Fotografin bringt ein Stück Seele aufs Bild
05.01.2012 | 14:19 Uhr 2012-01-05T14:19:00+0100
Wülfrath. Anna-Lisa Lüdecke ist mit 23 Jahren in die Selbstständigkeit gestartet. Zwei Jahre später ist sie schon auf Deutschland-Tour – als Outdoor-Fotografin.
Die Freiheit geben ihr die individuellen Kulissen, ihre Inspiration holt sie sich aus den Farben und der Vielfalt der Natur. Im Interview mit Zeus-Reporterin Janine Falkenhain aus der Klasse 12a des Berufskollegs Bleibergquelle spricht Lüdecke über ihre Erfahrungen und ihre Leidenschaft für das Fotografieren.
Frage: Wie bist Du zur Fotografie gekommen? Und wie kam es zur Spezialisierung auf Outdoor-Fotografie?
Lüdecke: Ich habe genauso oft und gern fotografiert wie viele, denke ich. Irgendwann wurde mir dann immer öfter gesagt, dass ich einen Wiedererkennungswert in meinen Bildern hätte und ein Talent für die Fotografie vorhanden ist. Durch meine Bilder, die ich im Internet veröffentlichte, fanden die ersten großen Kunden zu mir, woraufhin ich mich selbstständig machte. Ich wollte mich aber von anderen Fotografen abheben. Fotografen, die Ihre Kunden einfach mit dem Rücken zur Wand stellen, gibt es wie Sand am Meer. Das ist doch Schnee von gestern. Ich wollte mich einfach selbst erfinden, was Neues probieren. Mir war das zu langweilig, mich auf ein Studio festzulegen – für mich braucht es eine Menge mehr. Und die Liebe für die Natur in Verbindung mit dem Mensch spüren auch meine Kunden.
Was fasziniert dich an der Outdoor-Fotografie?
Mich fasziniert diese Vielfalt, denn die Fotografie besteht nicht nur aus einer weißen oder schwarzen Leinwand als Hintergrund – Natur und Menschen zusammen: Das ist viel Tiefgründiger. Es steckt eine Menge an Organisation und Verständnis für den Menschen und den Kreislauf der Natur hinter meiner Arbeit. Ich gehe nach den Elementen, den Jahreszeiten, der Farblehre. Und auch jede Stunde und jedes Wetter verändert das Bild erneut. Bei mir gibt es kein Bild doppelt, jedes Bild ist ein Unikat.
Wie ist das im Hochsommer, bei Eiseskälte oder im Regen?
In erster Linie müssen Kunden für sich selbst entscheiden: Was wollen Sie ausdrücken? Welche Stimmung wollen sie vermitteln? Für wen soll das Bild sein? Und dann entscheiden wir gemeinsam, zu welchem Ort, welcher Jahreszeit und welchen Farben das passt. Wenn es mal in Strömen gießt und der Kunde das überhaupt nicht mag, wird das Shooting um ein paar Stunden oder Tage verlegt. Ab minus fünf Grad ist schon nach einer halben Stunde Schluss. Und auch bei vierzig Grad im Schatten wird oft pausiert. Durch Wärmestrahler, Heizdecken und Co. kann man aber unbedacht bei deutschen Temperaturen elf Monate arbeiten. Denn mehr als 4 Wochen über das Jahr verteilt ist von Extremen nichts zu spüren.
Und was für Altersklassen fotografierst du?
Alle. Also wirklich von Babys angefangen, über Kinder und Jugendliche, bis hin zu Eltern mit Kindern und ganzen Familien.
Wo siehst du dich in zehn Jahren? Hast du jemanden, der dich bei deinen Shootings begleitet?
Oh, in zehn Jahren... Also meine Stammkunden habe ich dann hoffentlich alle immer noch, denn die Kunden von Nebenan glücklich zu machen, ist das Schönste. Dann würde ich gerne meine Deutschland-Tour erweitern, die dieses Jahr angefangen hat. Vielleicht komme ich in zehn Jahren ja noch viel weiter, vielleicht über die Grenze? Es wäre schön, wenn ich den Sprung in die Mode-Fashion-Welt geschafft hätte – für Esprit oder Appelrath und Cüpper arbeiten, wäre ein großer Traum. Einen treuen Begleiter habe ich auch, nämlich meinen Dalmatiner Finn, der ist so oft es geht, dabei. Er ist ein ganz lieber und wachsamer Kerl. Dazu kommen teilweise noch Assistenten, Stylisten und Praktikanten.
Hast du denn auch mal bekannte Persönlichkeiten geknipst?
So richtig große Persönlichkeiten leider noch nicht. Aber vielleicht kennen ja einige noch Esra von der vergangenen „Popstars“-Staffel und Sara Nuru von „Germany’s Next Topmodel’’ – die hatte ich zum Beispiel auch schon vor der Linse.
Hast Du ein Vorbild? Mit wem würdest Du gerne einmal shooten?
Fotografisch gesehen habe ich kein Vorbild. Wie sagt man so schön: Wer in andere Fußstapfen tritt, hinterlässt selbst keine. Persönlich liebe ich Romy Schneider. Sie lebte in ihrem Beruf und gab ihr Herz für alles her. Genau wie ich ein absoluter Herzmensch. Und shooten würde ich gerne mit Nina Haagen, Kate Moss oder Emma Watson.
Hast du eigentlich jemanden, der dich bei deiner Leidenschaft unterstützt?
Da gibt es so viele tolle Leute, die mir immer helfen. Zu aller erst meine liebe Susann, die mir immer wieder Mut und Kraft gibt, die Fotografie eigentlich nie mochte, aber hinter mir stand, egal, was kam – genauso wie die Liebe meiner Oma, für die ich sehr dankbar bin. Dazu kommen all die Leute, die mir bedingungslos Ihren Bauernhof, ihre Villa, ihre Kleider, Autos, Pferde oder sonstiges zur Verfügung stellen – super lieb. Und auch das Dörfchen woher ich komme, hilft mir bei allem, was ansteht, gerne. Selbst die freiwillige Feuerwehr in Wülfrath hat schon mit mir zusammen gearbeitet.
Janine Falkenhain, Klasse 12a, Berufskollegs Bleibergquelle, Velbert

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