Polizei

Mord und Totschlag an der Wupper

15.12.2011 | 14:09 Uhr
Mord und Totschlag an der Wupper
Die echte Arbeit einer Mordkommission unterscheidet sich von den Ermittlungen der Tatort-Kommissare. Montage: Felix Heyder

Wuppertal.   Zeus-Reporterin Wiebke Maurer war zu Besuch bei der Mordkommission in Wuppertal. Wie sich der Alltag eines echten Polizisten von den Ermittlungen der Fernseh-Kommissare unterscheidet, hat ihr Kriminalhauptkommissar Martin Kieczka verraten.

Hört man das Wort „Mordkommission“, denkt man zuerst an die Ermittlungen aus den bekannten Tatort-Folgen. Martin Kieczka, Erster Kriminalhauptkommissar bei der Mordkommission des Polizeipräsidiums Wuppertal, erklärt aber, dass das Kommissariat nicht nur für Morde zuständig ist, sondern noch für viele weitere Deliktfelder.

Der Bereich des Polizeipräsidiums umfasst die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid. In diesem Bezirk werden aber nicht so viele Morde begangen, so dass Kieczka und sein 13-köpfiges Team auch für Todesermittlungsverfahren und Brandermittlungen zuständig sind.

Bricht ein Feuer aus, wird die Feuerwehr alarmiert, die den Brand löscht. Anschließend wird die Polizei verständigt, um die Brandursache zu ermitteln. Einen solchen Einsatz plant Kieczka genau: Er teil seine Kollegen für die Tatortarbeit, Spurensuche und Vernehmungen ein.

Puzzleteile mühsam zusammenfügen

Am Brandort fangen die Ermittlungen an: Wo und wann hat es angefangen zu brennen? Was war die Ursache? Das müssen die Polizisten nach und nach herausfinden und mühsam die einzelnen Puzzleteile zusammenfügen. Das kann auch einige Monate dauern, aber meistens kann bei einer Brandstiftung der Täter früher oder später ermittelt werden.

Die Folgen für den Täter, also die Strafe, bestimmt allerdings nicht die Polizei, sondern das Gericht. Mit der Übergabe des Falles an die Staatsanwaltschaft, die den Täter anklagt, ist der Fall für die Polizei abgeschlossen.

Den Hauptteil von Kieczkas Arbeit machen die Todesermittlungsverfahren aus. In einem Jahr sind es ungefähr 1000. Stirbt ein Mensch, muss ein Arzt gerufen werden, der den Tod amtlich bescheinigt. Im Regelfall ist dies der Hausarzt, der den Patienten kannte und einen natürlichen Tod bescheinigen kann. Ist der Hausarzt nicht erreichbar, wird ein Notarzt gerufen. Da dieser die Vorerkrankungen des Verstorbenen aber meist nicht kennt, kreuzt er auf dem Totenschein eine ungeklärte Todesursache an.

Jetzt wird die Polizei hinzugerufen, um die Todesermittlungen zu übernehmen. Kommt die Polizei zu dem Ergebnis, dass ein natürlicher Tod vorliegt, kann der Verstorbene beerdigt werden. Bestehen allerdings Zweifel, ob ein natürlicher oder unnatürlicher Tod vorliegt, beantragt die Polizei über die Staatsanwaltschaft eine Obduktion.

Den Gerichtsmediziner gibt es auch im Tatort

Ein unnatürlicher Tod liegt vor, wenn der Mensch nicht einfach nur gestorben ist, sondern jemand nachgeholfen hat. Von einem Gerichtsmediziner wird dann eine Leichenöffnung vorgenommen, um die Todesursache festzustellen. Stellt der Gerichtsmediziner einen unnatürlichen Tod fest, wird eine Mordkommission eingesetzt, um die genauen Todesumstände zu klären. Diese wird auch eingesetzt, wenn bereits am Tatort festgestellt werden kann, dass jemand umgebracht worden ist.

Jedes Jahr werden im Bereich des Polizeipräsidiums circa zehn Menschen ermordet. Etwa zwanzig weitere Taten bleiben im Versuchsstadium. Das heißt, dass die Tötung nur versucht worden ist. Dazu gehören zum Beispiel Messerstiche neben das Herz, die das Opfer schwer verletzt überlebt.

Ein Mord ist nach Angaben Kieczkas oft leichter aufzuklären als eine Brandstiftung, da Mörder vielfach einen Bezug zum Opfer haben. Oft wird nämlich aus Rache, Hass, Neid oder familiären Gründen ein Mord begangen. Ein Gerichtsmediziner liefert weitere Informationen, die das Enttarnen des Mörders erleichtern. Doch die Ermittlungen dauern trotz so vieler Beteiligter teilweise Wochen, wenn nicht sogar Monate, denn alle Puzzleteile müssen zusammengefügt werden. Die Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag beträgt dafür fast hundert Prozent.

Angst vor den Tätern hat Kieczka nicht. Seinen Erfahrungen nach sind die Täter auf den ermittelnden Kommissar nicht wütend. Es sei eine einmalige Situation, in der der Täter einen solchen Hass auf jemanden hat, dass er die Person ermordet. Deshalb kann man nachvollziehen, dass Kieczka die Arbeit eines Dachdeckers für gefährlicher hält, als seine eigene. Eine wichtige Voraussetzung für den Polizeiberuf sei aber eine professionelle Distanz des Polizisten zu seinen Fällen. Denn die Mordfälle, die oft sehr grausam sind, sollten einem nicht zu nahe gehen.

Großes Team statt Ermittlerduo

Die Ermittlungen mit zwei Kommissaren, wie man sie aus dem Fernsehen gewohnt ist, machen, wenn man die komplette Arbeit einer Mordkommission sieht, überhaupt keinen Sinn. Zu zweit könnte man solche komplizierten Ermittlungen nicht abschließen. Dafür braucht man ein großes Team, in dem die Aufgaben verteilt werden. So kann man mit den Ermittlungen schneller voranschreiten und Fakten werden nicht doppelt bearbeitet. Die Zeitersparnis ist besonders wichtig, da Täter zum Beispiel schnell fliehen oder versuchen können, Spuren zu verwischen oder zu vernichten.

Wiebke Maurer, Klasse 8b, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Wetter

Zeus-Reporterin

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