Futtern wie bei Muttern
18.05.2010 | 12:33 Uhr 2010-05-18T12:33:00+0200
Unna.Gebratenes Fischfilet mit Kartoffelpüree, dazu eine Gewürzgurke und als Nachtisch Schwarzwaldcreme. Das stand am letzten Freitag für etwa 400 Unnaer Schüler auf dem Speiseplan ihrer Mensa.
Zubereitet wird alles von Chefköchin Christiane Bögel und ihrer Crew in der Mensa der Peter-Weiss-Gesamtschule. Dem Geruch in der Mensa zufolge hört sich dies schon mal ganz interessant an, doch häufig trifft man beim Thema „Mensaessen“ bei den Schülern auf Unzufriedenheit und Abneigung. Doch warum eigentlich? Ist es nur gesund – oder schmeckt es auch?
Fragen wir Rainer Schollas, Schulleiter der Peter-Weiss-Gesamtschule: „Seit 24 Jahren, also seit Gründung der Schule, wird den Schülern wie an allen Gesamtschulen in der Mittagspause Essen angeboten, denn sie haben von montags bis freitags von 8 bis 15.30 Uhr Unterricht“, sagt er. „Damals haben die Eltern noch für die Schüler im Keller gekocht.“
Heute werden die Gerichte vom Küchenteam in einer geräumigen Küche zubereitet und an die Schule geliefert.
Nichts wird dem Zufall überlassen
Mit einem Blick auf den Speiseplan erkennt man schnell, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird. „Wir wollen unseren Schülern ein abwechslungsreiches, gesundes Essen anbieten. Dabei gibt es Kinder, denen es schmeckt, und auch welche, die es nicht mögen“, sagt Schollas. „Man kann eben nicht jeden Tag jeden Geschmack treffen. Außerdem gibt es gesetzlich vorgeschriebene Richtlinien, an die wir uns halten müssen, wenn es um die Zubereitung des Essens geht“, ergänzt Christiane Bögel, Chefköchin der Mensa der Peter-Weiss-Gesamtschule. Dies bestätigt auch der 17-jährige Kai: „Es schmeckt mir nicht immer, manchmal eben.“
Auch der Schulleiter hat selbst eine Kostprobe gemacht: „Es geht so“, meint er, „auf jeden Fall besser als an meiner alten Schule.“
Der Geschmack des Essens kann also nicht ausschlaggebend für die Beschwerden der Schüler sein. Denn außerdem werden am angrenzenden Schulkiosk auch Pommes und Pizza angeboten. Doch gehören diese Speisen nicht zum viel zu beliebteren, aber auch fettigen Fastfood? „Man kann nicht vermeiden, dass Schüler Fastfood essen. Bei uns wird eben auch mal ungesund gegessen“, meint Schollas. „Doch dass immer mehr Jugendliche in Deutschland dick sind, liegt nicht an unserem Essen, sondern in erster Linie an den Eltern.“
Täglich frische Zutaten
Apropos Eltern: Wissen diese genug über gesunde Ernährung und kochen auch so? „Zu Hause bereite ich mir mein Essen selbst zu, meistens sind das Fertiggerichte aus dem Kühlregal“, sagt Schüler Kai. „Ich esse auch mal gerne Fastfood, aber dennoch bin ich gut über gesunde Ernährung informiert!“ Und Christiane Bögel ergänzt: „Hier werden die Zutaten täglich frisch geliefert. Dass wir gesund kochen, davon bin ich überzeugt.“ An der Qualität des Essens und an der Tatsache, dass Fastfood angeboten wird kann, die Unzufriedenheit nicht liegen.
Doch was stört die Schüler dann? „Ich esse hier zwei bis drei Mal pro Woche, und ich denke, es ist nicht perfekt, aber alles Nötige ist vorhanden. Es ist allerdings vieles überteuert. Das stört mich“, beschwert sich Schüler Kai. Für ein Menü bezahlen die Schüler 3,70 Euro, mit einem Monats-Abo 3,50 Euro. „Für Eltern, die Hartz-IV-Empfänger sind, gibt es auch Zuschüsse“, erklärt Schollas.
Doch sind die Preise das einzige Problem der Schüler, oder liegt es vielleicht auch am Personal? „Das Personal ist immer super freundlich, nur eine Mama, die alles wegräumt, fehlt“, grinst Kai. Die Chefköchin bestätigt: „Ich mache meine Arbeit einfach gerne, nicht des Geldes wegen, ich koche einfach gerne gewissenhaft gesund.“
Schüler kennen keine Tischmanieren
Am Personal liegt die Abneigung gegenüber dem Kantinenessen also nicht. Woran denn dann? Sind es vielleicht die Schüler selbst? Wie benehmen sie sich in den Speisesälen? „Ja, es ist nicht wie früher. Die Schüler kennen keine Tischmanieren, weil sie nie welche gelernt haben“, sagt der Schulleiter. „Es gibt einige Chaoten während des Essens, die nerven mich sehr“, erzählt auch Kai.
Recherchen ergaben, dass viele Schüler mit der Atmosphäre während des Essens unzufrieden sind. Denn wer will schon inmitten von fliegenden Äpfeln und pöbelnden Jugendlichen essen?
Wer will inmitten von fliegenden Äpfeln essen?
Die Schüler sollten die Mittagspause nicht in einer chaotischen, sondern in einer entspannten Atmosphäre verbringen. Man sollte ihnen ermöglichen, sich nach stundenlanger Lernerei zu erholen und neue Kräfte zu tanken. Also sollte man an die Aufsicht verbessern, damit die Schüler ihr professionell und trotzdem liebevoll zubereitetes Essen stressfrei genießen können.
Anna-Maria Rakus, Klasse 8a, Ernst Barlach Gymnasium Unna

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