Thriller-Autor auf Tour

Alles außer lesen

23.06.2010 | 14:47 Uhr
Alles außer lesen
Autor Sebastian Fitzek stellt seinen Thriller „Der Augensammler“ vor. Foto: Lucia Fuster

Essen.Die Bude ist voll. Trotz Ladenschluss. Im obersten Stockwerk der Buchhandlung versammeln sich weit über hundert Gäste bei Sebastian Fitzeks Lesung zu seinem neuen Buch „Der Augensammler“ wie genau ein Jahr zuvor zu „Splitter“.

Selbstbewusst und doch nicht abgehoben erscheint der 38-Jährige charismatisch vor dem begeisterten Publikum und stellt sich dem durchgehenden Blitzlicht. Zu Beginn kündigt er gleich an: „Wer mich kennt, weiß, dass ich alles auf einer Lesung mache außer zu lesen.“ Einleitend berichtet er, was er auf vergangenen Lesungen erlebt hat. Zum Beispiel, dass in Wien eine Frau sein Buch klauen wollte und mit Blaulicht abgeholt wurde – und hält die Zuhörer gut bei Laune.

Fitzek kann auch seine Zuhörer in Essen fesseln.

Zwar liest Fitzek auch aus kleineren Passagen vor, sein Programm Schwerpunkt ist aber eine informative Präsentation über seine Recherche mit sehbehinderten Menschen. Fitzek erklärt, dass seine Ideen zu den Büchern immer mit der Frage „Was wäre wenn...?“ beginnt und seine Physiotherapeutin die Inspiration zu diesem Buch war, die seit Jahren schon durch die Behandlung seines Körpers seine Psyche lesen will.

Der Mörder aus dem Keller

So fragte er sich in diesem Fall: Was wäre, wenn ich ein Serienmörder wäre und sie während der Behandlung merkt, das ich vor der Massage in meinem Keller jemanden ermordet habe? Wie ein geübter Comedian schiebt Fitzek einen Witz hinter her: „Und so war die Idee geboren. Nicht die, in den Keller zu gehen, sondern das Buch zu schreiben.“ Da die Physiotherapeutin mit dem Bild des Mörders zur Polizei hätte gehen können und damit die Geschichte logische Fehler aufwiese, machte Fitzek seine Protagonistin blind.

Wie ein Referat und doch geprobt wie in einem Show-Programm stellt er zwei beeindruckende Kurzbiografien von Blinden vor und zeigt Bilder mit optischen Täuschungen, um zu beweisen, das wir nicht immer wissen, was wir sehen. Viele Blinde haben dem Autor dabei geholfen, dass er nicht „den größten Mist“ über Blinde schreibt und haben ihm im Telefonchat erklärt, wie man zum Beispiel blind die Wäsche trennt.

Buch-Rezension
„Der Augensammler“

Wer wissen möchte, wie sich das neue Buch von Sebastian Fitzek liest, findet hier eine ZeusPower-Rezension von „Der Augensammler“.

Grüne Jeans’ müssen in die Wäsche

Zur Demonstration hat Fitzek einen Colorino (das Farblesegerät für Blinde) mit gebracht und testet es an seiner Kleidung. Als versuche er dies zum ersten Mal zeigt sich Fitzek beeindruckt, als die Farbe seines Hemdes erkannt wird. Nachdem der Colorino seine blaue Jeans als grün erkennt und die Audienz sichtlich amüsiert ist, sagt er, die müsse wohl mal wieder in die Wäsche.

Zuletzt bittet der Bestseller Autor um Fragen, die er mit essbaren Süßwaren-Augen belohnt. Die Frage, wie es mittlerweile mit einer Filmproduktion aussieht, beantwortet er damit, dass eine Verfilmung des „Seelenbrechers“ in Planung sei und zeigt exklusiv einen Trailer von dem aktuellen Buch.

Nach anderthalb Stunden beendet er das offizielle Programm und setzt sich für Fotos, Fragen und Autogramme in die erste Etage.

Seit dem 2. Juni tourt Sebastian Fitzek mit seiner Freundin und diesem Programm durch Deutschalnd und Österreich. Die Station in Essen war die letzte in Nordrhein-Westfalen. Da Fitzek innerhalb von fünf Jahren sechs Bücher veröffentlicht hat, kann man davon ausgehen, das er nächstes Jahr mit einem neuen Buch nach Essen kommt. Vielleicht mit einer Fortsetzung, aber das lässt Fitzek offen.

ZeusPower-Reporter Gabriel Vishchers aus Essen

ZeusPower-Reporter

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