Interview

Die Freude, mit Kunst die Menschen zu berühren

01.12.2011 | 11:28 Uhr
Die Freude, mit Kunst die Menschen zu berühren

Dortmund.   Als die Schülerinnen der Droste-Hülshoff-Realschule die Ausstellung zum DEW21 Kunstpreis besuchten, hatten sie mit der Künstlerin Adriane Wachholz eine echte Expertin an ihrer Seite. Im Interview erzählt sie, wie so ein Klünstlerleben eigentlich aussieht.

Als die Schülerinnen der Droste-Hülshoff-Realschule zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kunstausstellung, nämlich die zum DEW21 Kunstpreis 2011, erforschten, hatten sie Adriane Wachholz, eine absolute Expertin, an ihrer Seite. Die junge Frau ist nicht nur Künstlerin, sondern zudem die Kunstpreis-Gewinnerin aus 2009. Im Interview erzählt sie, wie der Arbeitstag einer Künstlerin so aussieht und was sie mit ihrer Kunst bewirken möchte.

Welche Schulen haben Sie im Laufe ihres Lebens besucht?

Adriane Wachholz: Erst war ich auf der Albert-Schweizer-Realschule in Nette, danach wechselte ich auf das Reinoldus- und Schiller-Gymnasium und habe dort mein Abitur gemacht, gefolgt von einem freiwilligen sozialen Jahr. Mein Studium begann ich an der Kunstakademie Münster.

Wie hat sich ihr Talent bemerkbar gemacht?

In der Schule wurde mein Talent von meinen Lehrern entdeckt, die dann meine Eltern darauf aufmerksam gemacht haben. Daraufhin förderten mich meine Eltern durch den Besuch einer Malschule.

Haben Sie bestimmte Vorbilder oder gibt es Künstler, die Sie inspirieren?

Ich habe keine bestimmten Vorbilder, es sind eher Einzelwerke von Künstlern, die mich begeistern. Ich lasse mich aber auch, ganz klassisch, von der Natur inspirieren. Des Weiteren begeistern mich kleine, unscheinbare Dinge oder Momente, die dann zunächst einmal gesammelt werden. Dann sieht man, was die Zeit so bringt und wie sich das Verhältnis dazu entwickelt.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?

Es freut mich, wenn ich mit meiner Kunst andere Menschen berühre. Ich zeige alltägliche Dinge, die durch meine Kunst ganz anders wahrgenommen werden, als sie eigentlich sind, oder durch das Kunstwerk erst sichtbar werden.

Können Sie sich durch Ihre Kunst finanzieren?

Bisher hatte ich viel Glück. Ich musste seit meinem Studienabschluss nicht für meinen Lebensunterhalt sorgen, bekam stets Stipendien wie auch Preise. Nächstes Jahr im Winter habe ich eine große Ausstellung in Los Angeles. Im Sommer startet eine Einzelausstellung im Foyer der Kunsthalle Bielefeld.

Wie sieht Ihr alltägliches Leben aus?

Ein toller Aspekt des Künstlerseins ist, dass jeder Tag anders aussieht. Ich habe einiges Organisatorisches zu erledigen, beispielsweise Aktualisierung der Homepage, Bildbearbeitungen und Bewerbungen. Diese Arbeit lege ich mir zusammen, um genug Zeit für die wesentliche Arbeit im Atelier zu haben. Meistens arbeite ich früh morgens, da kann ich mich besser konzentrieren. Ich überlege aus dem Moment heraus, was ich machen möchte oder auch, woran ich weiterarbeiten kann.

Haben Sie auch manchmal blockierende Phasen?

Klar, solche Zeiten gibt es auch, doch diese muss man durchstehen. Am besten akzeptiert man dies einfach und geht hinaus in andere Denkwelten, schaut sich Ausstellungen an und geht auf Reisen. Da kommt man schnell wieder zu sich und seiner eigenen Arbeit.

Gibt es ein Werk, auf das Sie besonders stolz sind?

2007 habe ich die temporäre, ortsbezogene Arbeit „Zu Hause im Grünen“ im Wewerka Pavillon in Münster gemacht. Dies ist ein nicht begehbarer, gläserner Pavillon mitten im Park auf den Aaseewiesen, den ich praktisch in ein Einfamilienhaus verwandelt habe. Vor die Fensterscheiben wurden bezeichnete, 4,50 Meter hohe Papierbahnen befestigt. Insgesamt waren es 400 Quadratmeter Zeichnung. Es war bisher meine größte Arbeit und es war damals eine gute, intensive Zeit. Ich habe da auch feststellen können, dass mir große Arbeiten leicht von der Hand gehen. Für diese Arbeit habe ich dann ein Jahr später den „Nam June Paik Förderpreis“ zugesprochen bekommen.

Im kommenden Jahr werde ich wieder eine größere Arbeit realisieren – diesmal aber dauerhaft. Im Rahmen eines Kunst am Bau-Projektes in Österreich werde ich die Außenfassade eines Pflegeheimes gestalten. Da freue ich mich schon sehr drauf!

Preise, Stipendien und Aufenthalte von Adriane Wachholz

2002: Reisestipendium der Kunstakademie Münster

2004: DAAD Freemover Stipendium

2007: Ida Gerhardi Förderpreis

2008: Bellevue-Saal Stipendium

Nam June Paik Förderpreis

2009: Nes Artist Residenz, Island und DEW21 Kunstpreis

2010: Saari Residenz, Kone Stiftung, Finnland

Wilhelm Morgner Stipendium

Mehr Infos über die Künstlerin gibt es unter www.adrianewachholz.de.

Kira Koch und Monique Bett, Klasse 10c, Droste-Hülshoff-Gymnasium, Dortmund

Zeus-Reporter

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