Gesundheit

Ein Leben mit Zöliakie

30.10.2009 | 11:59 Uhr
Ein Leben mit Zöliakie

Ein Hamburger? Geht nicht, das Brötchen besteht aus Weizen. Klassische Nudeln? Auch darauf muss sie verzichten. ZeusPower-Reporterin Victoria Crede ist an Zöliakie erkrankt. Auf ZeusPower berichtet sie, wie sie mit der Krankheit umgeht und macht auch anderen Zöliakie-Betroffenen Mut.

Zöliakie? Dieses Wort kannte ich nicht, zumindest nicht bis zu jenem Tag im Oktober 2006. Ich war einige Wochen zuvor bei der Routinekontrolle beim Kinderarzt gewesen. Dieser zapfte mir wie immer Blut ab und Tage später war das Ergebnis da: zu hohe Gliadin-Antikörper.

Komisch dachten wir damals, ich war schließlich kerngesund. Also haben wir die Blutuntersuchung wiederholt, wieder waren die Antikörper zu hoch. Wir kamen ins Grübeln, sollte mit mir doch was nicht stimmen?

Ich genoss noch einen wunderbaren Urlaub, bevor ich dann am 14. Oktober 2006 zur Dünndarmbiopsie in die Kinderklinik Bochum musste. Mittlerweile hatten wir einen Verdacht, und dieser Verdacht hieß: Zöliakie.

Aber ich machte mir Mut, es war doch noch nichts bewiesen, und auch die Oberärztin Dr. Anjona Schmidt-Choudhury machte mir nach der Untersuchung Hoffnung, mein Dünndarm sähe gut aus und sie vermute eigentlich keine Zöliakie. Ich zeigte schließlich auch keinerlei Symptome, wie zum Beispiel ein vorgewölbter Bauch, Durchfall oder Erbrechen.

Eigentlich.

Knapp eine Woche später war das Ergebnis da und ich musste wieder in die Klinik. Und dieser Tag veränderte mein Leben grundlegend. Ich bekam die Diagnose Zöliakie. Bum. Nun war es bewiesen.

Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, fühlte mich irgendwie hilflos, versuchte aber stark zu bleiben.

In den nächsten Wochen wurde uns klar was diese Krankheit für mich, meine Familie und meine Freunde bedeuten sollte. Ich musste mein Leben komplett umkrempeln, musste von nun an eine strikte Diät halten. Und mich umstellen, auf die Krankheit von der ich vorher nie gehört hatte und die ich nun in mir trug.

Ich fand nach und nach heraus was Zöliakie ist, nämlich eine chronische Erkrankung des Dünndarms und somit eine lebenslange Unverträglichkeit von dem Klebeeiweiß Gluten. Damit war nun die nächste Hürde für mich gekommen: Was war Gluten? Gluten ist ein Klebeeiweiß der vor allem in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel und Gerste vorkommt. Somit hatte ich die wichtigsten Fakten auf dem Tisch - und trotzdem kein Ahnung!

Ich wurde Mitglied bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) und bekam so immer mehr hilfreiche Informationen. Wir fanden heraus, dass es bei uns in der Nähe ein Reformhaus gibt, bei dem wir von nun an glutenfrei einkaufen.

Ich musste mich selber neu erfinden.

Ich musste meine Ernährung umstellen und alles probieren, ich kannte ja nichts Glutenfreies. Und ich wusste: ich darf mir nicht erlauben einen Diätfehler zu begehen - dies kann nämlich eine schlimme Folge haben, und diese Folge heißt im schlimmsten Falle Krebs!

Außerdem habe ich in diversen Foren im Internet Kontakt zu anderen „Zölis“ - so heißen wir Zöliakiekranke untereinander - gefunden und gelernt mit dieser Krankheit zu leben und umzugehen.

Ich lebe jetzt seit drei Jahren mit dieser Krankheit und habe keinerlei Probleme mehr. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, nehme ich mir Kuchen mit, wenn ich in den Urlaub fahre, wird halt eine Kiste gepackt. Ich sehe die Krankheit nicht mehr als Belastung an, sondern als einen Teil von mir an.

Und mittlerweile bin ich froh, dass ich „nur“ Zöliakie habe, denn es gibt gewiss noch sehr viele schlimmere Krankheiten als „meine“ Zöliakie!

Victoria Crede, 14 Jahre, ZeusPower-Reporterin

Zur Deutschen Zöliakie Gesellschaft geht es hier

ZeusPower-Reporterin

Facebook
Kommentare