Babyklappe als letzter Ausweg für hilflose Mütter
16.06.2011 | 18:27 Uhr 2011-06-16T18:27:00+0200
Recklinghausen.Wie verzweifelt muss eine Mutter sein, ihr Kind in einer Babyklappe auszusetzen. Für dieses ist es aber auch eine Chance. Zeus-Reporter haben sich die Babyklappe in Castrop-Rauxel angeschaut.
Wir haben die Babyklappe in Castrop-Rauxel besucht und uns über die soziale Einrichtung informiert. Dieses so genannte Babyfenster befindet sich im St.-Rochus-Hospital und dient der Unterstützung für Mütter, die keinen Ausweg für ihr Neugeborenes sehen und es dort ablegen können.
Das Babyfenster besteht seit drei Jahren und wurde im Juni 2008 eingeweiht. Darauf hingewiesen wird man durch zwei große Schilder mit dem Logo eines umgedrehten Fragezeichens. Um den Müttern Anonymität zu geben, befindet sich das kleine Fenster im geschützten Bereich des Hinterhofes am Krankenhaus. Das Krankenhaus kooperiert mit dem Caritasverband Recklinghausen, dem Sozialdienst katholischer Frauen in Recklinghausen und Datteln sowie mit der Telefonseelsorge.
Anfang Oktober 2008 wurde von diesen ein Krisentelefon für Mütter in Not eingerichtet. So können sich Frauen vor und nach der Abgabe des Kindes über die Hilfe und Unterstützung informieren.
Seit fast drei Jahren existiert das Babyfenster nun in Castrop und innerhalb dieser drei Jahre wurden bis jetzt erst zwei Kinder abgegeben. Beide Findelkinder waren gesund und munter und wurden am nächsten Tag direkt an das Jugendamt weitergegeben.
Kosten übernimmt das Sozialamt
Es sind immer Neugeborene, die abgegeben werden, jedoch würde sich das Krankenhaus auch um ältere Kinder kümmern. Die Kosten werden vom Sozialamt übernommen. Da es keine speziellen Angestellten für das Babyfenster gibt, werden eine Gynäkologin und eine Kinderkrankenschwester benachrichtigt, die zu dieser Zeit im Dienst sind.
Wird ein Kind in die Babyklappe gelegt, so wird ein Alarm ausgelöst, der auf dem Mobiltelefon der diensthabenden Gynäkologin ertönt. Die Erstversorgung des Kindes wird dann direkt von dem Geburtshilfe-Team übernommen. Anschließend wird das Kind wie alle anderen Neugeborenen im Neugeborenenzimmer betreut und abhängig vom Zustand des Kindes dementsprechend behandelt.
Die Verständigung des Jugend- und Ordnungsamtes erfolgt innerhalb von 24 Stunden. Das Kind wird in einer Pflegestelle untergebracht, die es zur Überbrückung versorgt.
Aufgrund ethischer Bedenken gibt es nicht in jeder Stadt Babyklappen. Manche Kommissionen behaupten, dass auch Kinder das Recht haben, ihre Eltern und Herkunft zu kennen und es zudem fragwürdig sei, ob in jeder Stadt eine Babyklappe gebraucht werde. Ebenso sei nach den kritischen Stimmen des Deutschen Ethikrates das Recht des Kindes verletzt. Nach deren Meinung seien Babyklappen ethisch und rechtlich problematisch, außerdem könne man Kinder auch anonym an das Jugendamt abgeben.
Die meisten Gründe, warum Kinder abgeben werden, sind eine ungewollte Schwangerschaft, Überforderung, finanzielle Probleme, die Inakzeptanz der Familie oder es ist nicht das Kind vom Partner. Wenn Mütter in dieser schwierigen Zeit Hilfe brauchen, können sie sich an eine Familienberatungsstelle wenden, wie Pro Familia.
Auch manche Kirchen bieten Beratungsstellen für eine psychische Unterstützung. Auch das Jugendamt wird den Müttern selbstverständlich weiterhelfen.
Die Chance auf
eine Zukunft
Unser Eindruck von der Babyklappe war sehr positiv. Wir finden es gut, dass es solche Einrichtungen gibt. Ohne diese würden Mütter vielleicht ihren Kindern Schaden zufügen. Auf diesem Weg hat das Kind dagegen immer noch die Chance, in eine glückliche Familie zu kommen.
Geschockt hat uns die Vorstellung, dass manche Menschen unüberlegt Handeln und aus „Spaß“ Bierflaschen oder ähnliches in die Klappe gelegt haben und somit einen falschen Alarm auslösten. Solchen Menschen ist anscheinend nicht bewusst, dass die Klappe nur für notbedürftige Frauen ist.
Wir waren außerdem erstaunt darüber, dass in den zwei Jahren, seitdem es die Babyklappe in Castrop-Rauxel gibt, erst zwei Kinder abgegeben wurden, was jedoch andererseits positiv ist.
Franziska Schmitt, Hannah Brandt, Hannah Stein, Marle Wagner, Klasse A1G3, Max-Born-Berufskolleg, Recklinghausen

20:59
#1
k a n n
in den allermeisten Fällen - nicht - !
UND das ist m.E. wichtiger
Leben erhalten; und nicht auf Statisken lauern
12:31
Babyklappen sind vor Jahren eingerichtet worden, um Kindestötungen zu verhindern (§217 StGB)
Diesen Effekt haben sie allerdings nicht erreicht.
Die Tötung von Neugeborenen ist dadurch nicht geringer geworden.
Für die abgelegten Kinder kann es später tatsächlich sehr belastend sein, ihre biologischen Eltern nicht ermitteln zu können.