„Ich schminke mich nur, wenn Karneval ist“
04.06.2010 | 16:49 Uhr 2010-06-04T16:49:00+0200
Holzwickede.„Ich werde überall für einen Jungen gehalten“: In diesem beeindruckenden Text erzählt Nina Rump, warum sie sich nicht feminin kleidet, keine Schminke trägt und gern „etwas anders“ ist.
Wer mich sieht, könnte denken, dass ich ein Junge bin. Doch da irren sich die Leute, denn ich heiße Nina, bin ein Mädchen und möchte davon erzählen, was alles passieren kann, wenn man nicht geschlechtsspezifisch gekleidet ist.
Ich gebe ich zu, dass ich nie wirklich wie ein Mädchen aussah. Ich hatte bis jetzt noch nie so lange Haare, dass sie mir bis zum Kinn gingen. Ich style meine Haare oft mit Gel und Haarspray nach oben. Früher hatte ich oft einen Irokesen, jetzt trage ich nur noch einen Pony. Ich schminke mich nur, wenn WM oder Karneval ist und dann auch nur mit Schwarz-Rot-Gold- oder Karnevalsschminke. Wimperntusche, Kajal, Eyeliner, Rouge, Abdeckstift, Lippenstift und andere Gesichtsschminke habe ich noch nie benutzt, weil ich mir denke: Wer so etwas benutzt versteckt, sein wahres Aussehen, obwohl ich es persönlich viel schöner finde als das geschminkte Gesicht.
Ich finde mein Gesicht auch so sehr schön“
Außerdem fände ich es zu anstrengend, mich morgens zu schminken. Ich finde mein Gesicht nämlich auch so sehr schön. Für mein Outfit brauche ich generell nicht sehr lange, denn ich greife einfach das aus dem Schrank, was mir gerade gefällt und mache mir keinen Kopf darüber, was die anderen dazu sagen. In meinem Schrank kann man vergeblich nach Kleidern, Tops, Strumpfhosen, Röcken oder ähnlichem suchen, denn so etwas besitze ich gar nicht. Ich ziehe viel lieber lockere T-Shirts, Pullover und Jeans oder kurze Hosen an. Wer jetzt denkt, dass diese Sachen vielleicht aus einer Mädchenabteilung stammen, der irrt sich auch in diesem Punkt. Es ist ausschließlich Jungenkleidung.
Oft wird mir die Frage gestellt, warum ich mich nicht so feminin kleide und ob ich ein Junge sein möchte. Meine Antwort darauf lautet: Ich möchte kein Junge sein, ich mag nur die Art von Kleidungsstücken für Jungen und finde sie bequem, und außerdem passen sie zu meinem Charakter.
„wenn mich jemand von der Seite anguckt...“
Ich werde eigentlich überall für einen Jungen gehalten. Außer im Schwimmbad, da trage ich ja einen Badeanzug oder einen Bikini. Die meisten Schwimmbadbesucher wundern sich darüber, aber ich achte nicht mehr auf so etwas. Es ist für mich schon zur Routine geworden. Das allerschlimmste, was mir passieren kann, ist, dass ich eine öffentliche Toilette aufsuchen muss. Denn dann kommen mir zwei Gedanken: Entweder ich gehe auf die Mädchentoilette, dann werde ich angestarrt beziehungsweise doof angeguckt, oder ich gehe auf die Jungentoilette, wo ich mich unwohl fühle, da ich dort eigentlich nicht hingehöre, aber auch nicht beachtet werde. In den meisten Fällen entscheide ich mich für die erste Variante, und wenn mich dann jemand von der Seite anguckt, sage ich direkt, dass ich ein Mädchen bin.
Vielleicht werden sich ein paar auch fragen, ob ich schon einmal einen festen Freund hatte und darauf kann ich nur mit „Naja“ antworten, denn ich hatte im Kindergarten und in der Grundschule schon feste Freunde, mit denen ich mich auch geküsst habe, aber eine echte Beziehung gab es leider noch nicht. Das kann ich aber auch irgendwo nachvollziehen, denn wenn man denkt, dass ich ein Kerl bin, dann fragt mich ja kein normaler Junge, ob ich mit ihm ausgehen würde. Aber ich bin definitiv auch nicht lesbisch, denn ich stehe auf Jungen.
Aber alles in allem finde ich es gut, dass mich die Menschen, die mich kennen, so akzeptieren wie ich bin und mich auch mögen, weil ich verrückt und anders bin.
Und darüber bin ich sehr froh.
Nina Rump, Klasse 8c, Ernst-Barlach-Gymnasium Unna

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