Anlaufstelle für Bedürftige
15.06.2010 | 16:20 Uhr 2010-06-15T16:20:00+0200
Holzwickede.Schon aus der Ferne ist das Logo der Unnaer Tafel e.V. gut zu erkennen. Die Lebensmittel werden ausgeladen, einige Menschen prüfen und sortieren sie. Dann beginnt die Ausgabe an Bedürftige.
In einer Ecke sind Konserven gelagert, sie werden oftmals nur dann herausgegeben, wenn Mangel an Lebensmitteln herrscht. Und mittendrin eine freundliche Mitarbeiterin, die bereit ist, all unsere Fragen zu beantworten.
Bereits um acht Uhr morgens fahren acht Pkw der Unnaer Tafel e.V. sämtliche Supermärkte ab, um Lebensmittelspenden entgegenzunehmen.Diese laden die Fahrer nun in Unna Königsborn ab, wo sie in der Zeit von 9 bis 15 Uhr von den Mitarbeitern geprüft und sortiert werden.
Allein an der Ausgabestelle in Unna Königsborn, die die Hauptausgabestelle ist, werden 40 Ein-Euro-Jobber und 20 ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Die Räumlichkeiten dort dürfen sie seit zweieinhalb Jahren nutzen. Angefangen habe alles im Jahr 2004, mit einer kleinen Ausgabestelle im evangelischen Krankenhaus, erzählt die Mitarbeitern. Gerade einmal 20 Bedürftige seien damals gekommen, erinnert sie sich.
Mit der Zeit kamen auch die Stammgäste
Mittlerweile gibt es 13 Ausgabestellen, von denen mehr als 10 000 Menschen alleine im Kreis Unna profitieren würden. Von diesen Menschen seien ein Drittel Kinder. Insgesamt helfen 150 ehrenamtliche Mitarbeiter in den verschiedenen Ausgabestellen mit. Mit der Zeit kamen auch die Stammgäste. Aber unter den regelmäßigen Besuchern seien auch einige, die nur zu Weihnachten oder anderen Feiertagen kommen.
Unterstützung heißt hier keineswegs, dass die Menschen ihre Lebensmittel geschenkt bekommen. Auch hier gibt es feste Preise. Eine Einzelperson zahlt zwei Euro für eine mit Lebensmitteln gefüllte Klappkiste, eine Familie von zwei bis fünf Personen drei Euro – und ab sechs Personen müssen fünf Euro gezahlt werden. Dass es feste Preise gibt, liegt einerseits daran, dass die Unnaer Tafel e.V. keine staatlichen Hilfen bekommt. Andererseits ist es für viele Menschen angenehmer, wenn sie wissen, dass sie ihre Lebensmittel ordentlich bezahlt haben, statt sie „geschenkt“ zu bekommen.
„Für manche ist das schon eine sehr große Hemmschwelle“
Doch um bedürftigen Menschen helfen zu können, müssen die Spenden erst einmal her. Lidl und Netto seien die beiden Hauptsponsoren, aber auch Kaufland, Edeka und Plus, sowie kleinere Geschäfte beteiligten sich rege. Insgesamt bekäme der Verein Lebensmittelspenden von rund 50 Geschäften, unter ihnen seien viele, die nur gelegentlich Lebensmittel spendeten. Doch bei so viel Unterstützung gäbe es leider auch Supermärkte, auf deren Unterstützung man nicht zählen könne.
Gerade zu Ferienzeiten würden einige Supermärkte ihre Ware enger kalkulieren – und somit bleibt auch weniger für die Bedürftigen übrig. In Unna Königsborn ist die Ausgabebestelle. Doch nur weil Hilfe angeboten wird, heißt das noch lange nicht, dass sie angenommen wird. „Für manche ist das schon eine sehr große Hemmschwelle“, so eine Mitarbeiterin. Sie erzählte davon, dass die Menschen häufig anrufen, um sich zu informieren, doch sie müssten oft erst zum Kommen überredet werden.
Auch Menschen mit Behinderung werden unterstützt
Wer sich zum ersten Mal an die Unnaer Tafel wendet, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, beispielsweise durch einen Hartz-IV-Antrag. Unter den Menschen, die sich teilweise stundenlang anstellen müssen, um ihren Anteil an Lebensmitteln zu bekommen, sind viele große Familien, sowie Hartz-IV-Empfänger, Senioren, Asylbewerber und Menschen mit einem Anrecht auf Wohngeld.
Dank einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin haben auch Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen eine Chance auf Unterstützung. Sie versorgt diese Menschen regelmäßig mit neuen Lebensmitteln, das Benzingeld zahlt sie aus eigener Tasche. Das Angebot der Unnaer Tafel e.V. bezieht sich jedoch nicht nur auf die Lebensmittelausgabe. An vielen Ausgabestellen gibt es auch feste Tage, an denen man dort eine warme Mahlzeit zu sich nehmen oder einen Kaffee trinken kann. Auch eine Kleiderkammer mit Spielecke ist eingerichtet worden. „Bedürftig ist, wer sich für ein bisschen altes Brot anstellt“, das lautet das Motto, das die Mitarbeiter dort gerne von ihrer Chefin übernehmen.
Daniela Kaiser, Ann-Christin Böcker, Klasse 8b, Clara-Schumann-Gymnasium, Holzwickede

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