Beruf

Geistig behinderte Menschen lernen fürs Leben

11.07.2011 | 10:22 Uhr

Holzwickede. Das große Ziel: Das Leben meistern lernen – auch mit Handicap. Darauf werden die Schüler mit geistiger Behinderung der Berufspraxisstufe der Karl-Brauckmann-Schule in Holzwickede gründlich vorbereitet. Sie lernen im Haushalt und im späteren Berufsleben weitgehend selbständig zurechtzukommen ohne allzu viel fremde Hilfe.

Einen Tag lang dürfen wir die jungen Erwachsenen begleiten und erleben, wie sie ihren Kurstag verbringen, bei dem die 17 bis 22-jährigen jungen Frauen und Männer zusammen in verschiedenen Arbeitsgruppen kochen, pflanzen, schrauben und noch mehr.

Am Morgen zu Beginn des Kurstages geht es in der Trainingswohnung lebhaft zu. Die vielen Schüler und Lehrer reden und lachen zusammen, zwei junge Männer machen sich für ihr Praktikum im Perthes-Haus, einer Altenhilfeeinrichtung, bereit. Nun sind alle da und stellen sich freundlich vor. Bei der Trainingswohnung handelt es sich übrigens um eine kleine, nachgestellte Wohnung, in der die Schüler kochen und noch andere hauswirtschaftliche Arbeiten wie Wäsche waschen üben. Jetzt trennen sich die Wege der jungen Erwachsenen. Die verschiedenen Kurse finden sich nun in ihren Räumen zusammen.

Demontieren mit beiden Händen

Insgesamt werden vier Kurse angeboten, die öfter im Jahr gewechselt werden. Es gibt den Demontage-Kurs, die Handwerks-, die Garten- und die Hauswirtschafts-AG. Leider fällt die Garten-AG wortwörtlich ins Wasser, da es wie aus Eimern schüttet. Aber die Schüler der Garten-Gruppe von Ulrich Pohl bekommen natürlich trotzdem etwas zu tun: Sie helfen in der Werkstatt mit.

Hans-Joachim Hülsken, der den Demontage-Kurs leitet, erzählt uns: „Meine Schüler sollen lernen, Elektro-Geräte auseinander zu nehmen und die verschiedenen Materialien zu trennen. Beim Schrauben lösen kommt es darauf an, mit beiden Händen zu arbeiten.“ Manche Schüler brauchen dabei noch Hilfe, andere können schon große Geräte wie Drucker selbstständig auseinander bauen.

Frikadellen für die eigene Feier

Danach holt uns Willi Lehnen, der Leiter der Handwerks-AG, in die Werkstatt. Er hat eine ganz besondere Aufgabe: Wir selbst sollen aktiv werden und unser handwerkliches Können unter Beweis stellen. Die freundliche Julia, die schon selber einen Tisch gebaut hat, hilft uns dabei. Zusammen bauen wir eine „Gartendekoration“, die aus einem Metallstab mit Holzherz besteht und man in die Erde stecken kann.

„Die Schüler sollen bei der Arbeit in den verschiedenen Kursen eine Neigung erkennen, was sie im späteren Berufsleben machen möchten“, sagt Willi Lehn. „Die meisten gehen später in eine Werkstatt für Behinderte, andere arbeiten aber auch zum Beispiel in einer großen Küche oder Wäscherei.“

Jetzt ist es auch schon Zeit für die Frühstückspause. Nach dem gemeinsamen Essen und Kartenspiel besuchen wir die Hauswirtschafts-AG, die von Uta Christochowitz-Henn geleitet wird. Sie arbeitet schon 31 Jahre an der Karl-Brauckmann-Schule und bezeichnet sich selbst als „alten Dino“. Heute stehen Frikadellen auf dem Speisezettel. Die jungen Köche stellen sie für die Entlassfeier her, die in einigen Wochen stattfindet. Deshalb werden die Frikadellen noch vorher eingefroren. Nach der Entlassfeier wird es dann für einige Schüler ernst: Sie verlassen die Schule und machen den Sprung ins eigene Berufsleben.

Nina Didschuneit und Antonia Leder, Klasse 8c, Clara-Schuman-Gymnasium Holzwickede

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