Schule

Haben Förderschulen in Deutschland eine Zukunft?

20.12.2011 | 15:22 Uhr
Haben Förderschulen in Deutschland eine Zukunft?
An der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule gibt es eine Theater-AG. Foto: Dietmar Wäsche

Dortmund.   Seit vielen Jahren gibt es in Deutschland den gemeinsamen Unterricht, in dem zwei bis drei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Regelschulklasse integrativ unterrichtet werden. Drei Zeus-Reporterinnen verbrachten ein Tag an einer Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung.

Mit der Inklusion folgt jetzt der nächste Schritt, eine „Schule für Alle“. Auch Menschen mit Behinderungen sollen zunehmend in die Regelschulen und somit in die Gesellschaft integriert werden. Viele Sonderpädagogen hingegen befürchten, dass eine übereilige Inklusion zu Lasten der besonderen Lernbedürfnisse der behinderten Schüler gehen könnte.

Auf der Grundlage der in Deutschland in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention besteht ein Rechtsanspruch darauf, dass ein behindertes Kind grundsätzlich eine Regelschule besuchen kann, wenn die Eltern dies wollen. Deutschland hat sich für die Inklusion entschieden, doch die Umstände, wie dies gelingen kann, bleiben vielfach noch im Unklaren.

Individuelle Förderung

Wir, drei Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums in Dortmund, wollten uns selber eine Meinung bilden und haben einen halben Schultag an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Bergkamen, einer Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung, verbracht.

Es wurde deutlich, dass die Kinder ihre Schule lieben und gerne dort hinkommen. Eine Klasse, die aus höchstens 13 Schülern besteht, wird in der Regel von zwei Sonderschullehrern unterrichtet. Die Schüler bekommen eine sehr individuelle Förderung, da in einer Klasse Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen und Lernniveaus sind.

Neben der Unterrichtsvorbereitung fertigen die Sonderschullehrer viele Unterrichtsmaterialien für die Schüler selbst an. Die Unterrichtsinhalte müssen den Kindern möglichst klar, einfach und durch praktisches Tun nahe gebracht und häufig wiederholt werden.

Räumliche Nähe

Ursula Landskron, die Schulleiterin der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, sieht die Inklusion als eine riesige Aufgabe an, deren Bewältigung sehr viel Zeit braucht, damit Menschen mit Behinderungen wirklich gleichberechtigt an Schule und gesellschaftlichem Leben teilnehmen können.

Eher pessimistisch beurteilt Landskron die Chancen auf gelungene Inklusion bei Menschen mit geistigen Behinderungen, mit Verhaltensauffälligkeiten und schwersten Behinderungen. Nach ihrer Meinung müsse sich der Unterricht an der Regelschule weitgreifend verändern, damit wirklich eine „Schule für Alle“ entstehen kann. Derzeit würden sich die meisten Eltern geistig behinderter Kinder noch für die Beschulung an einer Förderschule entscheiden.

Nach den Erfahrungen und Gesprächen dieses Tages denken wir, dass jedes Kind den Unterricht bekommen sollte, den es braucht. Ganz gleich, welche Schule es besucht.

Vielleicht wäre ein erster Schritt, dass die Förderschulen und Regelschulen zunächst räumlich näher zusammenrücken, so dass mehr Begegnung von behinderten und nicht behinderten Schülern möglich ist.

Greta Heidemeyer, Sonia Zande und Anja Skupien, Goethe-Gymnasium, Klasse 8e, Dortmund

Zeus-Reporterinnen

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