Ein geheimnisvoller Ort
04.11.2010 | 11:11 Uhr 2010-11-04T11:11:00+0100
Herdecke.Um an seinen geheimnisvollen Lieblingsort zu kommen, schält sich Zeus-Reporter David Hesse schon früh morgens aus dem Bett. Sonst besucht er diesen Ort am liebsten alleine, heute nimmt er uns mit.
Die Chance einen geheimnisvollen Ort zu betreten bekommt man, wenn man sich nicht zu schade ist, den Wecker für frühe Morgenstunden zu stellen. Man erwacht, streift sich einen Pullover über, um sich vor der Morgenfrische zu schützen, schleicht sich wie ein Verräter, ein Dieb aus dem Haus mit dem Gedanken: „Sei still, sei schnell, sonst hört und sieht dich jemand!“.
Denn man will allein sein, will das Geheimnis vor neugierigen Augen verbergen, die Magie für sich behalten. Rasch auf das Fahrrad geschwungen, das im Garten an einem Busch lehnt, gleitet man im Schatten der Häuser die Straße entlang, die vom orangenen Schein der Laternen beleuchtet ist. Bald rechts, bald wieder links. Nach kurzer Fahrt erreicht man die Brombeerbüsche, die in die Höhe ragen, mit Stacheln, die verletzen. Sie versuchen das Geheimnis zu bewahren, es zu beschützen.
Man schlittert einen kleinen Abhang hinunter
Doch schon dahinter ertönt gleichmäßig, bekannt wie ein alter Freund, das Rauschen des Flusses, das Rauschen der Ruhr. Sie haben versagt, sie konnten einen nicht täuschen, denn man kennt den Weg um sie herum, der zu dem Stacheldrahtzaun führt. Angler haben hier hinein ein Loch geschnitten, sodass man hindurch schlüpfen kann. Man tut es, schlittert einen kleinen Abhang hinunter, muss Acht geben, nicht zu fallen, gelangt auf einen Pfad zu dem parallel das Gewässer verläuft, davor Bäume.
Er wird beschwerlich zu bestreiten sein, denn er ist links und rechts mit hohen Herkulesstauden und Brennnesseln gesäumt. Und er ist schmal, ausreichend für eine Person. Doch man lässt sich nicht aufhalten, man weiß, wie man es zu machen hat. Mit einem Stock, von der Erde aufgehoben, schlägt man das Unkraut bei Seite und wagt sich weiter vor in die Morgenfrische, die Stille. Der Weg wird breiter, ein Vogel singt.
Dort: Eine alte, verrostete Eisenbrücke, drei Meter hoch, vorne, kurz vor dem Ufer, abgebrochen, erzählt sie ihre Geschichte. Überwuchert von Bäumen und Dornen. Man schreitet unter ihr her, geht weiter, bergauf, bergab, rechts daneben Wasser. Bald kommt man zum kleinen, mit Gras bewachsenen Platz der Angler auf Wasserhöhe, doch man will weiter.
Den eigentlichen Weg beschreiten, der für keinen Erwachsenen zugänglich ist, denn zwei alte, dicke Bäume fielen über ihm aufeinander, schweben nun in der Luft. Nur so weit, dass man als Kind tief gebückt hinunterkommt. Links und rechts daneben Dornen. Der Weg geht weiter bergauf, bergab unter dem dichten Blätterdach der Bäume. Schon bald kommt das hohe Schilf, es übermannt einen um Zentimeter, man sieht nur Schilf und Schilf. Man weiß, dass das Ziel nicht mehr fern ist. Rasch ist das Schilf überwunden, es geht bergauf und dort liegt er: Der Ort.
Alte Ziegel erzählen
leise ihre Geschichte
Die Plattform am alten Fabrikgebäude. Die braunen, alten Ziegel - moosbewachsen - ragen Meter hoch. Auch sie erzählen leise ihre Geschichte. Bäume und Gras verzieren das kleine Plateau. Hier wuchert die Natur noch wild. Man tritt an den Rand und blickt vier Meter in die Tiefe auf das rauschende Wasser. Dichte Nebelschwaden hängen über der Flussbiegung. Hier gehen zwei Arme vom Fluss ab. Auf der anderen Seite des linken Armes ist eine Insel aus Grün. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses die ewiggrünen Auen. Dahinter der Berg, darauf das Dorf mit Kirche und längst verlassener Burg. Anbetungswürdig. Atemberaubend.
Man denkt zurück an die sonnigen Tage, an denen man sich auf dem Plateau niederließ, mit einem Buch oder einer Zeitschrift, im Schneidersitz oder kniend, wie man nicht nur die Beine, sondern auch die Seele baumeln lies, während auf dem Berg die Kirchglocken ertönten. Keiner würde jemals erfahren, wie man zu dem Ort gelangt, niemals die Chance erhalten diesen geheimnisvollen Ort zu betreten. Auch nicht, wenn er bereit wäre, den Wecker für frühe Morgenstunden zu stellen.
David Hesse, Klasse 8a, Friedrich-Harkort-Schule, Herdecke

16:46
Wohl war, aber wo soll das sein?
12:47
Der ort hört sich wirklich cool an!