In China:
"Bescheidenheit ist Trumpf"
08.06.2009 | 09:19 Uhr 2009-06-08T09:19:00+0200
Wer Karriere in China machen möchte, sollte sich gut vorbereiten. Mit einem speziellen Tagesseminar wollen die Carl Duisberg Centren Berufsstarter fit für den fernen Markt machen. Was sich genau dahinter versteckt, verrät CDC-Projektmanager Wolfgang Heisel.
ZeusPower: China for Young Professionals - haben junge Leute am Anfang der Karriere wirklich Interesse an China?
Wolfgang Heisel: Sie sollten zumindest Interesse an China haben. Das Reich der Mitte ist nach wie vor einer der größten Handelspartner Deutschlands und gerade in der Weltwirtschaftskrise wird China von vielen Experten zugetraut, sich am schnellsten und besten wieder erholen zu können. Unser Seminar "China for Young Professionals" soll jungen Leuten ermöglichen, sich schon zu Beginn der Karriere zu spezialisieren und von der Masse der anderen Bewerber abzuheben. Die Stichworte hierzu sind allgemein bekannt: Man schärft das eigene Profil durch nachweisbare Kompetenzen, die eben nicht jeder mitbringt.
ZeusPower: Was genau wird in dem Tagesseminar vermittelt?
Wolfgang Heisel: Dahinter verbirgt sich in jedem Fall keine trockene Wissensvermittlung. Im Mittelpunkt der Seminare stehen typisch chinesische Kommunikationsformen und Verhaltensweisen. Diese sollen von den Teilnehmern in zahlreichen interaktiven Übungen erlebt und verstanden werden. Es wird also viel von den Teilnehmern durch Fallbeispiele und andere Methoden selbst erarbeitet. Daneben steht der Trainer als Chinaexperte natürlich auch Rede und Antwort zu allen Fragen rund um den Lebensalltag in China.
Wolfgang Heisel M.A. studierte Sinologie und Politikwissenschaften in Trier und Chengdu (VR China).
In seiner Magisterarbeit untersuchte er die Veränderung des Deutschlandbildes chinesischer Manager im Rahmen internationaler Weiterbildungsprogramme. Seit 2007 arbeitet er im Bereich internationale Aus- und Weiterbildung der Carl Duisberg Centren, wo er unter anderem als Projektmanager und Trainer an der Weiterentwicklung von Programmen zur interkulturellen Kompetenzentwicklung arbeitet. Neben seiner intensiven beruflichen Auseinandersetzung mit interkulturellen Trainings ist er auch aktives Mitglied der Society for Intercultural Education and Research (SIETAR).
ZeusPower: Wie groß ist der kulturelle Unterschied in der Berufswelt zwischen China und Deutschland?
Wolfgang Heisel: Sehr groß und für die meisten wird dies schon gleich nach Ankunft offensichtlich. Auf den ersten Blick läuft in China vieles seltsam ritualisiert ab. Schon die Begrüßung und Vorstellung eines neuen Mitarbeiters in China ist eine Sache, bei der viele Fettnäpfchen lauern, und die beim unbedarften "Westler" für Verwunderung sorgen kann.
ZeusPower: Worauf sollten junge Leute in China auf jeden Fall verzichten?
Wolfgang Heisel: Auf jeden Fall sollte man darauf verzichten, forsch an die Sache heranzugehen. Bescheidenheit ist für einen Anfänger in China immer Trumpf, und gerade wenn es darum geht, die eigene Meinung zu äußern und damit eventuell sogar einem Kollegen zu widersprechen, ist höchste Vorsicht geboten. Was in Deutschland gut ankommt, weil man zeigt, dass man engagiert ist und mitdenkt, kann in China leicht dazu führen, dass man seinem Gegenüber "das Gesicht nimmt".
Mit Wolfgang Heisel sprach Bülend Ürük.

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