Jugendcamp und Workshop

Afrika sehen, tanzen, schmecken

23.07.2010 | 11:08 Uhr
Afrika sehen, tanzen, schmecken
Wenn es um den Schwarzen Kontinent geht, darf afrikanische Musik selbstverständlich nicht fehlen. Foto: Katharina Draub

Bonn.Armut, Hunger und Krieg: So stellt man sich Afrika häufig vor. Dass es aber noch eine anderes, ein schöneres Afrika gibt, wissen viele erst gar nicht. Deshalb veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung passend zur Weltmeisterschaft in Südafrika ein Afrikacamp in Bonn im Schloss Eichholz.

An dem Projekt nahmen mehr als 400 Jugendliche teil, um mehr über den Kontinent Afrika und seine Länder zu erfahren. Auch dreißig Schülerinnen des St. Hildegardis Gymnasiums Duisburg wollten sich so eine Veranstaltung nicht entgehen lassen. Durch verschiedene Workshops und Vorträge wurde den Teilnehmern Afrika näher gebracht.

Sofort am ersten Tag durfte sich jeder zwei Vorträge über die seiner Meinung nach interessantesten Länder anhören. Zur Wahl standen alle afrikanischen Länder, die auch bei der Fußballweltmeisterschaft mitgemacht haben. Unterschiedliche Referenten – dazu gehörten Professoren, gebürtige Afrikaner so wie in Afrika lebende Deutsche – hielten zweistündige, informative Vorträge und erzählten dabei auch von ihren Erfahrungen und Meinungen über Afrika und seine Politik.

An die Hand genommen und herumgeführt

Eine Schülerin schildert ihre Eindrücke zum Workshop Ghana: „Es war richtig interessant, über das unterschiedliche Verhalten der Afrikaner zu hören. Bruno Munoz- Perez , der Referent des Workshops Ghana erzählte uns von seiner Ankunft in Afrika. Er wurde dort direkt von einem Afrikaner herzlich empfangen und ihn direkt an die Hand nahm und herumführte. In Deutschland würde man sofort schief angeguckt werden, in Afrika ist so etwas normal.“

Ein Township in Pretoria: Große Armut ist ein Teil Afrikas, aber längst nicht alles, was den Kontinent prägt. Foto: Torsten Silz/ddp

Zur Abwechslung gab es sogar in manchen Workshops eine Aufgabe, die man im Team erarbeiten sollte. Da die Elfenbeinküste weltweit der wichtigste Kakaoproduzent ist, gibt es dort leider auch viel Kinderarbeit. In dem Team sollten einige Teilnehmer eine Initiative gegen Kinderarbeit erarbeiten. Als Lösungsvorschläge folgten Ideen, wie man als Schüler und Studenten Leute über diese Lage aufklären könnten. Das Internet - mittels Portalen wie Youtube, Facebook oder eigenen Homepages - spielte dabei eine große Rolle, da man so schon mit wenig Aufwand mit der Aufklärung beginnen könnte.

Bevor der Abend mit einer Disco und Musik eines afrikanischen Djs zu Ende ging, gab es natürlich sowie schon am Mittag richtiges afrikanisches Essen, was für einige aber sehr gewöhnungsbedürftig war: „Das sieht schon alles sehr exotisch aus und man muss sich bestimmt erst daran gewöhnen. Aber wenn man schon einmal in einem Afrikacamp ist, gehört so ein afrikanisches Essen natürlich dazu”, berichteten einige Schülerinnen.

Infos vom „Schwarzen Peter“

Auch am zweiten Tag konnten man wieder an verschiedenen Workshops teilnehmen. Zwei gebürtige Afrikaner hielten einen Vortrag über „Glauben und Gesellschaft in Afrika“. „Die Hauptreligionen in Afrika sind das Christentum, der Islam und traditionelle afrikanische Religionen. Sogar das Judentum ist in zirka 13 Ländern als Religion anerkannt, zum Beispiel in Äthiopien und Ghana”, sagte Peter Claver Narh, der sich selbst als den „Schwarzen Peter“ bezeichnet.

Auch in den anderen Workshops ging es interessant zu: „China investiert in viele Teile Afrikas viel Geld und hat so, wie alle anderen Länder Vorteile, zum Beispiel beim Rohöl. Diese Investition Chinas in Afrika darf man nicht verurteilen, da wir Deutsche das selbe mit unseren Investionen machen”, erzählen zwei Schülerinnen nach dem Workshop „Afrikas Wirtschaft in der Globalisierung“.

Etwas über den gesellschaftlichen Alltag erfuhren die 16- bis 22-Jährigen am Mittag in weiteren Workshops. Wer es sportlich haben wollte, nahm am Afro-HipHop/Tanz oder Modern Music Workshop teil. Etwas entspannter ging es in den restlichen Workshops Literatur und Märchen, Sitten und Gebräuche oder Kunst(-handwerk) zu. Natürlich waren alle Teilnehmer und auch das ganze KAS-Team in Fußballstimmung. Daher begann vor dem wichtigen Spiel Deutschland gegen Ghana das WM-Fieber mit Fußballturnieren.

Nebenbei konnte man sich auch über das entwicklungspolitische Engagement in Afrika informieren. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ stellten sich einige Organisationen und ihre Projekte vor. Um das ganze Publikum vor dem langersehnten Spiel zwischen Deutschland und Ghana einzuheizen, trat die afrikanische Musikgruppe ADESA aus Köln mit einer typisch afrikanischen Show auf. „Es war mal etwas anderes, mit so vielen Menschen und vor allem mit Afrikanern ein WM-Spiel zu gucken”, stellte eine Teilnehmerin fest.

„Europas Wirtschaft schadet Afrika“

Um die Entwicklungspolitik konkret, also über die Arbeit von entwicklungspolitischen Organisationen in Afrika, ging es noch einmal am Abreisetag in einem letzten Vortrag, bei mit allen Teilnehmern über das Thema diskutiert wurde. „Europa schadet sogar der Wirtschaft Afrikas und wirkt entgegen einer positiven Entwicklung, indem es bei überproduziertes Fleisch in Afrika billiger verkauft als der eigentliche Preis von afrikanischem Fleisch ist“, berichteten Schülerinnen. Trotzdem: „Ich finde es auch weiterhin wichtig, besonders den richtig armen Ländern zu helfen”.

Mit dem Ziel das Wissen über Afrika zu erweitern und allgemeine Vorurteile über den Kontinent Afrika zu beseitigen- ist die Konrad-Adenauer- Stiftung in das Projekt Afrika-Jugendcamp gestartet. In einer Feedbackrunde vor der Abfahrt und auch in kleineren privaten Gruppen wurde deutlich, dass die typischen Vorurteile über Afrika mit seinen negativen Seiten wie Armut und Krieg fast ganz aus dem Wege geschaffen wurde: „Natürlich kann keiner leugnen, dass in Teilen Afrikas Krieg herrscht und es viele arme Länder gibt. Trotzdem weiß man nun einiges mehr ,auch über die vielen schönen Seiten von Afrika. Dazu gehören die verschiedenen Kulturen, die Menschen dort und das Leben der Afrikaner”, erzählten Schülerinnen vor der Abreise.

Zeus-Reporterin Katharina Draub, Oberhausen

ZeusPower-Reporterin

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