„Bester Text“

Schüler erhält Auszeichnung für Artikel über Loveparade-Unglück

14.07.2011 | 11:30 Uhr
Schüler erhält Auszeichnung für Artikel über Loveparade-Unglück

Essen.Den ZeusAward in der Kategorie „Bester Text“ hat sich Luc Dewulf mit einem lesenwerten Artikel über die Loveparade-Katastrophe in Duisburg verdient. Er betrachtet das Unglück aus einer interessanten Perspektive.

Es ist der 24. Juli 2010. Duisburg ist in Feierlaune. Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs kreisen Trucks mit tanzenden und feiernden Menschen an Bord, Bässe wummern aus unzähligen Lautsprechern, Techno-Klänge erfüllen die Luft. Hunderttausende strömen bei strahlendem Sonnenschein auf das Partygelände. Es ist Loveparade – eine Veranstaltung die 1989 erstmals unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ in Berlin stattgefunden hat.

Spaß und gute Laune sollten auch in Duisburg im Vordergrund stehen, doch es kommt anders: 21 Menschen sterben bei einer Massenpanik. In diesen Tagen jährt sich die Katastrophe. Doch das Thema hat weder an Aktualität noch an Brisanz verloren, denn es wird nach wie vor ermittelt, wie es zu diesem Unglück kommen konnte. Und beinahe täglich veröffentlichen die Medien neue Erkenntnisse zum Ermittlungsstand.

Kein moralischer Zeigefinger

Zeus-Reporter Luc Dewulf betrachtet das Unglück aber aus einer anderen Perspektive. Wochen später, im Herbst, begibt er sich zur Unglücksstelle. Er beschreibt, welche Zeichen noch immer an die Katastrophe erinnern und wie die Passanten damit umgehen. Dabei kommt er ohne Schuldzuweisungen und ohne den moralischen Zeigefinger aus. Vielmehr legt er verschiedene Sichtweisen dar.

Die ZeusAward-Jury urteilt: Ein lesenswerter Text, der einen anderen Blickwinkel eröffnet. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass Luc Dewulf sich an ein Thema herantraut, über das bereits tausende Journalisten geschrieben haben. Und das es ihm dennoch gelungen ist, sich mit seiner Art der Berichterstattung von den professionellen Beiträgen abzuheben.

In der Wettbewerbskategorie „Bester Text“ werden Zeus-Reporter ausgezeichnet, die ihr journalistisches Geschick als gute Rechercheure und brillante Schreiber unter Beweis stellen. Gesucht wird das informativste oder spritzigste Interview, der bissigste Kommentar oder die sprachlich schönste Reportage. Wichtig ist, dass der Beitrag den Leser fesselt.

Der Gewinner-Artikel ist am 22. November 2010 auf der Zeus-Seite in der Ausgabe der WAZ Hattingen erschienen:

Unglück von Duisburg ist noch lange nicht verarbeitet

Im Todestunnel der Loveparade sind die Folgen noch sichtbar

Duisburg. Es ist ein heißer Sommertag, an dem hunderttausende Menschen in Duisburg zusammen gekommen sind, um die Loveparade zu feiern. Noch bevor es Abend wird kämpfen Jugendliche am Tunneleingang zur Loveparade um ihr Leben. 21 Leben erlischen.

Viele Wochen später ist es Herbst und es regnet. Wenige Passanten laufen durch den Tunnel und sie sehen, dass die roten Kerzen, die an die Toten erinnern, immer noch brennen. „Ich bin froh, dass es weniger geworden sind“, gibt eine Passantin zu. Ihr täglicher Weg zur Arbeit führt hier lang.

„Hier sind wir gestorben und hier soll an uns gedacht werden.“ Überlebende haben das auf ein Plakat geschrieben. Sie hoffen, dass aus den Fehlern gelernt wird und dass in Zukunft nicht um jeden Preis solche Ereignisse veranstaltet werden.

Die Wut der Überlebenden spürt man, wenn man sieht, wie sie vor Ort auf ein Grönemeyer Werbeplakat geschrieben haben: „Hier sind Menschen gestorben, und dann sollen wir auch noch auf ein Konzert gehen?“ Angehörige, die oft zum Trauern kommen, geben dem Oberbürgermeister Sauerland, manchmal „Trauerland“ genannt, die Schuld. Auf der Tunnelwand steht geschrieben: „Stellen Sie sich ihrer Verantwortung Herr OB.“

Andere machen für das Unglück die Polizei oder den Veranstalter Rainer Schaller und sein Team verantwortlich. Eine Fußgängerin sagt: „Der Wille der Jugend, etwas Gutes zu tun, war zu groß und es war keiner wirklich mutig genug, Nein zu sagen.“

Luc Dewulf, Klasse 8b, Realschule Grünstraße Hattingen

Maximilian Böttner

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