Hast Du Angst vor der Zukunft?
15.05.2009 | 15:06 Uhr 2009-05-15T15:06:00+0200
Angst vor der Zukunft kennt Marion nicht. Die 17-Jährige will nach dem Abitur Medizin studieren. „Krank werden Menschen immer“, sagt die junge Frau aus Duisburg. Aber sind wirklich alle jungen Leute so optimistisch?
Erst am vergangenen Dienstag hat NRW-Jugendminister Armin Laschet das „LBS-Kinderbarometer“ vorgestellt. „Die Probleme dringen heute immer stärker in die Kinderzimmer”, fasste er die Studie zusammen.
Auch wenn für die Studie vor allem Jüngere (9- bis 14-jährige Mädchen und Jungen) befragt wurden – Diplom-Psychologin Claudia L. Preißner vom ProKids-Institut in Herten kann durchaus einige interessante Veränderungen feststellen.
Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut
„Gerade die 14-Jährigen machen sich Gedanken um ihre Zukunft“, erklärt sie im Gespräch mit ZeusPower. So steige die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut dramatisch. Würden sich in der vierten Klasse gerade einmal 15 Prozent Sorgen um einen Arbeitsplatz machen, seien es in der siebten Klasse über 60 Prozent aller Mädchen und Jungen.
Nicht haltbar, sagt die Juso-Chefin
Für Franziska Drohsel, Bundesvorsitzende der Jusos, keine haltbare Situation: „"Es ist erschreckend, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit mittlerweile auch bei Kindern zunimmt. Kinder brauchen geschützte Räume in der frühkindlichen Bildung, in der Schule und auch in ihrer Freizeit. Dabei ist entscheidend, dass der Druck auf den Einzelnen, schnell und gut seinen Bildungsabschluss zu machen, reduziert wird. Aber natürlich brauchen Kinder auch eine soziale Perspektive. Dazu gehört das Recht auf einen Ausbildungsplatz, genauso wie das Recht auf das Nachholen eines Schulabschlusses."
Aber wird über die Zukunftsangst auch unter Jugendlichen gesprochen?
Unter Freunden auf jeden Fall – sagt beispielsweise Corinna (16) aus Köln. „Klar sprechen wir mal darüber, was wir mal werden wollen. Letztens ist ein Vater von einem Kumpel arbeitslos geworden. Das war schon ein Schock für uns alle.“
JU-Bezirksvorsitzender: Angst vor Schuldenlast
Paul Ziemiak, Landesjustiziar der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Jungen Union in Südwestfalen, beobachtet, dass gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Thema Zukunft eine große Rolle spielt, auch in Gesprächen mit Erwachsenen. „Wir als junge Menschen haben Angst, dass die Ausgaben von heute zu unseren Lasten finanziert werden. Schon alleine der Blick auf die Riesenbeträge, die während der aktuellen Finanzkrise ausgegeben werden, beängstigen uns.“ Dennoch würden die jungen Leute nicht in Trauer verfallen, würden sich immer stärker für ihre Umwelt, ihre Umgebung einsetzen.
Angst vor der Zukunft. Angst davor, keine Lehrstelle zu finden. Angst davor, komplett zu versagen. Aber werden diese Sorgen auch mit Lehrern geteilt? Sprechen Schülerinnen und Schüler im Unterricht dieses Thema an?
Nein, machen sie nicht. Sagt Dr. Stefan Werth. Der 46-Jährige ist Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums in Lüdenscheid. „Über ihre Zukunftsangst sprechen sie nicht. Aber das Thema Krise saugen sie ja derzeit praktisch mit der Atemluft ein“, weiß der Oberstudiendirektor.
So nehme der innere Leistungsdruck zu – und Leistungsschwächere müssten noch stärker motiviert werden. „Manche Schüler, die schwächer sind, geben sich schneller auf und ziehen sich stärker zurück.“
ZeusPower will wissen
Wie viel Angst haben junge Leute wirklich? Seid Ihr Pessimisten? Oder glaubt Ihr an das Licht am Ende des Tunnels? Stecken euch die Sorgen Eurer Eltern an? Macht Ihr Euch Gedanken, ob Ihr später genauso leben könnt wie Eure Eltern? Und – auch das wollen wir wissen – freut Ihr Euch auf die Zukunft? Oder machen die Erwachsenen sie Euch jetzt schon madig? Sagt uns Eure Meinung!
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