Schüler als Lobbyisten im Landtag
16.02.2011 | 16:28 Uhr 2011-02-16T16:28:00+0100
Düsseldorf.Drei Tage auf Tour: Die ZeusAward-Gewinner von der Heinrich-Lübke Schule aus Brilon mussten nicht zum Appell im Morgengrauen antreten – obwohl sie zwei Nächte in einer Kaserne übernachteten. Stattdessen erhielten sie mit dem Zeus-Sponsor Bundeswehr tiefe Einblicke.
„Sie sind jetzt Lobbyisten.“ Damit forderte der Landtagsabgeordnete Peter Preuß die Zehntklässler der Briloner Heinrich-Lübke Schule auf, mit ihm zu diskutieren. Denn nur wenn man miteinander kommuniziere, funktioniere in der Politik die Meinungsbildung richtig. Für die Schüler und einstigen Zeus-Reporter ist das nicht neu. Während des Zeus-Projekts haben sie sich bereits schon einmal intensiv mit Politikern ausgetauscht. Und zwar indem sie via Internet mit Abgeordneten über Berufschancen und Jugendgewalt gechattet haben. Die Ergebnisse und Erlebnisse fassten sie in einem Artikel zusammen. Dafür erhielten die jungen Reporter einen ZeusAward. Zur Belohnung schickte die Bundeswehr als Preisgeber die Jugendlichen auf eine dreitägige Reise.
Rausschmiss aus dem Parlament
Erste Station machten die Gewinner im Düsseldorfer Landtag und beim Abgeordneten Peter Preuß. Im ältesten Sitzungssaal mit Blick auf den Rhein erhielten die Briloner Schüler in den Politikeralltag. Sie erfuhren etwa, dass der Wahlkampf eines Kandidaten rund 20.000 Euro kosten kann. In Zeiten knapper Parteikassen muss diese Summe nicht selten vom Wahlkämpfer selbst getragen werden. Das könne einen ja ruinieren, wenn man nicht ins Parlament gewählt wird, stellten die Schüler dann fest.
Ob man auch „rausgeschmissen werden kann, wenn man mal richtig Mist gebaut hat“, wollte dann noch ein Schüler wissen. Die Antwort erstaunte die Jugendlichen nicht schlecht. Denn rechtlich könne in der laufenden Legislaturperiode kein Abgeordneter gezwungen werden, sein Mandat niederzulegen, so Preuß. Allerdings sei es für Politiker in der Folge schwer, dem medialen und öffentlichen Druck lange standzuhalten.
Ganze Dörfer platt gemacht
Nicht standgehalten haben viele Häuser und ganze Dörfer rund um den Braunkohletagebau Garzweiler. Auf ihrer nächsten Reisestation erlebten die Schüler nach einer Übernachtung in einer Bundeswehrkaserne bei Aachen, welche Dimension der Kohleabbau im rheinischen Braunkohlerevier angenommen hat. Tiefe Einblicke: Bis zu 180 tief ist das Loch, in dem riesige Schaufelradbagger zum Einsatz kommen. Das gesamte Tagebau-Gebiet ist mit rund 112 Quadratkilometern etwa halb so groß wie die Stadt Brilon. Beeindruckend für die Schüler war, wie eigens für die Ressource Kohle ganze Dörfer abgerissen und an anderer Stelle neu aufgebaut wurden.

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