ZeusAward

Klassenfahrt zum Militärflughafen

12.03.2010 | 17:25 Uhr
Klassenfahrt zum Militärflughafen

Geilenkirchen. Ihr Artikel über Teenagerschwangerschaften war so gut, dass Nadine, Karina und Sophie aus Essen im vergangenen Jahr einen der begehrten "Zeus-Awards" ergatterten. Mit ihrer Klasse besuchten die drei jetzt den Nato-Stützpunkt in Geilenkirchen.

Am Anfang steht eine Quizfrage: Was ha­ben Teenagerschwangerschaften und die Nato gemein? Richtig: nichts. Und doch hat ei­ne Teenagerschwangerschaft jetzt knapp 30 Jugendliche aus Essen in einen Aufklärungsflieger der Nato ge­bracht. Gut ein Jahr ist es her, dass Nadine Kadura, Karina Sauer und Sophie Blöcker aus Essen den Selbstversuch machten und mit ausgestopftem T-Shirt durch die Innenstadt liefen. Sie testeten die Re­aktionen, schrieben da­rüber einen „Zeus“-Artikel, dieser wurde in der NRZ ge­druckt – und zwei Mo­nate später mit einem „Zeus-Award” für die „Beste Aktion” ausgezeichnet. Profitiert hat die ganze Klasse: Die Bundeswehr spendierte eine dreitägige Reise.

Drei Tage lang ist eine Kaserne in Eschweiler das Quartier der 9d vom Gymnasium Essen Nord-Ost. Einen Besuch in der „Fachschule des Heeres für Technik“ haben sie bereits hinter sich. „Wir durften in Panzer klettern und Waffen angucken“, erzählen Nadine und Sophie, „das war echt cool.“ Und nun fahren sie also  aufs Gelände der Nato Airbase in Geilenkirchen – 27 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren, drei Viertel davon Mädchen. Plattes Land liegt rund um den Awacs-Stützpunkt,  und hinter der strengen Einlasskontrolle so et­was wie eine kleine Stadt. Der Bus mit dem Y-Kennzeichen fährt vorbei an der Kapelle, einem Supermarkt, Sportplätzen, Kindergarten und Grundschule; ein leises Raunen geht da bereits durch die Sitzreihen. „Dass das so groß ist“, sagt Nadine (15), „hätte ich nicht gedacht.“

Kalten Krieg gibt's nur im Geschichtsunterricht

Erstes Ziel ist der „Sentry-Club“, eine Art Treffpunkt und Kantine für die Mitarbeiter der Airbase. Vor dem Besuch des Awacs-Flugzeugs mit seinem kreisrunden Radar-Aufbau steht die Pflicht: Pe­ter Verlande hält  einen Vortrag über die Geschichte des multinationalen „E-3A“-Verbandes. Vorab entschuldigt er sich, dass ihm womöglich der ein oder andere Begriff nicht direkt auf Deutsch einfällt. „Macht nix“, sagt ein Mädchen, „wir hätten gerade eh Englisch.“

Sprache hin oder her, was der Hauptmann der Luftwaffe da referiert, ist nicht nur für die Jugendlichen ziemlich abstrakt. Der Kalte Krieg sagt ihnen immerhin noch was, „aus dem Geschichtsunterricht!“, wie der 15-jährige Nico berichtet. Verlande aber er­zählt dann auch noch von vorgeschobenen Einsatzflugplätzen, Luftgestützter Überwachung,  von Vier-Sterne-Generälen und offensiver Luftkriegsführung („Machen wir zum Glück sehr selten, können wir aber.“). Alle hören brav zu, schauen aber hinterher etwas ratlos. Und manch ei­ne Schülerin sorgt sich, sie könnte während des Awacs-Imagefilms einschlafen. „Ich find’s echt interessant“, beteuert Rawan (15), „aber ich bin so müde und das ist so viel auf einmal...“ Einig sind sich die Schüler trotzdem: „Besser als Unterricht!“

"Nicht am Hebel ziehen!"

Dann geht’s zur Start- und Landebahn, erst raus in die Kälte, dann rein in die um­funktionierte Boeing 707. Vom Ferienflieger ist bis auf die Hülle nicht mehr viel übrig. Technik allüberall, zig Computer sind eingebaut, rund um die Bildschirme unzählige Knöpfe. „Ihr dürft euch ruhig festhalten“, mahnt Stabsfeldwebel André Bo­schen, bevor’s ins Cockpit geht, „aber zieht um Himmels Willen nicht am großen Hebel! Das ist das Fahrwerk...“

Die Berufssoldaten erzählen den Jugendlichen aus ihrem Alltag. Davon, wie sie acht Stunden am Stück vor den Radarmonitoren sitzen und von dort aus den Luftraum überwachen, zum Beispiel während der Nobelpreisverleihung. 300 Stunden fliegt hier jeder im Schnitt jedes Jahr, so ein Awacs-Soldat kommt rum in der Welt. „Cool“, sagen die Schüler hinterher. Rawan versucht sich sogar am Salutieren, als sie die Flugzeugtreppe hinuntergeht – mit Links, da­bei summt sie Wagners Hochzeitsmarsch und grinst. Soldatin werden, das könne sie sich nicht vorstellen, sagt sie. „Irgendwie geht’s doch immer wieder darum, andere zu töten. Das will ich nicht...“

Sarah Hubrich

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