Fußballstadion als Ort für gespaltene Gefühle
14.07.2011 | 14:01 Uhr 2011-07-14T14:01:00+0200
Essen.Es gibt Orte, die werden für manche zu Lieblingsplätzen. Fabian Grieger hat seinen so treffend wie intensiv beschrieben, dass er dafür mit dem ZeusAward „HomeSpot - hier bin ich gern“ ausgezeichnet wird.
Beim Vfl-Bochum fühlt Fabian Grieger sich zu Hause. An jedem Spieltag zieht es ihn magisch in die Ostkurve des „Rewirpower-Stadions“, um von dort aus die Bochumer Spieler anzufeuern. Hier ist sein Lieblingsplatz – das ist sicher! Doch plötzlich fragt er sich, was diesen Ort eigentlich ausmacht. Er geht die äußeren Merkmale durch: die verbrauchte Luft und der Geruch – ein Gemisch aus Zigaretten, Alkohol und Schweiß – sind eigentlich nicht angenehm. Doch die Vorfreude, die Anspannung, der Blick aufs Spielfeld, die Menschen, die Gemeinschaft – all das verursacht bei ihm „jene Wärme im Bauch“, die ihm ein Gefühl von Heimat gibt.
Ungeheuer scharfsinnig beschreibt Fabian Grieger den Sog, den die Fangesänge, das Hüpfen und das gemeinsame Feindbild – der gegnerische Verein – auslösen. Doch dabei beschleicht ihn auch ein ungutes Gefühl. Würde er sich auch mitreißen lassen, wenn der Vorsänger keine Fußballgesänge, sondern beispielsweise rassistische Parolen anstimmen würde? Würden die anderen Fans sich von der Gemeinschaft in den Bann ziehen lassen? Vielleicht. Abscheu und Gewissensbisse machen sich bei Fabian breit. Er fühlt sich hin- und hergerissen.
An diesem Tag verlässt er seinen Lieblingsort mit gemischten Gefühlen, aber er weiß: „In zwei Wochen werde ich wiederkommen. Ich werde meinen Lieblingsplatz finden, so wie immer, und werde mitsingen und mithüpfen, ich kann nicht anders“.
Die ZeusAward-Jury urteilt: Fabian Grieger gelingt es, die Leser an seinen persönlichen Lieblingsplatz mitzunehmen. Er lässt sie an der Stadionatmosphäre teilhaben und teilt mit ihnen seine widersprüchlichen Empfindungen. Sein atmosphärischer Schreibstil und der reflektierte Inhalt seines Beitrags lassen nur einen Schluss zu: dieser Text ist einen ZeusAward wert.
Der Strandkorb auf Norderney, die Hängematte in Opas Garten – Lieblingsplätze gibt es viele. Mit dem Wettbewerb „HomeSpot – Hier bin ich gern!“ haben wir gemeinsam mit der Deutschen Annington die Jugendlichen aufgefordert, ihre Lieblingsplätze zu beschreiben. Gesucht werden in dieser Kategorie Beiträge, die den HomeSpot treffend beschreiben und dabei kreativ und originell sind. Dementsprechend konnten neben Texten auch Fotos, Collagen, Zeichnungen, Karikaturen etc. eingereicht werden.
Der Artikel „Gemeinschaft für 90 Minuten “ ist am 22. November 2010 auf der Zeus-Seite in der Ausgabe der WAZ Bochum/Wattenscheid erschienen.

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