Gleiches Ziel, anderer Weg
14.05.2009 | 17:34 Uhr 2009-05-14T17:34:00+0200
Ist das gymnasiale Abitur das bessere? "Nein", sagt Sabina Mahmood. Die Zeus-Schülerin berichtet von ihren Erfahrungen in der Oberstufe an der Gesamtschule.
Abitur auf dem Gymnasium oder auf der Gesamtschule!? Diese Frage stellen sich viele, die das Abitur anstreben, doch was ist nun besser? Die meisten würden jetzt bestimmt sagen, auf dem Gymnasium, weil sie denken, das Abitur auf dem Gymnasium sei mehr wert.
Ich besuche die gymnasiale Oberstufe der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule in Recklinghausen und habe es noch nie bereut. Ich (und viele meiner Klassenkameraden) hatten in der vierten Klasse die Empfehlung für die Haupt- oder Gesamtschule. Schließlich haben wir nach der zehnten Klasse unsere Qualifikation für die Oberstufe bekommen. Ich hatte mich längst entschieden, auf der Gesamtschule zu bleiben, doch einige Freunde und Bekannte versuchten, mich umzustimmen: Das Abitur auf dem Gymnasium sei anerkannter und habe einen besseren Ruf. Von einigen hatte ich schon gehört, das Abitur auf der Gesamtschule sei leichter und man sei mit leistungsschwächeren Schülern in der Stufe und dass viele Arbeitnehmer das Abitur auf dem Gymnasium dem Abi auf der Gesamtschule vorzögen. Doch ich blieb standhaft und bei meiner Entscheidung.
Ich gehe gerne auf meine Schule und bin mir sicher, dass das Abitur auf beiden Schulen gleich schwer ist. Meiner Ansicht nach darf man das Abitur auf der Gesamtschule und das Abitur auf dem Gymnasium nicht unterscheiden. Die Unterschiede zwischen den Oberstufen sind die Art und Weise des Unterrichts, die Förderung der Schüler, die Organisation und die Betreuung der einzelnen Schüler.
Von einigen Schülern, die zurzeit das Gymnasium besuchen oder auf dem Gymnasium waren und jetzt die Gesamtschule besuchen, habe ich gehört, dass man an unserer Schule, der Gesamtschule, sogar mehr gefordert wird. Die Lehrer sind engagiert, sie kümmern sich um uns, bieten uns neue Erfahrungen an und nehmen uns ernst. Ich kann zwar nicht sagen, ob andere Oberstufen wirklich schlechter sind, doch muss ich zugeben, dass unsere Schule viele engagierte Lehrer und viele Förderangebote hat, wie zum Beispiel einen VHS-Kurs, in dem Schüler mit Migrationshintergrund ein Deutschzertifikat machen können, Mathe- und Englischförderung und vieles mehr.
Wir Oberstufenschüler, egal ob vom Gymnasium oder von der Gesamtschule, haben das gleiche Ziel, gehen nur andere Wege. Die Richtlinien für die gymnasiale Oberstufe sind an allen Oberstufen gleich; das Abitur ist nach den gleichen Vorgaben aufgebaut und die Klausuren werden von denselben Leuten bewertet.
Vielleicht fallen die Abiturklausuren im Durchschnitt an den Gymnasien besser aus, dennoch finde ich es wichtig zu beachten, dass viele Schüler, die die gymnasiale Oberstufe der Gesamtschulen besuchen, nicht sofort die Gymnasial-Empfehlung hatten. Viele von uns sprechen zuhause eine andere Sprache, sind im Deutschen nicht so gut wie diejenigen aus deutschen Elternhäusern.
Meine Mutter ist zum Beispiel Polin, mein Vater ist Pakastani. Ich kann neben den Sprachen, die wir in der Schule lernen (Englisch, Lateinisch, Niederländisch) noch Polnisch und ein paar Brocken Urdu. Erbringen wir also weniger Leistung, nur weil wir in der Grundschule noch nicht so gut waren?
Zu guter Letzt möchte ich noch sagen, dass Abitur Abitur bleibt. Ist es nicht egal, auf welchem Weg man dorthin kommt?
Sabina Mahmood, Jahrgang 11, Wolfgang-Borchert-Gesamtschule, Recklinghausen

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