Auszubildenden-Knigge

So, wie es dem Azubi gefällt, oder?

05.11.2012 | 13:09 Uhr
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So, wie es dem Azubi gefällt, oder?
Foto: Jakob Studnar

Ennepetal.   Privates Telefonieren am Arbeitsplatz, Bürostuhlrennen und Nasenpiercing. Die Liste der Dinge, die sich Lehrlinge im Job verkneifen sollten, ist lang. Wir haben Ausbilder und Azubis gefragt, was im Betrieb gerne gesehen wird und was überhaupt nicht.

Im Grunde genommen, lässt sich das Verhalten mancher Auszubildender mit einem Augenzwinkern als „mitgedacht“ interpretieren. Privates Telefonieren am Arbeitsplatz ist tabu! Schon allein aus Kostengründen. Also zückt der pfiffige Azubi sein Handy und ruft den Kumpel halt über dieses zurück. Oder schreibt ihm eine SMS, während er gleichzeitig mit dem Ausbilder spricht. Multitasking eben. Ein prima „soft skill“, wie die sozialen Eigenschaften neudeutsch genannt werden, die Firmen von ihren Mitarbeitern erwarten. Das kostet das Unternehmen keinen Cent, und damit ist alles ok. Oder?

„Da wird natürlich nicht an die Arbeitszeit gedacht, die beim Telefonieren draufgeht“, merkt Astrid Wollbaum vom Energieversorger AVU an. „Und welche Wertschätzung wird dem Gegenüber im Gespräch vermittelt, wenn die Finger unablässig über das Handy-Display flitzen?“, ergänzt Kollege Markus Schwandt, offizieller Ausbilder der AVU. Deshalb lautet ein oberstes Ausbildungs-Gebot beim Energieversorger des Ennepe-Ruhr-Kreises: Keine exzessive private Handynutzung!

Ein guter Eindruck zählt immer

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die Unternehmen anführen, wenn es darum geht, eine Liste von Verhaltensweisen zu erstellen, die Auszubildende in ihren Betrieben besser unterlassen sollten. Will man eine Chance auf Übernahme, zählt der gute Eindruck - immer.

Da haben Bürostuhlrennen auf dem Flur ebenso wenig einen Platz wie dreckige Schuhe, findet Rainer Zerkowski, Ausbilder bei der Titan Umreifungstechnik GmbH. Authentisch sein und nichts versprechen, was man nicht halten kann, sei ebenso etwas, was Azubis beachten sollten, raten Chris Heitbreder und Mario Hernandez. Sie sind Auszubildende im IT-Servicecenter von Douglas Informatik & Service und merken an, dass es trotz allem Ehrgeiz nahezu unmöglich ist, drei Ausbildungsjahre lang eine Rolle zu spielen. „Der potenzielle Azubi muss uns schon im ersten Gespräch überzeugen, das gelingt eigentlich nur, wenn er oder sie authentisch ist und sich nicht verstellt“, sagt auch Martin Roth, Betriebsleiter der AquaMagis Plettenberg GmbH.

Mitdenken ist gefragt

Bei AquaMagis punkten Azubis deshalb eher mit Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, Eigeninitiative und dem „berühmten Mitdenken. Wie heißt es so schön: Auch wenn man nichts zu tun hat, kann man Arbeit sehen“, so Martin Roth.

Mitdenken sollten Lehrlinge auch beim äußeren Erscheinungsbild. Das gilt besonders für Arbeiten an Maschinen. Ringe und Ketten sollten aus Sicherheitsgründen abgelegt werden. Achim Meyer, stellvertretender Ausbildungsleiter der Südwestfälischen Industrie und Handelskammer erklärt Azubis das so: „Eure Eltern haben euch 16 oder 17 Jahre lang großgezogen. Da werde ich mit ihnen nun kein Gespräch darüber führen, warum euch eine Hand fehlt.“

Sabrina Schreckert, Personalreferentin bei ABC, ergänzt: „Lange Haare sollten zum Zopf
gebunden sein. Wir haben auch bei Männern nichts gegen lange Haare, aber wenn diese an einer Maschine offen sind, kann es gefährlich werden.“

Expertentipps:

„Sich für unbeliebte Aufgabe nicht zu Schade sein. Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagt Markus Schwandt, offizieller Ausbilder der AVU, Gevelsberg.

„Wer einen kraftlosen Händedruck hat, vermittelt keinen dynamischen Eindruck“, sagt Martin Roth, Bereichsleiter der AquaMagis Plettenberg GmbH.

„Azubis dürfen Dinge auch hinterfragen. Wichtig ist, offen mit dem Ausbilder zu reden“, sagt Sabrina Schreckert, Personalreferentin Altenloh, Brinck & Co (ABC, Gevelsberg.

„Ein erhobener Zeigefinger bringt nichts. Man sollte Azubis Dinge vermitteln“, sagt Anna Deitelhoff, Sozialpädagogin der SIHK, Hagen.

Kerstin Wördehoff

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