Reise

Auf Recherche in New York

10.06.2012 | 09:15 Uhr
Auf Recherche in New York
Lichtermeer am Times Square – hier muss wohl der Strom ausfallen, bevor es hier dunkel wird. Foto: Hans Blossey

New York.   Der Blick entlang der überwältigenden Wolkenkratzer, die lauten Geräusche der vielen gelben Taxen und die tausenden hektischen Menschen auf der Straße genügen, um mich wissen zu lassen: Das ist Amerika. Oder genauer gesagt: Das ist New York City.

Ich stehe mitten im Leben: Dort, wo sich Stimmen, Musikfetzen und Motorengebrumm zu einem Geräusch vermengen und über dem Asphalt wabern. Dort, wo der berühmte Broadway auf die Seventh Avenue trifft und riesige Leuchtreklamen die Häuserschluchten von Manhatten in bunte Farben tauchen. Ich stehe am Times Square in New York City.

Noch vor wenigen Wochen kannte ich diesen Ort nur aus Kinofilmen. Dann klingelte das Telefon: Der Anrufer sagte mir, dass ich zu den Gewinnern gehöre, die eine Recherchereise nach New York gewonnen haben.

Wie das? Über die beiden vergangenen Kongresse des Jugendpresse-Verbandes in Berlin und Köln konnten alle Teilnehmer berichten und ihre Artikel für einen Wettbewerb einsenden. Das habe ich getan. Daraufhin hat sich eine Jury für die acht besten Artikel entschieden – und auch mein Text „Nachwuchsschreiber berichten über Eurofighter“ war dabei. Was für eine wahnsinnige Überraschung – nie im Leben hätte ich mit solch’ einem Glück gerechnet.

ZeusPower-Reporterin Katharina erlebte das große Wuseln am Times Square in Manhattan in New York. Foto: Katharina Draub

Bis es nun für die sieben weiteren Gewinner und mich im Mai für vier Tage (17. bis 21. Mai 2012) zur Recherchereise nach New York ging, war neben der riesigen Vorfreude auch ziemlicher Stress angesagt. Denn im Eilverfahren mussten der Reisepass, die Einreisegenehmigung sowie jegliche Einverständniserklärungen beantragt und amerikanische Dollar bestellt werden.

Medienrummel am Times Square

Und jetzt stehe ich am frühen Vormittag mit den anderen sieben Gewinnern und unseren beiden Gruppenleitern aus Deutschland inmitten des bunten Times Square und weiß gar nicht, welches große Gebäude oder welchen riesigen Bildschirm ich zuerst fotografieren soll. Doch nicht nur die Masse an Werbeplakaten fangen meinen Blick ein, sondern auch die vielen Kamerateams und Journalisten aus aller Welt. Sie haben sich vor der Technologiebörse Nasdaq versammelt. Wie unser Gruppenleiter, Journalist Andreas Hain, erklärt, startet an diesem Tag das Unternehmen Facebook seinen Börseauftritt. „Dass so ein großes Unternehmen wie Facebook an die Börse geht, passiert nur alle zehn Jahre“, sind seine Worte.

Deutsche Medienvertreter sind selbstverständlich ebenfalls bei diesem Ereignis dabei. Auch Thomas Roth, Journalist und Leiter des ARD-Studios in New York, welcher sich nach seiner Live-Berichterstattung kurz Zeit für uns nimmt und uns über seinen eigenen erfolgreichen Lebensweg erzählt – und ein paar Tipps an uns weitergibt: „Man sollte nie seine Karriere planen, denn es passiert nie das, was man geplant hat.“

Hektik pur

Bevor es nun an diesem Tag weiter zur Besichtigung des Hauptsitzes der Vereinten Nationen geht, bleibt kurz Zeit für einen kleinen Snack. Und nirgendwo anders in New York scheint es entspannender zu sein als Central Park. Obwohl dieser inmitten von New York liegt, ist von der Hektik der Metropole mit mehr als acht Millionen Einwohnern nichts mehr zu spüren. Man kann dort neben kleinen Vögeln auch vielen Musikern beim Singen zuhören.

Gesättigt geht es nun zum UN-Headquarter. Dort treffen sich täglich die Generalversammlung, der Sicherheitsrat und der UN-Wirtschafts- und Sozialrat, „um deren Aufgaben und Ziele, wie die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, den Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit zu verfolgen und zu organisieren“, sagt die Betreuerin, die uns durch das große Gebäude führt.

Auch wenn wir schon so einiges an diesem ersten Tag erlebt haben, etwa die schnellen Subway-Fahrten mit der U-Bahn, geht es noch zum Pier 17, einer kleinen Hafenpromenade. Der Blick auf die Skyline und die Brooklyn Bridge sind einfach nur traumhaft und die kleine Shoppingmall, die sich ebenfalls dort befindet, toppt dies obendrein.

Ground Zero – ein Ort, an dem nie vergessen wird

Der zweite Tag in der großen Stadt beginnt wieder sehr früh. Nach einem typisch amerikanischen Frühstück mit Pancakes, Muffins und weiterem Süßgebäck machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur knapp 2000 Meter langen Brooklyn Bridge, über die wir nach Manhatten gelangen. Die Hängebrücke ist eines der Wahrzeichen der Stadt und wurde nach 14 Jahren Bauzeit 1883 zur Nutzung freigegeben. Von der Brücke aus hat man einen wahnsinnigen Ausblick, nicht nur auf die in den Himmel stechenden Wolkenkratzer, sondern auch auf die weiter entfernt liegende Freiheitsstatue, welche alleine auf der Insel zu stehen scheint.

Zudem fängt ein besonderes riesiges Gebäude, welches noch nicht ganz fertig gebaut ist, unseren Blick ein. Es ist das neue One World Trade Center, wo einst die Zwillingstürme standen. Dorthin geht es jetzt.

Ein Ort, um an ein grausames Attentat zu erinnern. Ein Denkmal am Ground Zero erinnert an die Twin Towers des World Trade Center, die durch zwei Flugzeuge zum Einsturz gebracht wurden. Foto: Katharina Draub.

Zu meiner Verwunderung kommt man nicht so einfach an den Ort der ehemaligen Türme und der Gedenkstätte, da das ganze Gebiet umzäunt und bewacht ist. Erst der Kauf einer Eintrittskarte oder die Teilnahme an einer Führung bringt die Besucher dorthin. Unsere Gruppe nimmt an einer der begehrten Führungen teil und nach mehreren Kontrollen, ähnlich wie am Flughafen, stehen wir nun inmitten eines schönen grünen Parks. Dass hier tausende von Menschen bei diesem grausamen Terroranschlag ihr Leben verloren haben, kann wohl kaum einer der vielen Besucher fassen. So oft haben wir das Thema in der Schule besprochen und auf einmal steht man wirklich an dem Ort der Katastrophe.

Der Führer Chris Hardej erklärt uns genau, wo welches Gebäude stand und dass es sogar einen Baum gibt, der den Anschlag überlebt hat und seitdem an einer bestimmten Stelle steht. Doch Hardej überrascht uns noch mit etwas ganz anderem: Er ist einer der Überlebenden des Anschlags. Er selber hat in einem der „Tower“ gearbeitet und sich aus seinem Büro, welches im 82. Stock lag, herausgekämpft und wie durch ein Wunder überlebt. Obwohl die Sonne scheint und wärmt, bekomme ich bei seiner Geschichte eine Gänsehaut. Erschreckend ist es dann zu sehen, wie einige Besucher vor den Gedenkbrunnen und dem neuen Gebäude stehen und lächelnd für ein Foto ‚posen‘.

Auf dem Mediawalk

Zeit zum Verschnaufen gibt uns unsere heutige Mittagspause, ein schnell von unseren Gruppenleitern organisiertes Picknick an einer ruhigen Promenade. Mit dem Blick auf die New Yorker Skyline und einer uns klein scheinenden Freiheitsstatue wird uns langsam bewusst, dass wir wirklich in einer der größten Städte der Welt mit so vielen Millionen Einwohnern sind.

Dennoch soll es schon bald weiter gehen. Der Weg zum Times Square und über die 5th Avenue bringt uns zum Rockefeller Center. Dort, wo die wichtigsten und bekanntesten Fernsehstudios wie NBC oder MSNBC ihren Sitz haben. Ebenfalls bekommen wir auch die Radio City Music Hall zu sehen, die wir sonst auch nur aus dem Fernsehen kennen. Der zweite und leider schon vorletzte Tag endet in dem italienischen Stadtviertel ‚Little Italy‘ und mit einer großen Pizza.

Auf dem höchsten Gebäude von New York

Sobald wir wieder an einem Wolkenkratzer vorbei laufen, denke ich mir jedes Mal, noch höhere Gebäude könne es nicht geben. Doch das Empire State Building übertrifft hier noch einmal alles. Dieses darf bei unserer Tour natürlich nicht fehlen und muss unbedingt besichtigt werden.

Mit rasanter Geschwindigkeit geht es mit einem der insgesamt 73 Aufzüge des Gebäudes innerhalb weniger Minuten knappe 380 Meter in die Höhe. Nur wenige Schritte trennen uns dann noch bis zu den Gitterstäben auf der Aussichtsplattform. Diese sind sogar weit genug voneinander entfernt, sodass sie nicht den Blick auf die kleineren Hochhäuser, die Freiheitsstatue, den Hudson River und die Brooklyn Bridge hindern. Unglaublich! So einen unbeschreiblichen Blick über New York bekommt man nicht alle Tage, wenn nicht sogar nur einmal im Leben!

Leider trennen uns nur noch wenige Stunden von dem Rückflug, an den keiner gerne denken möchte. So wird der restliche Tag noch genossen und es geht nach dem Besuch eines des bekanntesten und bedeutendsten Museums der Welt, das Museum of Modern Art, kurz Moma, noch einmal über die 5th Avenue in Richtung Central Park. Nach einem kurzen Snack, einem amerikanischen Hot Dog, bleibt uns noch kurz Zeit, um die letzten Souvenirs zu kaufen. Glücklicherweise haben die Geschäfte auch an Sonntagen geöffnet.

Bepackt mit unseren Koffern, dessen Gewicht sich wegen all der Einkäufe fast verdoppelt hat, stehen wir leider schon am Nachmittag am John F. Kennedy Flughafen. In den Gesichtern ist abzulesen, dass wirklich keiner Lust hat, schon wieder nach Deutschland zu fliegen. Unser Wunsch, noch länger in der unglaublichen Stadt zu bleiben, wurde uns dann auch glatt erfüllt: Unser eigentliches Flugzeug wurde kurz vor unserem Boarding von einem anderen auf dem Rollfeld angefahren und somit konnten wir natürlich nicht mit einem beschädigten Flügel zurückfliegen. So machte sich unsere kleine Ersatzmaschine erst ganze fünf Stunden später auf den Rückflug.

Was für eine spannende und aufregende Reise. Am Ende ist jedem klar: Wir waren nicht zum letzten Mal in New York.

Katharina Draub, 17 Jahre, Duisburg

ZeusPower-Reporterin

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