Von Lampenfieber und Bühnen-Pannen
21.11.2007 | 19:36 Uhr 2007-11-21T19:36:44+0100INTERVIEW. Die Zeus-Reporterinnen Jasmin Jeromin und Gina Duda von der Anne-Frank-Realschule befragten die Schauspieler Jürgen Mikol und Josef Simon, die im Theater Oberhausen "Das Herz eines Boxers" und im Fernsehen spielen.
S eit Mai 2007 läuft im Theater Oberhausen das Stück "Das Herz eines Boxers" von Lutz Hübner, das nächste Mal übrigens am Sonntag, 25. November. Es handelt von dem Jugendlichen Jojo, der ein totaler Loser ist. Der Höhepunkt seiner Karriere als Loser ist es, als er für den Anführer seiner Clique eine Straftat auf sich nimmt. Bei dieser Straftat handelt es sich um einen Diebstahl. Jojo muss zur Strafe das Zimmer von Leo im Altenheim renovieren. Erst sitzt Leo trübsinnig herum. Doch dann fängt er plötzlich an, zu reden, und Jojo staunt nicht schlecht, als er die Vergangenheit des Ex-Boxers herausfindet. Wir haben die Hauptdarsteller Jürgen Mikol und Josef Simon interviewt.
Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Simon: Ich bin früh gerne ins Theater gegangen. Durch dieses Interesse bin ich zur Schauspielerei gekommen. Ich habe dann beim Schultheater mitgemacht. Mit 17 entschloss ich mich, richtig Schauspieler zu werden.
Mikol: Früher hatten wir bessere Möglichkeiten, etwas zu erreichen. Nach dem 8. Jahr verließ ich die Volksschule und ging danach an die Schauspielschule, denn es stand zur Wahl: entweder Bundeswehr oder Schauspielschule. Und für mich stand ja schon damals fest, dass Soldat nichts für mich ist.
Was reizt Sie so an der Schauspielerei?
Simon: Dass es ein aufregender Beruf ist. Es gibt immer wieder neue Themen, die angesprochen werden, mit denen man sich befassen muss.
Mikol: Das Spielen an sich. Und wenn man, wie bei "Das Herz eines Boxers" über die Werte redet, wird man zum Nachdenken animiert.
Was ist das schwerste an der Schauspielerei?
Simon: Das loslassen ist sehr schwierig, denn oft hindern einen Gedanken.
Mikol: Eine Figur zu spielen, die gar nicht zu mir passt.
Gibt es eine Rolle, die Sie nie gerne spielen würden?
Simon: Im Moment fällt mir keine ein. Am liebsten spiel ich komische Rollen.
Mikol: Ich am liebsten Shakespear.
Von der Bühne gefallen
Wie sind Sie zum Theater gekommen?
Simon: Ich habe erst meine Schauspielausbildung in Zürich gemacht. Danach saß bei einem Auftritt von mir ein Regisseur, der mich nach dem Auftritt angesprochen hat. Und so kam ich zum Theater Oberhausen.
Ist Ihnen schon einmal etwas Peinliches auf der Bühne passiert?
Simon: Ich bin einmal von der Bühne gefallen. Zum Glück ist nichts passiert. Aber sonst#1#20 Ach doch: Als ich geheiratet hatte, kam kurz vorm Auftritt ein Kollege zu mir und klopfte mir auf die Schulter. Dann ging ich auf die Bühne und wunderte mich die ganze Zeit, warum das Publikum so am Lachen war. Später hat sich herausgestellt, dass der Kollege mir einen Zettel mit der Aufschrift "Frisch verheiratet" auf den Rücken geklebt hatte.
Wie bereiten Sie sich auf eine Rolle vor?
Simon: Indem ich das Stück lese, dann den Text lerne.
Mikol: Ich sammle Informationen über diese Rolle. Ich gucke Filme über die Rolle. Zum Beispiel habe ich mich für die Rolle als Leo in diesem Stück so vorbereitet, das ich wieder mit dem Boxtraining angefangen habe.
Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Simon: Jojo ist ein Jugendlicher, der unsicher ist. Er hat Probleme mit einem Mädchen, in das er sich verliebt hat und weiß nicht so recht, wie er es ihr zeigen kann. Dann hat leichte Probleme in der Clique.
Mikol: Leo ist ein armer alter Mann, der nun im Altersheim hockt und sich da alles andere als wohl fühlt. Er hat das Gefühl, erdrückt zu werden, deshalb versucht er auszubrechen.
Was machen Sie kurz vor einem Auftritt?
Simon: Erst zieh ich das Kostüm an, danach gehe ich in die Maske. Zudem gehe ich am Vorabend früh genug schlafen.
Mikol: Ich höre am Abend vorher meistens Bach. Dann gehe ich noch mal den Text durch und gehe an sich in Gedanken alles noch einmal von vorne bis hinten durch.
Mikol spielt den Opa bei "Alles Atze"
Haben Sie Lampenfieber?
Simon: Ja, immer wieder.
Mikol: Ja. Ich glaube es gibt niemanden, der kein Lampenfieber hat. Du musst Angst haben, aber die darf dich nicht überwältigen. Bei mir hilft da Bach.
Herr Mikol, was denken oder fühlen Sie, wenn Sie sich selber im Fernsehen oder auf einem Plakat sehen?
Mikol: Fürchterlich! Wenn ich bei einem Stück mitmache, dann habe ich immer so eine Art Vorstellung in meinem Kopf wie das aussehen wird. Und meistens sehe ich nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt habe. Meistens dauert es immer ein Jahr, bis ich mir das angucken kann, was ich gemacht habe. (lacht) Es hat auch lange Zeit gebraucht, bis ich meine Rolle, den Opa Pläte bei "Alles Atze" mochte.
Aber heute liebe ich ihn. Denn er ist immer verschieden, mal ist er der Gute, und mal ist er der Schlechte.
Haben oder hatten Sie Vorbilder?
Mikol: Mein Vorbild ist Curt Bois. Er war genial.
Was für Filme und Sendungen schauen Sie sich im Moment am liebsten an?
Mikol: Ich glaube, je älter man wird, desto politischer wird man. Deshalb schaue ich im Fernsehen viel so politische Sendungen.
Zum Schluss noch: Haben Sie ein (Lebens-)Motto?
Mikol: Wenn du etwas wirklich erreichen willst, dann schaffst du es auch.
Zeus: Vielen Dank.
Jasmin Jeromin, Gina Duda, 9b, Anne-Frank-Realschule

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