Gefängnis

JVA-Angestellter spricht über den Alltag hinter schwedischen Gardinen

07.06.2011 | 11:21 Uhr
JVA-Angestellter spricht über den Alltag hinter schwedischen Gardinen
Innenansichten der JVA Dortmund.

Dortmund/Holzwickede.Ein Gefängnis ist eine andere Welt: Alles, was hinein transportiert wird, muss kontrolliert werden. Zwei Zeus-Reporter haben mit Frank Usener, Justizvollzugs-Hauptsekretär (44) der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dortmund, über den Alltag im Gefängnis gesprochen.

 

Wie lange arbeiten Sie schon in der JVA Dortmund und was war Ihr schlimmstes Erlebnis?

Ich arbeite seit 1995 hier in der JVA Dortmund. Zuerst startet man im öffentlichen Dienst, etwa nach einem Jahr wurde ich Beamter und machte meine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten. Ich selbst habe zum Glück noch nichts Tragisches erlebt, aber Kollegen haben mir berichtet, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auch schon zu Selbstmordversuchen kam.

Wie viel Platz haben die Gefangenen in einer Zelle und was steht ihnen zur Verfügung?

Eine Einzelzelle ist etwa sieben Quadratmeter groß und hat ein vergittertes Fenster. In der Zelle gibt es eine Toilette mit einer Schamwand, ein Waschbecken, ein Bett, einen Tisch mit einem Stuhl und einen Schrank. Allerdings darf man einen Fernseher und einen DVD-Player mitbringen, Computer oder ähnliches sind nicht erlaubt. Wertvolle Dinge, wie teure Uhren, werden den Insassen abgenommen und bei der Entlassung wieder ausgehändigt.

Was können die Häftlinge machen während ihres Gefängnisaufenthaltes?

Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten, wie zum Beispiel mehrere Ballsportarten in einer gewöhnlichen Sporthalle oder auch auf einem Sportplatz im Freien. Es gibt außerdem einen parkähnlichen Hof, auf den man eine Stunde pro Tag darf, und eine Gefängnisbücherei mit Büchern in vielen verschiedenen Sprachen. Man kann zudem in einer internen Tischlerei, Schlosserei oder in der Küche arbeiten. Natürlich können sie auch besucht werden, jeweils zweimal im Monat für eine Stunde. Diese Besuche kann jeder machen. Sie müssen aber vorher vereinbart werden. Es gibt auch noch Sonderbesuche von Familienmitgliedern, oft kommen die Partnerinnen, mit denen sie sich in einen gesonderten Raum zurückziehen können.

„Ohne Vertrauen geht dort nichts.“

 

Ist die Arbeit der Häftlinge nicht gefährlich, wenn sie mit Messern und Sägen arbeiten?

Eigentlich schon, aber diese Arbeiten kann nicht jeder machen. Wir entwickeln ein Gefühl dafür, wem man das zutrauen kann und wem nicht. Ohne Vertrauen geht dort nichts. Natürlich werden sie durchgehend dabei bewacht. Es wird auch streng darauf geachtet, dass sie nichts mitnehmen.

Wo werden die Mahlzeiten vorbereitet? Und wo essen die Gefangenen?

Morgens und abends gibt es Brot von der Bäckerei der JVA Werl mit verschiedenen Aufschnittsorten, Käse und süßen Aufstrichen. Mittags gibt es frisch zubereitete Gerichte, welche von der Küchenleitung ausgewählt und gemeinsam mit manchen Gefangenen zubereitet werden. Sie essen in ihren Zellen, alles andere wäre zu gefährlich, denn über 400 Leute in einem Raum kann man nicht beaufsichtigen. Auch nicht mit unseren knapp 160 Mitarbeitern.

Was tragen die Häftlinge eigentlich für Kleidung?

Untersuchungsgefangene dürfen ihre eigene Kleidung tragen. Die Strafgefangenen, also die rechtskräftig Verurteilten, kriegen ihre Kleidung gestellt, von der Unterwäsche über die Schuhe bis hin zur Jacke.

Was ist, wenn ein Gefangener ernsthaft krank ist?

Wenn es möglich ist, dann werden sie ins Justizvollzugs-Krankenhaus in Fröndenberg gebracht, denn dort werden sie dauerhaft bewacht. Sonst müssen sie in ein normales Krankenhaus und dort von mindestens zwei Beamten rund um die Uhr bewacht werden.

Wie können sich die Beamten schützen und womit können die Häftlinge gefesselt werden?

Wir haben ein Funkgerät. Falls etwas passiert können wir die Kollegen informieren. Bei externen Einsätzen tragen wir meist unsere Dienstwaffe. Wir fesseln die Häftlinge mit Handschellen, bei schweren Verbrechern benutzen wir auch Fußfesseln.

Haben die Gefangenen sich auch schon gegenseitig angegriffen?

Ja, das kommt immer mal wieder vor. In schweren Fällen, wie Körperverletzung, kann es zu einer Strafanzeige kommen.

Dominik Hinkelmann und Lukas Friese, Klasse 8a, Clara-Schumann-Gymnasium, Holzwickede

Zeus-Reporter

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