Körperwelten

Die Faszination des Echten

25.11.2009 | 13:36 Uhr
Die Faszination des Echten

Köln. „Bummbumm, Bummbumm, Bummbumm.“ Begleitet von einem omnipräsenten Herzschlag betritt man eine der umstrittensten Ausstellungen unserer Zeit: „Körperwelten - eine Herzenssache“ lässt seine Besucher in Welten eintauchen, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.

Vorbei an dem menschlichen Herzen, Blutbahnen, Nervensträngen, dem menschlichen Skelett und der Muskulatur, bis hin zum Fußballtorhüter, der eine Raucherlunge in der Hand hält, die mit einer normalen Lunge verglichen werden kann. Fasziniert von den menschlichen Organen in allen Einzelheiten, dem komplexen Muskelnetz des menschlichen Körpers oder gar einem Degenfechter in Wettkampfpose - die Exponate bei Körperwelten haben alle eine ganz besondere Eigenschaft: Sie sind echte, konservierte Körper von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt haben, dass sie Teil dieser Ausstellung werden wollen.

"Anatomischer Schatz"

„Jeder Körper ist ein anatomischer Schatz, der für die Allgemeinheit zur Aufklärung genutzt werden kann. Es ist zwar verständlich, aber nicht unbedingt richtig, sich emotional an einen toten Körper zu binden“, sagte Dr. Angelina Whalley, Kuratorin der Ausstellung und Ehefrau des Körperwelten-Erfinders Gunther von Hagens, bei der an die Ausstellung angebundenen Pressekonferenz für Schülerredakteur.

Kuratorin Angelina Whalley ist die Ehefrau von Günther von Hagens. Sie stand jetzt Schülerreportern aus dem ganzen Land Rede und Antwort. Foto: (c) Gunther von Hagens, Institut für Plastination, Heidelberg, www.koerperwelten.de

„Die Körperwelten sind für jedermann gemacht und sollen vorrangig der Aufklärung dienen. Viele Menschen begreifen die Schädlichkeit von Rauchen und übermäßigem Essen erst, wenn sie Raucherlunge, Raucherbein und einen stark verfetteten Körper unmittelbar vor sich sehen.“ Außerdem erkenne man erst durch das konkrete Betrachten des Gesamtsystems Mensch dessen hohe und faszinierende Komplexität. „Dass wir unsere Exponate hierfür oft in bestimmte Posen stellen, soll zum einen die anatomische Aussage des Körpers unterstreichen und zum anderen den Menschen die Scheu vor den toten Körpern nehmen.“, so Whalley.

Dass die Körperwelten reine Geldmacherei seien, wehrte Whalley entschieden ab: „Leider wird unsere Arbeit nicht staatlich gefördert. Um unsere Aufklärung weiterhin betreiben zu können, müssen wir uns also den Gesetzen des freien Marktes unterwerfen und unsere Ausstellung mit entsprechend bunter Werbung und hoher Medienpräsenz am Leben erhalten.“ Auch die Vorwürfe der Vergangenheit, die ausgestellten Körper stammten aus fragwürdigen Quellen, seien schlichtweg falsch: „Dies mag vielleicht auf Konkurrenzausstellungen zutreffen, in den Körperwelten hat es so etwas jedoch nie gegeben.“

Pläne

Für die Zukunft gibt es schon sehr konkrete Pläne: „Wir werden uns weiterhin mit der Fortentwicklung der Plastination, dem Verfahren zur Konservierung von toten Körpern, das bei den Körperwelten zum Einsatz kommt, beschäftigen. Auch ein dauerhaftes Museum für unsere Ausstellung ist angedacht.“ Ob man dieses Museum jedoch in Deutschland errichten könne, sei fraglich, verkündete Whalley augenzwinkernd. „In keinem anderen Land der Welt sind wir auf so vehemente Kritik gestoßen wie in Deutschland.“

Dass die Körperwelten noch einige große Dinge vor sich haben, ist zumindest sicher. Schon im nächsten Jahr können die Besucher der Wanderausstellungen einen plastinierten Elefanten bestaunen. Kostenpunkt: Zwei Millionen Euro.

Ben Scholten, 16 Jahre

Hier gibt es weitere Informationen zur Körperwelt in Köln.

ZeusPower-Reporter

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