Natur

Der Monte Schlacko

20.06.2011 | 10:39 Uhr
Der Monte Schlacko
Foto: Lück

Siegen.Hat sich nicht jeder schon einmal die Frage gestellt, wie ein Berg entsteht? Eine schwierige Frage. Am Rand des alten Hüttentals in Siegen gibt es einen Berg, dessen Entstehung man zurückverfolgen kann.

Der Monte Schlacko, im Volksmund auch „Fujijama“ genannt, ist ein künstlich angelegter Berg, der aus der Schlacke der Eisen- und Stahlindustrie im direkten Umfeld entstanden ist.

Schlacke ist ein Stoff, der oftmals als Abfallprodukt bezeichnet wird. Er entsteht bei der Herstellung von Eisen oder Stahl. Mit der Zeit stellte man das hohe Potenzial dieses „Abfallproduktes“ fest. So wird Schlacke heutzutage wieder aufbereitet und ein Großteil von ihr zum Beispiel beim Straßenbau verwendet.

Dies wurde Ende des 19. Jahrhunderts nicht gemacht. „Produziert“ wurde der Monte Schlacko, ein kegelförmiger Berggigant, durch die Bremer Hütte, eine Hochofenanlage mit zwei Öfen. Die Bremer Hütte wurde 1873 gegründet und wurde 1930 aus Kostengründen wieder stillgelegt. Während diesen fast 60 Jahren entstand die Halde mit ihrem markanten Berg.

Die in Hochöfen entstandene Schlacke wurde mit einer Seilbahn zur Halde gebracht. Noch heute kann man den Eisenpfeiler dieser Seilbahn am Gipfel des Berges sehen. Der Monte Schlacko wird als letzter Zeuge der Bremer Hütte bezeichnet.

Der Monte Schlacko ist ein Naturschutzgebiet

Ein Besuch vor Ort klärt auf: Mit einer stattlichen Höhe von 373,8 Metern über dem Meeresspiegel gilt der Monte Schlacko inoffiziell als höchster Berg von Siegen. Erst östlich am Fuße des Gipfels wird einem bewusst, welche Fläche die Schlackenhalde einnimmt. Sie reicht vom Fuße des Monte Schlacko in Weidenau nach Norden, wo Setzen beginnt.

„Früher war dies alles hier eine Mondlandschaft“, sagt Ivo Bartoszak von den Deutschen Edelstahlwerken. Als das Werk noch zur Krupp Stahl AG gehörte, beschlossen die Vorstände gemeinsam mit der damaligen Werksleitung, die Schlackenhalde mit einheimischen Tannen zu bepflanzen. Mitte der 70er Jahre wurde der Versuch gestartet, mit einer Ringleitung die Pflanzen zu bewässern. Dies gelang nicht. „Der Erfolg dieser Maßnahme stellte sich nicht ein“, sagt Bartoszak. Da Schlacke ein nährstoffarmer, jedoch schwermetallreicher Stoff ist, schaffen es nur wenige Pflanzen, sich auf diesem lebensfeindlichen Kalkgefüge anzusiedeln. Dazu gehören die Birke und stellenweise die Eiche.

Heute ist die Halde rund um den kegelförmigen Gipfel ein Naturschutzgebiet, welches eine Vielfalt von seltenen Pflanzen beherbergt. Außerdem bietet sie vielen Tieren mit ihren offenen Bodenstellen einen Lebensraum, welcher sich schnell erwärmt. Heute leben gefährdete Insekten dort.

Am 23. August 2010 hatte die Künstlerin Andrea Freiberg dem Monte Schlacko einen aus Milchtüten bestehenden Schriftzug mit der Aufschrift „Hollywood“ anziehen wollen. Dies scheiterte. Somit wanderte das „D“ vom Ende des Wortes an den Anfang: „DHollywoo“. Der Schriftzug wurde mehrere Tage lang auf dem Berg gelassen.

Der nächste Schlacke-Berg wächst heran

Direkt hinter dem heutigen Stahlwerk wächst die nächste Monte Schlacko-ähnliche „Gebirgskette“ heran, welche den Koloss bald eingeholt hat und wohl noch überholen wird.

Vielleicht sollte man dort einfach nur ausgiebig wandern und die Schlackenhalde mit allen Sinnen als einzigartiges Kleinod der Siegener Landschaft genießen. Dazu lädt jedenfalls eine Tafel auf dem Berg ein.

Alexander Mende, Janick Schaefer, Klasse 8b, Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium, Siegen

Zeus-Reporter

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