ZeusAward-Gewinner im Rampenlicht
16.07.2011 | 20:19 Uhr 2011-07-16T20:19:00+0200
Essen.Neun talentierte Nachwuchsreporter rücken bei der ZeusAward-Preisverleihung in den Mittelpunkt. Die zahlreichen Gäste erleben glückliche Gewinner, die ihr Familienleben porträtiert, Wetten gewonnen und zwei Tage lang mächtiges Magenknurren ausgehalten haben.
Seine Hände lassen die Bälle rasend schnell fliegen. Der Künstler Senmaru auf der Bühne des Gop Varieté-Theaters in Essen weiß die Zuschauer zu entzücken. Einige seiner Gäste schauen ihm besonders glücklich zu, lehnen sich entspannt zurück. Sie haben bereits ihren Job gemacht – sich in gewisser Weise auch als Jongleure hervorgetan. Nicht mit Bällen haben sie jongliert. Mit Worten. Und das so gut, dass sie dafür eine Auszeichnung erhalten haben: Einmal im Jahr werden die besten Beiträge von Schülern prämiert, die im Rahmen des Zeitungsprojekts Zeus in den Zeitungen der WAZ Mediengruppe erschienen sind. Im Schuljahr 2010/2011 haben rund 40 000 Nachwuchsreporter bei Zeus mitgemacht. Neun von ihnen schafften es ins Rampenlicht des Theater, wo sie vor der Varieté-Show von erfahrenen Journalisten und Chefredakteuren mit einem „ZeusAward“ geehrt wurden.
Der flinke Entertainer Senmaru versetzt mit seiner japanisch angehauchten Kunstform die Leute ins Staunen. Die Leser des ausgezeichneten Artikels von Eva Liebenau dürften auch nicht schlecht gestaunt haben. Die Schülerin (14) aus Moers beschrieb darin, wie schön und vor allem lustig der Alltag mit ihrem Bruder Jens ist. Der 27-jährige Jens hat ein stark ausgeprägtes „Down-Syndrom“ und ist geistig behindert. Mit kleinen Anekdoten lässt sie den Leser an ihrer „Normalität“ teilhaben, ohne dabei auf die „Tränendrüse zu drücken“. Eva packt das Thema Behinderung nicht mit Samthandschuhen an, sondern so wie sie von zu Hause kennt. „In unserer Familie wird viel gelacht, über Jens und mit ihm“, sagte die Mutter des Geschwisterpaars Karin Schuster-Liebenau.
Erst Applaus, dann Rockkonzert
Ein toller Text. Dafür überreichte ihr Manfred Lachniet, der stellvertretende Chefredakteur der Neuen Rhein/Ruhr Zeitung (NRZ), den ZeusAward in der Kategorie „Bester Text“. Evas Bruder, der auch zur Preisverleihung gekommen war, sagte Lachniet: „Jens, du hast eine tolle Schwester.“ Darauf spendete Jens bei der Übergabe der Auszeichnung richtig viel Applaus. Vielleicht auch, weil er nicht mehr lange bleiben konnte. Denn bei aller Liebe, einen bereits lang geplanten Besuch eines Rockkonzerts am Abend wollte er sich entgehen lassen.
Ebenso in der Kategorie „Bester Text“ nahm Luc Dewulf (14) einen Award mit nach Hause nach Hattingen. Der Realschüler suchte im Rahmen von Zeus den Ort in Duisburg auf, der 2010 für traurige Schlagzeilen gesorgt hatte. Dort, wo 21 Menschen bei der Loveparade in einer Massenpanik starben, ging er Wochen später auf Spurensuche. Um zu beschreiben, wie Passanten und Anwohner mit dem Thema umgehen. „Ich bin aus Neugier hingefahren, weil ich wissen wollte, ob der Tunnel wirklich so eng ist“, erklärte der 14-jährige Luc.
„Der Text sitzt.“
„Ein lesenwerter Bericht, der ohne moralischen Zeigefinger auskommt, sondern verschiedene Perspektiven aufzeigt“, zitierte der stellvertretende Chefredakteur der WAZ Wilhelm Klümper das Jury-Urteil. In seiner Laudatio lobte er Luc: „Der Text sitzt. Insbesondere für mich.“ Denn Klümper lebt, wie er erzählte, unweit der Unglückstelle und sei in dieser Zeit dort häufig vorbeigefahren. Lucs Beschreibungen seien sehr zutreffend.
Die beiden Preisträger Eva Liebenau und Luc Dewulf freuen sich über jeweils ein iPad, das die Zeus-Sponsoren Evonik Industries und DEW 21, die Dortmunder Energie und Wasser Versorgung, überreicht haben.
Wilhelm Klümper hat sich warm geredet: Weiteres Lob hielt er in seiner nächsten Laudatio für den Neuntklässler Fabian Grieger aus Bochum parat. Fabian beschreibt seinem Artikel seinen Lieblingsort: einen Stehplatz im Stadion des VfL Bochum. Sein Text transportiert sehr treffend die Adrenalin geschwängerte Stimmung im Fanblock. „Fabians Worte reflektieren aber auch widersprüchliche Gefühle“, so Klümper. Würde er sich auch mitreißen lassen, wenn der Vorsänger keine Fußballgesänge, sondern beispielsweise rassistische Parolen anstimmen würde? Für seinen gelungenen Text erhält er den ZeusAward in der Kategorie „HomeSpot – hier bin ich gern“. Dank der Unterstützung durch die Deutsche Annington hebt Fabian mit Luftfotograf und Pilot Hans Blossey ab zu einem Rundflug übers Ruhrgebiet. „Der Preis ist nicht toll, der ist super“, freute sich Fabian.
Beats wummern, der Magen knurrt
Noch durfte Laudator Wilhelm Klümper die Bühne nicht verlassen, er rief die zwei Schülerinnen Nadja Jablonski und Milicia Mitrovic ins Scheinwerferlicht. Die Achtklässlerinnen aus Bottrop haben ein Zeus-Artikel über ein Tierheim geschrieben und diesen auch bebildert. Das entsprechende Foto der beiden ist so gelungen, dass die Zeus-Jury es mit dem ZeusAward „Bestes Bild“ auszeichnete. „Das Bild spricht eigentlich für sich“, sagte Klümper. Es zeigt eine Katze hinter Gittern. Das Foto führt ins Thema ein und emotionalisiert die Leser. Perfekt für ein Zeitungsbild. Als Preis werden die zwei Schülerinnen von Zeus-Partner Unicef für ein Wochenende nach Berlin eingeladen.
Etwas Zeit zum Luftholen zwischen all den Preisen hatten die Gäste des ZeusAwards, als sich das Trio „Creationz“ auf der Bühne versammelte. Die drei Tänzer konnten mit dem hohen Niveau der Gewinner im wahrsten Sinne des Wortes Schritt halten: Das Trio bewegt sich mit ihrem „Streetdance“ im Trend der Zeit. Mit fetten Beats ließen es die Tänzer krachen und bereiteten mit ihrer preisgekrönten Choreographie den Übergang für die nächsten Gewinner.
Kaum war das Rampenlicht ausgegangen, wurde es für die beiden Achtklässlerinnen Carolin Rau und Pia Friedrichs wieder angedreht. Die Zeus-Reporterinnen aus Lünen sind konsequent, in dem was sie tun. Zwei Tage haben die 14-Jährigen für ihren Zeitungsbericht gehungert – obwohl es „zuhause immer genug zu essen gab“, versicherten ihre Eltern augenzwinkernd im Gop-Theater. Aber die Mädchen wollten wissen, wie die Menschen im Nachkriegsdeutschland leben mussten. Damals gab es sehr wenig zu essen, maximal 1000 Kilokalorien am Tag. Daran haben sich die Schülerinnen 48 Stunden lang gehalten. „Wir haben das Thema im Geschichtsunterricht durchgenommen und wollten es selbst ausprobieren“, sagte Pia. Für dieses außergewöhnliche Experiment gibt es den ZeusAward in der Kategorie „Beste Zeus-Aktion“. Belohnt wird die Auszeichnung mit einer dreitägigen Reise, die vom Zeus-Partner, der Bundeswehr, organisiert wird.
Schonungslos und authentisch
Viel Organisation bedurfte auch die preisgekrönte Reportage, die in der Kategorie „Bester Beitrag einer Förderschule“ als Gewinner aus der Jurysitzung hervorgegangen war. Nachwuchsreporter Dominik Nellenschulze (14) aus Schmallenberg war fünf Wochen lang mit einem Zirkus quer durchs Sauerland gereist. Für Zeus berichtete er von der bunten Zirkuswelt, die, sofern man hinter den Kulissen blickt, auch mit viel anstrengender Arbeit verbunden ist. Seine Erlebnisse verpackte er in eine Geschichte, die von viel Freundlichkeit und stets knappem Geld erzählt. Laudator und Chefredakteur der Westfalenpost Stefan Hans Kläsener empfahl „den Text zu lesen. Er ist schonungslos und authentisch, so wie man es sich von einem Journalisten wünscht“. Dominik Nellenschulze freute sich über einen iPod Nano, den die Stadtwerke Bochum als Sponsor von Zeus übergaben.
Den Preis von Zeus-Sponsor Gazprom Germania nahm ein weiter ZeusAward-Gewinner mit einem Lächeln entgegen. Simon Galka aus dem niederrheinischen Neukirchen-Vluyn fliegt für einen Wochenendtrip mit Überraschungsprogramm in die deutsche Hauptstadt. Verdient hatte er sich den Preis mit einem Interview, dass er kurz vor dem DFB-Pokalfinale 2011 mit Dieter Steffen, dem Boss des Finalteilnehmers MSV Duisburg geführt hatte. „Er gab sich nicht mit kleinen Fischen zufrieden, er griff gleich nach oben“, wie Laudator und stellvertretender Chefredakteur Manfred Lachniet feststellte. Tatsächlich griff Simon einfach zum Telefonhörer: „Ich habe ihn angerufen und er hat das Interview zugesagt“, erzählte Simon, der als Schalkefan stilecht in einem blauweißen Hemd zur Verleihung kam.
Wettschulden eingelöst
In seinem Interview hat sich der Achtklässler informiert, engagiert und auch etwas frech gezeigt. Simon sprach aber nicht nur mit dem Vorstandsvorsitzenden, er ging am Ende des Gesprächs auch noch eine Wette mit dem Chef der „Zebras“ ein. Simon wettete auf den Sieg der Schalker über den MSV im DFB-Pokalfinale. Damit erhielt das flüssig und solide geführte Interview eine originelle Wendung als krönenden Abschluss und eine sehr persönliche Note, die den Lesern in Erinnerung geblieben sein dürfte. Bekanntlich hat Schalke das Finale mit 5:0 gewonnen. Und hat Dieter Steffen seine Wettschulden eingelöst? „Ja. Am 26. Juli bin ich zu einem Benefizspiel eingeladen. Dann spielt der MSV gegen Schalke zugunsten der Opfer der Loveparade.“

19:40
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08:39
Die Texte, soweit verlinkt einzusehen, sind teils besser als das, was hier teilweise von gestandenen Journalisten ins Internet gerotzt wird.
Schöne Geste der CR aber auch, zu solch einer Preisverleihung die Garde der Stellvertreter zu senden, damit auch die zweite Reihe mal das süsse Gefühl des Rampenlichts geniessen kann, während man selbst sich evtl. für den nächsten Auftritt bei NRW.TV rüsten muss.
18:05
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