Als Praktikantin im Operationssaal
19.10.2009 | 15:17 Uhr 2009-10-19T15:17:00+0200
Ihre blaue Kleidung konnte ZeusPower-Reporterin Katharina Kettler während ihres Praktikums in grüne Kleidung eintauschen - das Signal, das sie an einer Operation teilnehmen durfte. Was sie dort erlebt hat, berichtet sie auf ZeusPower.
Viele junge Menschen träumen davon, nach ihrer Schullaufbahn ein Medizinstudium aufzunehmen. Auch ich gehöre schon seit Jahren dazu. Vor meinem Abitur, das in diesem Schuljahr ansteht, wollte ich ein Praktikum in einem Krankenhaus absolvieren. Auf meine Bewerbung hin konnte ich ein dreiwöchiges Praktikum in der Chirurgie des St. Elisabeth Hospital Iserlohn absolvieren. Ich erhoffte mir dadurch einen Einblick in meinen Traumberuf zu erhalten.
Während des Praktikums gehörten im Großen und Ganzen die Tätigkeiten einer Krankenschwester zu meinen Aufgaben. Es bereitete mir sehr viel Freude, sowohl mit den Patienten, als auch mit den Schwestern zu arbeiten und ich lernte von beiden Seiten viel dazu.
Durch die Bemühungen von Stationsleiterin Anne und Oberarzt André Scholz, war eine Operation, bei der ich live dabei sein durfte, der absolute Höhepunkt meines Praktikums. Diese 90 Minuten verstärkten meinen Berufswunsch enorm.
Aus blau wird grün
Um halb neun ging es an einem Donnerstag in die Damen-Umkleide, in der sich jede weibliche, im OP-Bereich beschäftigte Person umzieht. An diesem Tag tauschte ich meine sonst blaue Kleidung gegen grüne, die ausschließlich in den Operationsräumen getragen wird, aus. Während ich mich umzog, stieg meine Nervosität. Ich hatte auch ein wenig Angst davor, dass mir eventuell übel werden oder ich schlimmstenfalls sogar umfallen könnte. Auf meine Bedenken hin teilte mir eine OP-Schwester mit: „ Du wärest nicht die erste Praktikantin, der dies passieren würde“.
In die Schleuse
Der einzige Bereich, der mit dem OP zu tun hat und auch für alle Schwestern und Pfleger zugänglich ist, ist die Schleuse. Hier wechseln die Patienten von ihrem Krankenbett auf die OP-Liege. Die Schleuse selber sieht aus wie ein Fließband. Sie kann unter den Patienten gefahren werden und auch in der Höhe verstellt werden. Dies ist ein enormer Vorteil für Patienten, die durch ihre Verletzungen oder aus anderen Gründen in ihren Bewegungen eingeschränkt sind.
Vier Vorbereitungsräume
Für den Patienten geht es dann weiter in einen der vier Vorbereitungsräume. Die Schwestern und Pfleger müssen den Raum nun verlassen. Sie nehmen lediglich noch das Patientenbett mit, welches gekennzeichnet mit dem Patientennamen vor den Aufwachraum gestellt wird. Der Patient kann nach der Operation in „seinem“ Krankenbett wieder zu sich kommen.
Neues Hüftgelenk
Und ich durfte nun an diesem Donnerstag die Schleuse von der anderen Seite sehen und in den Vorbereitungsraum gehen. Hier lernte ich dann auch den Patienten kennen, bei dem an diesem Tag ein neues Hüftgelenk eingesetzt werde sollte. Außer mir hatten die Schwestern die „Kurve“ des Patienten zurückgelassen. Ihr kann der Arzt alle wichtigen Informationen und Daten über den Patienten entnehmen. Die Narkose, die erst im OP-Raum eingeleitet wird, ist dann genau auf diesen Patienten abgestimmt. Ausschlaggebend sind Körpergewicht, Alter, eventuelle Allergien aber auch ob der Patient Medikamente nimmt oder Raucher ist. Durch diese Angaben ist eine genaue Dosierung der Narkose möglich, denn der Patient soll weder während der Operation aufwachen noch soll die Narkose länger als notwendig dauern.
Blick auf Röntgenbilder
Sehr interessant war auch der Einblick in die Röntgenbilder, anhand derer die Operation vor dem Eingriff durch die operierenden Ärzte geplant wurde. Im OP selber wird der Patient nach der Narkose so gelagert, dass das Operationsfeld für die Ärzte eine optimale Lage darstellt.
Vor der Operation wuschen sich nun der Anästhesist, der Anästhesiepfleger, der leitende Arzt, die beiden Assistenten und die beiden Operationsschwestern erneut die Hände und zogen mehrere Paar Handschuhe an.
Lockere Stimmung
Die Stimmung der anwesenden Personen war sehr locker, wodurch ich viel ruhiger wurde. Zu Beginn der Operation setzte bei allen Anwesenden jedoch sofort die volle Konzentration auf den bevorstehenden Eingriff ein. Mir wurde nun auch erlaubt die Operationswerkzeuge zu betrachten. Bei ihrem Anblick fühlte ich mich an Küchen- und Bastelgeräte erinnert, ich sah Korkenzieher, überdimensionale Gabeln und Skalpelle.
Erinnerungen an den Werkzeugkeller
Nach der Desinfektion und der Abdecken des Patienten mit grünen sterilen Tüchern wurde noch die Uhrzeit notiert und die OP begann. Mit mehreren Messerklingen arbeiteten sich die Ärzte nun an die Beckenpfanne heran und holten den Hüftkopf heraus. „ Irgendwie erinnern mich die Geräusche an Arbeiten im Werkzeugkeller“, schoss es mir durch den Kopf. Doch Scholz, der leitende Arzt, holte mich schnell wieder aus meinen Gedanken. Er erklärte mir sehr verständlich sein Vorgehen.
Gefasst und fasziniert
Ich muss zugeben, dass ich selber bei dem vielen Blut nicht alles erkennen konnte. Aber ich war erstaunt, wie gefasst ich war und wie fasziniert. Mittlerweile war der Hüftkopf ausgemessen und das Duo-Kopf-System wurde eingesetzt. „ Bei jüngeren Patienten wird ein komplett neues Gelenk eingebaut und auch längst kein Zement mehr verwendet“, erklärte mir Oberarzt André Scholz während bei dem Patienten der Zement aushärtete, nachdem er in den gesäuberten Knochen gespritzt wurde. „Das Säubern ist notwendig, da die Poren gereinigt werden müssen und der Zement besser angenommen werden kann“, sagt mir die „springende“ Schwester. Sie erklärte mir anschließend noch viel über Richtwerte, die eingehalten werden müssen.
Schnell wieder vernähen
Nun wurde die Wunde schon wieder vernäht. Die Muskeln mit speziellen Fäden, welche sich später von alleine auflösen, da an sie nach der OP keiner mehr herankommt. Die Haut selber wird mit Fäden vernäht, die nach einigen Tagen wieder gezogen werden. Mit eingenäht werden jedoch Schläuche, die dafür sorgen, dass überflüssiges Blut und Wundwasser abgeleitet werden können. Das Ziehen der Schläuche nachdem sie festgewachsen sind, ist wie mir später ein Patient bestätigte, sehr schmerzhaft.
Damit ist die Operation beendet. Mein Zeitgefühl hatte ich während der OP total verloren. Ich bin sehr froh, dass ich den OP-Raum nicht vorzeitig verlassen musste aber auch etwas traurig, dass alles schon vorbei ist.
Immer gerne Arzt
Oberarzt André Scholz hat jedoch noch einige Minuten Zeit für mich gefunden, um meine Fragen zu beantworten. Ich erfuhr, dass er wenn es notwendig ist lange im OP steht. Die Adrenalinausschüttung sorgt jedoch immer für volle Konzentration. Ferner bestärkte er mich an meinem Berufswunsch festzuhalten und beteuerte mir, dass er in den letzten 16 Jahren zu jeder Zeit gerne Arzt war. Jetzt weiß ich – ich verfolge das richtige Ziel.
Katharina Kettler, ZeusPower-Reporterin
Und hier geht es zum St. Elisabeth Hospital

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