Ein feuriges Hobby in völliger Dunkelheit
15.12.2011 | 14:49 Uhr 2011-12-15T14:49:00+0100
Gevelsberg. Zeus-Reporterin Melissa Berger war bei einer Atemschutzübung der freiwilligen Feuerwehr Gevelsberg dabei. Fitness und Vertrauen sind in der Belastungssituation oberstes Gebot.
„Es fühlt sich an, als würde man in einem Käfig stehen. Es ist dunkel, eng und heiß. Man kann sich nur vorwärts tasten.“ Das sagt einer der Feuerwehrmänner der freiwilligen Feuerwehr Gevelsberg über die jährliche Atemschutzübung.
Die Feuerwehrleute des ersten und dritten Löschzuges bereiten sich auf die Übung vor. Sie bekommen Atemgeräte, zu denen unter anderem eine Sauerstoffflasche gehört. Außerdem müssen sie hitzebeständige Kleidung tragen. Dann müssen sich die Männer und Frauen einem Fitnesstest unterziehen, damit sie sich an die Luft in der Gesichtsmaske und an die ungewohnte Last auf ihrem Rücken gewöhnen, – die Sauerstoffflasche wiegt 14 bis16 Kilo.
Im Vorbereitungsraum stehen ein Laufband, eine elektrische Leiter und ein Kraftgerät. Je nach Kondition des Einzelnen wird entschieden, wie oft und lange die entsprechenden Übungen wiederholt werden müssen. Die Übungen zeigen die körperliche Belastungsfähigkeit auf. Sie zeigen dem Feuerwehrmann und den Übungsleitern, wo die jeweiligen Grenzen liegen und helfen dabei, den Luftvorrat im Ernstfall kalkulieren zu können.
Angewiesen auf Partner und Tastsinn
Sobald die Übungsstrecke erhitzt ist, gehen die Männer und Frauen immer zu zweit in den Parcours. Sie müssen sich darin klein machen und sind dabei auf ihre Partner und ihren Tastsinn angewiesen, da vor dem Betreten das Licht ausgeschaltet wird und sie auch keine Taschenlampen zur Verfügung haben. Es sind Hindernisse, wie Löcher, Leitern, Rohre und Schiebetüren zu überwinden, um den Weg aus dem Parcours zu finden.
Sicherheit ist jedoch höchstes Gebot. Deshalb sind in der Teststrecke alle Gitter herausnehmbar und der komplette Raum wird mit Kameras überwacht. Helfer im Raum beobachten die Szene. Die ganze Übung wird durch den daneben liegenden Kontrollraum überwacht, dort wird auch die Temperatur geregelt.
Bei der Feuerwehr Gevelsberg gibt es die Berufsfeuerwehr und die ehrenamtliche freiwillige Feuerwehr mit drei Löschzügen.
Alle Notrufe werden in der Einsatzleitstelle Schwelm angenommen, von wo aus die Feuerwehren im Ennepe Kreis alarmiert werden.
Die Gevelsberger Jugendfeuerwehr hat zwei Gruppen, von denen eine alle zwei Wochen Dienst hat. Sonderaktionen und Fahrten sollen den Zusammenhalt stärken, der sehr wichtig bei Einsätzen ist.
Aber auch eine Sauerstoffflasche geht mal zu Ende. Wie merkt man also, dass die Luft langsam knapp wird? Zum einen weiß jeder Feuerwehrmann bzw. -frau wie lange er oder sie ungefähr mit einer Flasche auskommt. Es gibt auch eine Anzeige, die den Druck der Flasche zeigt. Zum anderen fängt das Gerät an zu pfeifen. Diesen Ton überhört so schnell keiner, da er sehr laut und hoch ist. Sobald das Gerät zu pfeifen beginnt, wird der Mann bzw. die Frau aus dem Parcours herausgeholt.
Im Raum herrschen um die 30 bis 40 Grad Celsius. Das ist nicht besonders viel und gar nicht mit einem richtigen Feuer zu vergleichen. Doch Belastung und Stressfaktor sind vergleichbar, da der Bewegungsfreiraum durch Sauerstoffflasche, Helm und Ausrüstung eingeschränkt ist und eine Stresssituation bewältigt werden muss.
Die Hitze und das Gefühl in einem richtigen Feuer zu stehen, kann man nicht darstellen, dafür steht eine andere Übungsmöglichkeit zur Verfügung: das Brandhaus. Es wird ein Wohnungsbrand unter kontrollierbaren Bedingungen simuliert. Hier müssen die Feuerwehrleute durchs Feuer gehen.
Melissa Berger, Klasse 8b, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Wetter

0mitdiskutieren