Der schönste Ort
28.07.2010 | 15:39 Uhr 2010-07-28T15:39:00+0200
Essen.Für Anna Bochmann ist Weihnachten eine tolle Jahreszeit. Und ins Schwärmen gerät sie, wenn sie bei Schnee, Eis und Glockengeläut im Erzgebirge ist. Ihren dortigen kalten Lieblingsort hat sie so beschrieben, dass es einem warm ums Herz werden muss. Dafür bekommt die Schülerin den ZeusAward „HomeSpot – hier bin ich gern!“
Aus dem Jury-Urteil:
„Dick eingepackt – in Mantel und Schal. Mit Mütze auf dem Kopf und mit Omas Wollsocken und in gefütterten Stiefeln an den Füßen. Wer so von seinem Lieblingsplatz schwärmt, der muss bei den Temperaturen von derzeit über 30 Grad ein verdammt cooler Typ sein und die Fußballfernsehcouch in der Eiskammer aufgestellt haben. Anna Bochmann vom Berufskolleg Bleibergquelle in Velbert zieht sich gerne warm an, aber nicht für die Eiskammer und wohl auch nur in der kalten Jahreszeit. Nämlich dann, wenn sie Weihnachten im Erzgebirge in ihrem Lieblingsort verbringt. Schneeberg heißt der und verbreitet, in die weiße Pracht gehüllt, pure Romantik und Nostalgie. Anna Bochmann beschreibt ihren Lieblingsplatz in ihrem Text mit einfachen Worten, aber treffend und voller Inbrunst: „Hinter mir ist der weiß verschneite Tannenwald umgeben mit glitzernden Schneekristallen, über mir ein tiefschwarzer, funkelnder Sternenhimmel und vor mir die Stadt mit ihren vielen kleinen Lichtern, die aus allen Fenstern und Gärten mich anstrahlen. Zu diesem Zeitpunkt strömt der ganze Ort eine Friedlichkeit und Harmonie aus, wie man sie in so einer hektischen Zeit selten vorfindet und die so richtig wohltuend ist. Ein kleiner Ort im Erzgebirge, es ist mein Schneeberg, mein schönster Ort, zur dunkelsten Jahreszeit.“ Von solchen Worten lässt sich bestimmt nicht nur jeder Tourismusmanager erwärmen, sondern auch der coolste Typ. Bei der Zeus-Jury jedenfalls war es so.“
Der Beitrag:
Mein schönster Ort ist kein Rezept (WAZ Velbert, 09. Oktober 2009)
Anna Bochmann begab sich auf der Suche nach ihrem Lieblingsort in den deutschen Osten.
Man nehme …
... die dunkelste Jahreszeit, die verstaubten Kartons mit all’ den geschnitzten Weihnachtsfiguren, den handgearbeiteten Räuchermännchen, den ungeordneten, langen verknoteten Lichterketten, den mundgeblasenen Weihnachtskugeln und die mit Laubsägen hergestellten Schwibbbögen.
… die mit Ausdauer abendlich geklöppelten Deckchen, etwas Tradition, einige Schachteln Kerzen, eine Priese Vorfreude, ein bis zwei Ladungen verführerisch duftendender selbstgebackener Plätzchen und die von Oma mit Liebe geformten Stollen. Dazu einige Tassen Glühwein.
Jetzt alles gut in einem kleinen Ort mit viel Leidenschaft verteilen und bloß keine Fenster sowie sonstige Ecken vergessen zu füllen. Das Hutz’n gieh, die Hausmusik und das Lichtelfest verleihen dem Ganzen eine besondere Note. Empfehlenswert ist ein Sack voll Ideen, die unseren Lieben am 24. Dezember Freude bereiten sollen.
Alles gut zudecken und einige Tage stehen lassen. Bevor alle vor Ungeduld platzen, darf am Samstag vor dem ersten Advent, um Punkt 18 Uhr, das schon langersehnte und mit Vorfreude bestückte Ereignis gesehen werden.
Die ganze Lichterpracht wird mit einem halbstündigen Glockenläuten in Verbindung mit Turmblasen vom Bergmannsdom umrahmt, so dass einem ein wohliger Schauer über den Rücken läuft. Wenn dann zum Schluss noch alles mit einer glitzernden Schneeschicht überzogen wird, ist das Ergebnis perfekt.
Dies ist vielleicht eine etwas ungewohnte Art, seinen Lieblingsplatz vorzustellen. Doch dieses Szenario kommt alle Jahre wieder. Ich liebe diese Zeit in diesem Ort. Es ist etwas Besonderes, dick eingepackt mit Mantel, Schal, Handschuhen und in den Schuhen die gestrickten Socken von Oma, die verschneiten Straßen entlangzulaufen und meinen Blick in die Fenster schweifen zu lassen. Jedes trägt eine andere Weihnachtsdekoration, einen anderen Schwibbbogen, zur Schau.
Abends ist es besonders schön denn dann brennen alle Lichter. Das warme Licht verleiht allem eine märchenhafte Gestalt. Es ist ganz still. Der Schnee verschluckt alle Geräusche. Ich kann hören, wie der Schnee unter den Füßen knirscht. Schneeflocken fallen auf mich und meine vor Kälte gerötete Nasenspitze. Ich kann die Flocken beobachten. Jede ist einzigartig. Ich gehe weiter, bis ich am Waldrand bin und einen guten Blick auf meinen verzauberten Ort habe. Dort bietet sich mir ein romantisches Bild mit einem Hauch von Nostalgie.
Hinter mir ist der weiß verschneite Tannenwald umgeben mit glitzernden Schneekristallen, über mir ein tiefschwarzer, funkelnder Sternenhimmel und vor mir die Stadt mit ihren vielen kleinen Lichtern die aus allen Fenstern und Gärten mich anstrahlen.
Zu diesem Zeitpunkt strömt der ganze Ort eine Friedlichkeit und Harmonie aus, wie man sie in so einer hektischen Zeit selten vorfindet und die so richtig wohltuend ist. Ich genieße diesen Augenblick, die Ruhe, die friedliche Stille. Stundenlang könnte ich einfach nur dastehen und alles betrachten. Es ist etwas Besonderes. Ein kleiner Ort im Erzgebirge, es ist mein Schneeberg, mein schönster Ort, zur dunkelsten Jahreszeit.
Anna Bochmann, Klasse 12a, Berufskolleg Bleibergquelle Velbert

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