen, was sich hinter dieser Fassade alles verbirgt.

Tag 1:

Mein erster Tag beginnt mit einer Redaktionssitzung. Gespannt höre ich zu, mehr erst einmal nicht. Doch schon bald darauf wartet die erste Recherche auf mich: Es geht um einen 80-Zeiler über die Nachricht des Tages: Die Landung des Marsmobils „Curiosity“ war am Morgen geglückt und dazu sollten nun Einschätzungen von Bochumer Experten eingeholt werden. Dass Bochumer Experten – und wahrscheinlich Experten im Allgemeinen aber – gar nicht so einfach zu erreichen sind, ist die nächste Erfahrung, die ich mache. Mir schwant, dass diese keine seltene ist im Leben eines Journalisten.

Nach einem Telefonat und einiger Recherche, einer kurzen Einarbeitung in die betriebseigene Redaktionssoftware und der Überarbeitung meines Textes durch einen Redakteur steht dann tatsächlich am nächsten Morgen über einem kurzen Artikel mein Name. Ein erster Erfolg.

Tag 2:

Der Tag beginnt mit einem externen Einsatz. Ich begleite einen Redakteur auf seiner Reportage über eine neue Skaterstrecke am Kemnader See. Gespannt lausche ich den Worten der Gesprächspartner und schreibe fleißig mit, stelle selbst ein paar Fragen, überlege mir eine Geschichte und bin auf jene gespannt, die der mit dem Artikel beauftragte Redakteur wohl zu Papier bringt.

Was ansonsten passiert: Ich halte jetzt einen eigenen Arbeitsplatz in der Redaktion besetzt, folge dem Klingeln zur Redaktionssitzung, weiß wo sich die Toiletten befinden. Nur das mit dem Kaffee trinken mache ich den Redakteuren noch nicht nach.

Tag 3:

Es ist so weit: Das erste Mal bin ich alleine unterwegs. Thema ist eine GPS-Tour rund um das Bergbaumuseum zum Thema Nachhaltigkeit. Viele verschiedene Stationen und vor allem viele Kilometer später weiß ich, dass Zeitungsjournalisten auch durchaus einer körperlichen Anstrengung ausgesetzt sind. Während die GPS-Tour problemlos verläuft, klappt das Treffen mit dem Fotografen leider nicht. Ohne Bilder, aber mit einigen Erlebnissen geht es wieder in die Redaktion und alle Erinnerungen werden zu einem Artikel verarbeitet.

Tag 4:

Heute wurde dann das Foto nachgemacht. Ein netter Fotograf, ein ordentliches Bild und eigentlich ist mein Artikel bereit für die Veröffentlichung. Doch ich habe gelernt: Als Journalist kommt immer alles anders als man denkt. Und so nehme ich wieder einiges mit aus meinem dritten und vierten Tag.

Tag 5:

Zeitungen haben ein vorgeschriebenes Layout. Da ist ganz genau bestimmt, wie groß die Anzeigen sein dürfen, welcher Platz für Bilder eingeplant ist und was übrig bleibt, ist die Anzahl der Zeilen, die mein Artikel haben darf. Am Ende sollen es ungefähr 100 sein. Aus 169 mach 100, eine fast unlösbare Aufgabe, die mich den ganzen Vormittag beschäftigt und die am Ende mit Hilfe einer Redakteurin auch gelingt.

Was von meinem Text übrig geblieben ist, hoffe ich nun morgen in der Zeitung zu sehen, aber wie gesagt, bei der Zeitung kommt immer alles anders als man denkt. Eine zweite wichtige Erfahrung habe ich heute gemacht. Mit der Nachricht ausgestattet, dass es am letzten Sonntag zu einem großen Gästeauflauf bei der Armenspeisung in Bochum-Mitte gekommen sei, mache ich mich auf den Weg an den besagten Ort. Leider wundern sich die Mitarbeiter nur über meine Information, wehren zugleich ab, dass sie nichts sagen dürfen und verweisen mich an ihre Chefin. Diese überzeugt mich glaubhaft davon, einer Ente aufgesessen zu sein. Tag 5 des Praktikums endet mit der ersten Ente. So langsam komme ich an in der Welt der Zeitungsjournalisten.

Tag 8:

In der Welt ist immer was los, auch am Wochenende und deswegen heißt es auch sonntags: Auf zur Geschichte! Im Tierheim Bochum wird einem langjährigen Tierschützer der Westfälische Tierschutzpreis verliehen, ein Portrait des Preisträgers ist gefordert. Es gibt ein paar feierliche Worte und ein Interview mit einem gerührten Preisträger – und für mich einen weiteren Artikel.

Tag 9:

Heute ist mal wieder ein Redaktionstag. Bisweilen ist Beschäftigung rar, doch dann tut sich manchmal in kurzer Zeit vieles auf einmal auf und mein Arbeitstempo erhöht sich immens. Eines gibt es noch nachzutragen: Nachdem ich meinen Artikel über die GPS-Tour fertig gestellt hatte, rief eine Redakteurin aus der Zentralredaktion an, die einen kurzen Artikel über meine GPS-Tour im Mantel haben wollte. Für einen Praktikanten ist das wie ein Sechser im Lotto. Doch beim Checken der E-Mails am Abend folgte Ernüchterung: Meine Meldung wird doch nicht gebraucht, es ist noch etwas Aktuelleres dazu gekommen. So ist das mit der Zeitung. Es kommt immer anders als man denkt – ich glaube, das hatten wir schon mal.

Tag 12:

Heute ist mein letzter Tag. Unfassbar! Selten sind zwei Wochen so schnell verflogen. Und während ich das schreibe, kommt schon ein bisschen Wehmut auf. Noch habe ich aber einen Tag vor mir. Ein weiterer Artikel muss fertig gestellt werden, ein abgebrochener Zeigefinger an einer Jesus-Statue recherchiert werden, es gibt also noch einiges zu tun. Heute Abend sind dann aber wirklich zwei Wochen spannendes Praktikum beendet. Ich werde sehr viele neue Erfahrungen mitnehmen und habe selbst unglaublich viel gelernt. Die Abwechslung, das viele Schreiben und Gestalten: Es war toll zwei Wochen lang, Teil dieses Ganzen gewesen zu sein.

Fabian Grieger, ZeusPower-Reporter

ZeusPower-Reporter

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