Politik/Kommentar

Lieber Sündenbock suchen als Probleme lösen

26.11.2010 | 08:00 Uhr
Lieber Sündenbock suchen als Probleme lösen
Politiker suchen immer den Weg des geringsten Widerstandes, meint unser Zeus-Reporter.

Langenberg. Durch Manipulationen zum Sieg? Es gibt nirgendwo mehr leere Versprechungen und Manipulationen in unserer Gesellschaft als in der Politik und so ist es kein Wunder, dass Manipulation etc. einen immer höheren Stellenwert in der Politik einnehmen.

Darum ist es auch kein Zufall, dass Politiker in den meisten Fällen genau das Gegenteil davon machen, was sie versprochen haben. Das aktuelle Beispiel für diese Unterstellung liefert uns der Präsident der Vereinigten Staaten.

Präsident Obama versprach während des Wahlkampfes, die Truppen aus dem Irak zurückzuziehen. Bis heute hat er damit noch nicht angefangen, aber stattdessen sind rund 36 000 Soldaten mehr im Irak stationiert. Und dafür bekam er auch noch den Friedensnobelpreis.

Das ist nur eines der vielen Beispiele, wie es tagtäglich in der Politik anzutreffen ist. Und auch noch viel schlimmer als dies ist die Tatsache, dass die Zahl der Manipulationsversuche in der Politik sehr schnell ansteigt.

Warum lügen?

Aber warum machen die Politiker leere Versprechen oder manipulieren uns gar? Das ist eine gute Frage aber sie ist auch recht einfach zu beantworten:

Bekommt auch sein Fett ab: US-Präsident Barack Obama. Foto: Reuters/Yves Herman

Stellen wir uns vor, ich wäre ein Politiker. In welchem Land? Das ist egal. Nun gibt es ein Problem in meinem Land und ich kenne den Grund. Aber es ist so, dass ich das Problem nicht lösen möchte, da ich es nicht lösen kann oder es einfach viel zu aufwendig und kostspielig wäre. Das sich das Problem aber nicht von alleine löst, greife ich zur einfachsten Methode: Ich verschaff mir einen Sündenbock.

Sündenbock suchen

Dabei ist es völlig egal ob es sich um einen Menschen oder etwas Materialistisches handelt. Das Verfahren ist sowieso immer das Gleiche. Man sucht sich einen geeigneten Sündenbock und lässt ihn schlecht dastehen, was mit Hilfe der Massenmedien nicht schwer ist. Danach lässt man die negative Propaganda so lange über das Fernsehen und das Radio ausstrahlen, bis ein Großteil der Bevölkerung die Propaganda glaubt und die Kritik sich nun voll und ganz auf den Sündenbock richtet.

Während das eigentliche Problem dabei immer mehr in den Hintergrund rückt und so letztendlich in Vergessenheit gerät. Ein sehr gutes Beispiel dazu finden wir in der Debatte um Gewaltspiele. Also nun hat der Politiker ein Problem festgestellt: Die Gewaltbereitschaft bei der Jugend ist sehr stark angestiegen. Und was tut man dagegen?

Probleme zu lösen ist umständlich

Entweder, man packt das Problem bei der Wurzel an oder gibt jemandem oder etwas die Schuld. Natürlich sind Schuldzuweisungen einfacher und weniger kostspielig. Unsere Politiker wissen genau, dass ein Verbot von Gewaltspielen auf keinen Fall das Problem lösen wird. Aber das verschafft ihnen etwas mehr Zeit.

Das Problem an sich sind nicht die Gewaltspiele, sondern der immer stärker wachsende Druck, der auf den Jugendlichen lastet. Schon im Kindergarten werden die Kinder beobachtet und es werden Akten darüber angelegt, wer sich anpasst oder negativ auffällt. Danach geht es in den Schulen weiter. Es ist bekannt, dass Lehrer Kinder mit einer kleinen Lernschwäche meistens direkt aufgeben und sich so gut wie nicht mehr mit ihnen beschäftigen.

Problem Mobbing

Ein weiteres Problem ist das Mobbing, das auf fast jeder Schule – wenn nicht sogar in jeder Klasse – vorkommt. Meist schauen die Lehrer einfach weg mit der Begründung, dass es nicht so schlimm sei. Oder sie ignorieren es einfach komplett, wie im Falle des Amokläufers Sebastian B. Und das sind nur die Probleme die in der Schule entstehen.

Soll keine Sündenböcke suchen, sondern Probleme lösen: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Michael Gottschalk/dapd

Dazu kommt noch, dass der Druck, einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu bekommen, immer größer wird. Selbst wenn man 50 oder 100 Bewerbungen schreibt, ist es immer noch nicht klar, ob man nun einen Platz bekommt.

Sorgen um die Zukunft

Dieses Problem gab es noch nicht, als unsere Politiker in die Schule gingen. Wer sich damals um eine Ausbildung etc. bemüht hatte, hat auch meist eine Stelle bekommen. Und was ist mit den Eltern? Viele Eltern der Amokläufer sagten selbst, dass sie sich mehr um ihr Kind hätten kümmern sollen. Wobei auch das heute immer schwieriger wird, da auch die Erwachsenen einem immer größer werdenden Druck ausgeliefert sind.

Heute macht sich jeder dritte Arbeitnehmer Sorgen um seinen Job. Was auch verständlich ist, da die meisten Firmen die Arbeiter wie auswechselbare Gegenstände behandeln. Es gebe noch Hunderte oder tausende andere Gründe, warum die Schüler und auch die Erwachsenen von heute immer aggressiver werden.

Politiker sollen ihren Auftrag erfüllen

In Wirklichkeit ist es die Angst um die Zukunft, die die Menschen dazu treibt, Amokläufe zu begehen. Aber wie gesagt: Es ist halt einfacher, das alles zu übersehen und den Gewaltspielen die Schuld zu geben.

Aber Gewaltspiele sind nicht die ersten Sündenböcke. Früher waren es die Filme. Dann war die Musikrichtung Metal der angebliche Grund. Und heute sind es die Gewaltspiele. In zehn Jahren gibt es vielleicht wieder einen neuen Sündenbock.

Und am Ende steht man immer wieder vor der gleichen Frage: Wie konnte es dazu kommen? Politiker sollten gewählt werden, damit sie ihrem Volk dienen, damit sie den Willen des Volkes umsetzen und nicht, damit sie das Volk durch Lügen und Manipulationen beherrschen.

Patrick Chudalla, Klasse 8b, Gymnasium Langenberg

Zeus-Reporter

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