Neue Carolinenbrücke in Holzwickede ist so teuer wie 185.000 Regale
31.05.2011 | 15:38 Uhr 2011-05-31T15:38:00+0200
Holzwickede.Was haben eigentlich 184.210 einfache Billy-Regale und 351.758 Dan-Brown-Thriller gemeinsam? Sie sind alle so teuer wie die neue Carolinenbrücke in Holzwickede. Denn für 3,5 Millionen Euro bekommt man genau 184.210 Billys oder 351.758 Dan-Brown-Bücher.
Doch ist dieses Bauwerk, das von den einen geliebt und von den anderen verspottet wird, wirklich so viel wert? Und braucht eine Brücke wirklich auf jeder Seite Fahrstühle? Braucht man überhaupt diese Brücke?
Die Carolinenbrücke führt vom Neubaugebiet Caroline über die Bahngleise auf einen Platz. Dort sind ein Drogeriemarkt und ein Lebensmitteldiscounter sowie eine Dönerbude angesiedelt. Bislang waren der Norden und Süden Holzwickedes, die durch die Gleise getrennt sind, nur durch eine Unterführung verbunden. Deshalb entschied man sich, eine Brücke zu bauen, damit die Bewohner des Neubaugebietes schneller zu den Geschäften kommen.
8155 Meter hoher Turm aus Münzen
Eigentlich sollte die Brücke ursprünglich „nur“ 833.000 Euro kosten . Diese 833.000 Euro werden von dem Bauleiter als „Entscheidungsfindungspreis“ bezeichnet. Was ein Entscheidungsfindungspreis in Wirklichkeit allerdings ist, sagte er nicht. Nach einigen kleinen Problemen (Fahrstühle mussten neu bestellt werden, sie hatten die falsche Größe; der Untergrund der Pfeiler musste erneuert werden usw.) wuchs der Preis auf mittlerweile 3,5 Millionen Euro. Und er ist noch nicht ausgewachsen.
Würde man eine Säule mit Ein-Euro-Münzen bauen, die 3,5 Mio. Euro wert sein soll, würde diese 8155 Meter hoch werden. Damit wäre diese Säule höher als die Strecke von Opherdicke nach Unna lang ist. Aber wie sollte man die Münzen transportieren? Sie wären zusammen nämlich 26,25 Tonnen schwer.
Geld wird woanders
dringender benötigt
Jetzt rechnen Sie mal, wie viele Jahre Sie arbeiten müssten, um so viel Geld zu verdienen. Ein Lokführer, der laut Tarifvertrag maximal 38.388 Euro (Brutto) im Jahr verdient, müsste über 91 Jahre arbeiten, um 3,5 Millionen zu verdienen. Das Durchschnittsalter eines Mannes beträgt aber nur 78 Jahre. Zieht man von der Lebenszeit jetzt noch die Schulzeit ab und nimmt man an, dass der Lokführer mit 60 Jahren in den Ruhestand geht, würde er letztlich nur 42 Jahre arbeiten. Um dieses Geld zu verdienen, müssten also knapp drei Generationen arbeiten.
Damit fällt die Antwort auf unsere Frage eindeutig aus: Die Brücke ist zu teuer. Und es ja auch nicht so, als bräuchte Holzwickede keine neuen Mehrzweckhallen (z. B. eine Aula für das Schulzentrum), Spielplätze oder Sportanlagen und könne deshalb das Geld planlos ausgeben.
Christopher Joch, Klasse 8b, Clara-Schumann-Gymnasium, Holzwickede

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